Mit Stäb­ler und Wut im Bauch

Rin­ger-Bun­des­li­gist SVG Wein­gar­ten will end­lich wie­der ei­nen Ti­tel

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Man­fred Spitz

Wenn am kom­men­den Wo­che­n­en­de die Rin­ger-Bun­des­li­ga in die Sai­son 2016/2017 star­tet, gibt es ge­gen­über den Vor­jah­ren zwei si­gni­fi­kan­te Än­de­run­gen: Nach dem sport­li­chen Ab­stieg des KAV Mans­fel­der Land und ei­ner Rück­zugs­wel­le (Möm­bris/Kö­nigs­ho­fen, Schries­heim, Lu­cken­wal­de) blie­ben nur acht Teams üb­rig, die nun nicht mehr in ei­ner Nord- und Süd­staf­fel son­dern ei­ner ein­glei­si­gen Ers­ten Bun­des­li­ga an­tre­ten. Nach Vor- und Rück­run­de ge­hen der Ers­te bis Vier­te ins Meis­ter­schafts­halb­fi­na­le mit Hin- und Rück­kampf, der Fünf­te bis Ach­te in die Ab­stiegs­run­de. Au­ßer­dem wird der deut­sche Rin­ger-Mann­schafts­meis­ter 2016/2017 erst­mals in drei End­kampf-Du­el­len er­mit­telt. Nach Hin- und Rück­kampf auf je­weils hei­mi­scher Mat­te se­hen sich die bei­den Fi­na­lis­ten ein drit­tes Mal an „neu­tra­lem“Ort (Aschaf­fen­burg) zur end­gül­ti­gen

Drei Fi­nal­kämp­fe mit neu­em Wer­tungs­mo­dus

Ent­schei­dung wie­der. Nach­dem der Deut­sche Rin­ger-Bund (DRB) den End­kampf an ei­nem fes­ten Ter­min in Aschaf­fen­burg aus­tra­gen woll­te und die Ver­ei­ne da­ge­gen Sturm ge­lau­fen wa­ren (der SONN­TAG be­rich­te­te), hat sich der Ver­band, so scheint es, zu ei­ner sa­lo­mo­ni­schen Ent­schei­dung durch­ge­run­gen. Oder doch zu nichts Hal­ben und nichts Gan­zen? „Man könn­te auch sa­gen, man will es al­len ge­recht ma­chen“, meint Frank Hein­zel­be­cker, Trai­ner des SV Ger­ma­nia Wein­gar­ten. „Ob’s ein Bur­ner oder ein Flop wird, das kann nie­mand sa­gen. Kei­ner weiß, wie sich das in die­ser Form dar­stellt.“Und, so Hein­zel­be­cker wei­ter, „was bleibt für den Ver­ein? Fest steht, du musst dich als Fi­na­list ei­nem drit­ten Kampf stel­len – und da­für Leu­te be­zah­len. Weil aber noch nicht klar ist, was fi­nan­zi­ell vom Ver­band kommt, ha­ben die Ver­ei­ne kei­ne kal­ku­la­to­ri­sche Grö­ße. Wir wis­sen nur, dass vom DRB was kommt, es blei­ben aber vie­le Fra­ge­zei­chen.“Mo­di­fi­ziert wur­de auch die Wer­tung. Für ei­nen Kampf­ge­winn gibt es nun grund­sätz­lich ei­nen Punkt. Die Ad­di­ti­on al­ler Punk­te er­gibt den Ge­samt­sie­ger. Das könn­te durch­aus das Span­nungs­mo­ment vor dem drit­ten Kampf. Üb­li­cher­wei­se bringt ein kla­rer, zum Bei­spiel Schul­ter-Sieg, vier Mann­schafts­punk­te. Der Geg­ner muss dann schon kräf­tig nach­le­gen. Frank Hein­zel­be­cker: „Was bes­ser ist, das muss sich jetzt erst Mal zei­gen.“Bei al­len Un­klar­hei­ten, ei­nes steht fest: Wein­gar­ten will sei­nen nächs­ten Ti­tel. Ob’s der drit­te oder vier­te wä­re – da gibt es schon wie­der ein Fra­ge­zei­chen. „Der SVG Wein­gar­ten geht noch als Vi­ze in die Run­de“, macht der Ger­ma­nen-Coach deut­lich. Nach po­si­ti­ven Do­ping-Pro­ben zwei­er aus­län­di­scher Rin­ger des Vor­jah­res­meis­ters ASV Nen­din­gen war ei­gent­lich er­war­tet wor­den, dass die un­ter­le­ge­ne Walz­bach-Staf­fel zum Mann­schafts­meis­ter ge­kürt wird. „Das ist nach wie vor ein schwe­ben­des Ver­fah­ren“, sagt Hein­zel­be­cker und mit ei­ner Por­ti­on Wut im Bauch fügt er hin­zu: „Wir wol­len auch in der nächs­ten Run­de vor­ne an­grei­fen!“Den KSV Aa­len hat Hein­zel­be­cker als Ti­tel-Mit­kon­kur­rent Num­mer eins auf der Rech­nung. Isprin­gen, Mainz und Köl­ler­bach be­trach­tet er in der aus­ge­gli­chen be­setz­ten Li­ga als wei­te­re har­te Wi­der­sa­cher. Dau­er­kon­tra­hent Nen­din­gen stuft er als „nicht mehr so stark“ein. Zur Ver­fü­gung steht Frank Hein­zel­be­cker ein 24-Mann-Ka­der. „Wir ha­ben uns ge­gen­über ver­gan­ge­ner Sai­son wie­der ver­bes­sert“, sagt er. Doch das müs­se man auch „in Re­la­ti­on zu den an­de­ren“se­hen. Dank zehn deut­scher Kämp­fer sei man al­ler­dings sehr va­ria­bel und für Geg­ner schwer aus­re­chen­bar. Mit De­niz Me­ne­ke und Ramsin Aziz­ir ha­ben zwei star­ke Ak­teu­re den Ver­ein in Rich­tung Aa­len ver­las­sen. Bei bei­den „konn­ten wir fi­nan­zi­ell nicht mit­hal­ten“, er­klärt Hein­zel­be­cker. Im Ge­gen­zug ge­lan­gen dem SVG ei­ni­ge hoch­ka­rä­ti­ge Ver­pflich­tun­gen. Al­len vor­an Grie­chisch-Rö­misch-Ass Frank Stäb­ler. Mit SVG-Ur­ge­stein Adam Ju­retz­ko (44) deckt der 26-jäh­ri­ge Schwa­be, der zu­letzt für Nen­din­gen auf die Mat­te ging, die Ge­wichts­klas­se bis 75 Ki­lo­gramm ab. „Er ist ein Aus­hän­ge­schild des deut­schen Ring­sports“, freut sich Hein­zel­be­cker, das Ren­nen um den am­tie­ren­den Welt­meis­ter ge­macht zu ha­ben. Meh­re­re An­fra­gen ha­be es ge­ge­ben, ließ Stäb­ler in ei­nem Ver­eins­in­ter­view wis­sen, „aber der SV Ger­ma­nia hat sich ein­fach am meis­ten um mich be­müht. Da­zu ist das Um­feld in Wein­gar­ten sehr pro­fes­sio­nell und zu­kunfts­ori­en­tiert. Es hat ein­fach ge­passt.“Hein­zel­be­cker: „Beim olym­pi­schen Tur­nier in Rio (da bis 66 Ki­lo; d. Red.) konn­te Frank Stäb­ler ver­let­zungs­be­dingt lei­der nicht das ab­ru­fen, was man von ihm er­war­tet hat. „Wir müs­sen se­hen, dass er schnell wie­der fit wird, dann ha­ben wir ei­nen her­aus­ra­gen­den Ak­teur.“

Ge­han­di­capt in Rio: Ei­nen Tag vor der Abrei­se zog sich Rin­ger-Ass Frank Stäb­ler (rechts ge­gen den Ja­pa­ner To­mo­hi­ro Inoue) ei­ne Fuß­ver­let­zung zu, wur­de in der 66-Ki­lo-Klas­se nur Olym­pia-Sieb­ter. Für Bun­des­li­gist SVG Wein­gar­ten will er ab der Rück­run­de (75 Kg/Grie­chisch-Rö­misch) auf die Mat­te ge­hen. Foto: GES/Gün­gör

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