„Ei­ne rea­lis­ti­sche 50:50-Chan­ce“

Karls­ru­her Aro Ar­manc Gat­ti kämpft in Ka­na­da um den Ju­nio­ren-WM-Ti­tel

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ha­rald Lin­der

Wenn sich ein Bo­xer den Na­men Aro Ar­manc Gat­ti zu­legt, zeugt dies schon da­von, wer sein bo­xe­ri­sches Vor­bild ist, denn der le­gen­dä­re Ar­turo „Thun­der“Gat­ti, der 2009 un­ter mys­te­riö­sen Um­stän­den ver­starb, ist für Aro Ar­manc Gat­ti, der als Ar­manc Ab­dul­rah­man in Karls­ru­he ge­bo­ren wur­de, der Bo­xer, „der mich am meis­ten be­ein­druckt hat“, so der 22-jäh­ri­ge Karls­ru­her, der sich an­schickt, am kom­men­den Sams­tag (3. Sep­tem­ber) in Mon­tre­al um den va­kan­ten Ju­ni­or-Welt­meis­ter­ti­tel im Su­per­mit­tel­ge­wicht ge­gen den Ka­na­di­er Erik Ba­zi­nyan zu bo­xen. Was wie ein Box­mär­chen an­mu­tet, ist ei­ner­seits ein biss­chen dem „Kom­mis­sar Zu­fall“, an­de­rer­seits den in­ter­na­tio­na­len Be­zie­hun­gen, die der Karls­ru­her Box­stall „Fä­cher Sport Ma­nage­ment“un­ter­hält, ge­schul­det. „Die Ka­na­di­er ha­ben ei­nen Geg­ner für ih­ren Mann ge­sucht, von dem sie glau­ben, dass er leicht

„Mis­si­on Im­pos­si­ble“oder ein Box­mär­chen?

zu schla­gen ist und wir ha­ben mit Aro ei­nen, von dem wir glau­ben, dass er ei­ne rea­lis­ti­sche 50:50-Chan­ce in die­sem Kampf hat“, sagt Han­si Bren­ner, der Aro Gat­ti seit An­fang des Jah­res als Trai­ner be­treut. Der eins­ti­ge Coach von Vin­cent Fei­gen­butz be­schei­nigt sei­nem Schütz­ling „gro­ße Fort­schrit­te in sei­ner bo­xe­ri­schen Ent­wick­lung“. Vom Thai- und Kick­bo­xen kam Aro Gat­ti vor zwei Jah­ren zu Jür­gen Lutz ins Dax­lan­de­ner „Bull­dog Gym“, wo er seit­her als Bo­xer trai­niert und bis­lang zwölf Kämp­fe (elf Sie­ge), vor­wie­gend in der Re­gi­on, be­stritt. Le­dig­lich ge­gen Do­mi­nik Britsch, der als ei­nes der größ­ten na­tio­na­len Box­ta­len­te gilt, ver­lor der Karls­ru­her im De­zem­ber 2015 den Ti­tel­kampf des BDB im Mit­tel­ge­wicht nach Punk­ten. Da­nach ging er zu Han­si Bren­ner, der sei­nem Schütz­ling „gro­ßen Ehr­geiz“be­schei­nigt. Und das ist „so­wohl sei­ne Stär­ke als auch sei­ne Schwä­che“, denn „manch­mal will er zu viel und dann muss ich ihn wie­der ein­brem­sen, da­mit er nicht über­zieht“, sagt Bren­ner. Auch Gat­ti selbst be­zeich­net sich als „sehr ehr­gei­zig“und ist da­von über­zeugt, „die Zi­e­nicht le, die man sich steckt, auch er­rei­chen zu kön­nen, wenn man hart da­für ar­bei­tet“. Das tut Aro Gat­ti und geht da­bei auch un­ge­wöhn­li­che We­ge. So ab­sol­vier­te er noch ein Trai­ning bei Flo­ri­an Böck­ler, dem Ath­le­tik-Coach des KSC, der ihn un­ter an­de­rem mit Lauf­ein­hei­ten über klei­ne Hin­der­nis­se, bei dem ein Fall­schirm als Brems­klotz dien­te, 90 Mi­nu­ten lang über den Trai­nings­platz im Wild­park scheuch­te. Aro Gat­ti fand die­se schweiß­trei­ben­de Ge­schich­te „rich­tig gut und mal was Neu­es im Trai­nings­all­tag“. Am 3. Sep­tem­ber in Mon­tre­al will Aro Gat­ti Ge­schich­te schrei­ben. Er will den haus­ho­hen Fa­vo­ri­ten Erik Ba­zi­nyan ent­zau­bern und den WBO-Ju­ni­or-Ti­tel im Su­per­mit­tel­ge­wicht nach Karls­ru­he ho­len. Angst vor Ba­zi­nyan hat Gat­ti nicht, auch wenn die­ser nicht nur al­le sei­ne bis­he­ri­gen Pro­fi­kämp­fe ge­won­nen hat, son­dern auch als Ama­teur schon sehr er­folg­reich war. „Ich glau­be, dass ich die­sen Ti­tel mehr will als er“, sagt der jun­ge Mann, den sein Sport­leh­rer im Kan­tGym­na­si­um, der auch Kick­bo­xer war, einst zu die­sem Sport ani­miert hat­te. „Wir fan­den das da­mals cool, was er ge­macht hat und woll­ten dies auch. Ich bin dann da­bei ge­blie­ben, bis ich zum Bo­xen ge­wech­selt bin“er­in­nert er sich, wie er als 17-Jäh­ri­ger mit dem Kick­bo­xen be­gann. Die Schu­le hat dar­un­ter ge­lit­ten. Gat­ti macht Abitur und stu­dier­te ei­ni­ge Se­mes­ter Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten. Mitt­ler­wei­le hat er zu­sam­men mit Part­nern ei­ne Fir­ma für Ver­mö­gens­be­ra­tung ge­grün­det, in der er nach wie vor tä­tig ist, „weil mir der Be­ruf ein­fach Spaß macht“. In den nächs­ten Ta­gen wer­den sei­ne Kom­pa­gnons oh­ne ihn aus­kom­men müs­sen. Am Di­ens­tag fliegt Aro Ar­manc Gat­ti nach Ka­na­da, am Sams­tag will er nach der Ju­niorKro­ne im Su­per­mit­tel­ge­wicht grei­fen. Auch wenn dies an­ge­sichts ei­nes schier über­mäch­ti­gen Geg­ners, der auch den Heim­vor­teil auf sei­ner Sei­te hat, fast wie ei­ne „Mis­si­on Im­pos­si­ble“an­mu­tet.

Will am 3. Sep­tem­ber in Mon­tre­al Ge­schich­te schrei­ben: Dann boxt Aro Ar­manc Gat­ti, 22, ge­gen den Ka­na­di­er Erik Ba­zi­nyan um den Ju­ni­or-Welt­meis­ter­ti­tel im Su­per­mit­tel­ge­wicht der WBO. Fa­vo­rit Ba­zi­nyan vor des­sen He­im­pu­bli­kum ent­zau­bern und den Gür­tel nach Karls­ru­he ho­len – das ist Gat­tis Plan. Foto: GES/Prang

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