Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Mot­ten ner­ven. Man öff­net ei­ne Schrank­tür – und prompt flat­tert ein bräun­lich­grau­es Et­was hin­aus. Ein Et­was, das wo­mög­lich schon Hun­der­te von Ei­ern ge­legt hat, aus de­nen als­bald ge­frä­ßi­ge Lar­ven schlüp­fen. Fa­den­ar­ti­ge Ge­spins­te im Müs­li oder Lö­cher im Kaschmir­pul­li sind un­trüg­li­che Zei­chen da­für, dass die Schäd­lin­ge sich un­be­fugt Zu­gang zu un­se­ren Heim ver­schafft und häus­lich ein­ge­rich­tet ha­ben. Das Bes­te, was man über Mot­ten sa­gen kann, ist, dass sie ihr zer­stö­re­ri­sches Werk in al­ler Stil­le ver­rich­ten. An­ders als die ge­mei­ne Haus­schna­ke, die uns mit ih­rem Zzzzzzz um den Schlaf bringt, ehe sie zum An­griff über­geht. Und doch war es aus­ge­rech­net ei­ne Mot­te, die am Di­ens­tag in Braun­schweig die An­woh­ner ei­ner gan­zen Stra­ße aus dem Schlum­mer riss. Das schaff­te der Flat­ter­mann frei­lich nicht aus ei­ge­ner Kraft – er be­nutz­te ei­nen Ver­stär­ker. Oder viel­mehr: die Alarm­an­la­ge ei­nes Au­tos. Ver­mut­lich hat­te der Fah­rer, als er den Wa­gen park­te, gar nicht re­gis­triert, dass sich ei­ne Mot­te ein­ge­schli­chen hat­te. Ihr hüp­fen­des Ge­flat­ter ak­ti­vier­te in der Nacht den sen­si­blen Be­we­gungs­sen­sor der Alarm­an­la­ge. Die An­woh­ner wa­ren von dem Ge­hu­pe schließ­lich so ge­nervt, dass sie die Po­li­zei rie­fen. Die Er­mitt­ler klin­gel­ten den Fahr­zeug­hal­ter aus dem Bett, der schloss den Wa­gen auf, die Mot­te mach­te sich da­von – und: Für den Rest der Nacht war Ru­he. Haus­frie­dens­bruch, Mund­raub, Sach­be­schä­di­gung und jetzt so­gar Lärm­be­läs­ti­gung – Mot­ten ma­chen nichts als Är­ger. Trotz­dem tau­chen sie im Po­li­zei­be­richt nur sel­ten auf. Man muss schon tief in der Mot­ten­kis­te der Ord­nungs­hü­ter kra­men, um fün­dig zu wer­den. Aber sie­he da: In Kon­stanz wur­de im Ok­to­ber 2015 ei­ne Mot­te ak­ten­kun­dig – es ging um ei­ne ver­such­te Tö­tung. Wo­bei die Mot­te al­ler­dings nicht die Tä­te­rin, son­dern das po­ten­zi­el­le Op­fer war. Ein Mann hat­te das In­sekt in sei­ner Kü­che ent­deckt – es saß auf der Ab­de­ckung des Lüf­tungs­schachts. War es Ekel oder Hass? Der Mann woll­te das Tier re­gel­recht ab­fa­ckeln. Er nahm ein Deo­spray, ziel­te auf die Mot­te und ent­zün­de­te den Sprüh­stoß mit ei­nem Feu­er­zeug. Blöd nur: An­schlie­ßend muss­te die Feu­er­wehr mit 22 Mann an­rü­cken, um den Brand im Lüf­tungs­schacht zu lö­schen. „Ob das In­sekt ge­tö­tet wur­de, ist nicht be­kannt“, hieß es im Po­li­zei­be­richt. Ein Satz, aus dem viel Le­bens­er­fah­rung spricht: Wenn man die Mot­ten kriegt, ist es elend schwer, sie wie­der los zu wer­den.

Da kriegt man doch die Mot­ten

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