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Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Pe­ter Tre­bing

Man könn­te Udo Scholz stun­den­lang zu­hö­ren. Und der 77-Jäh­ri­ge könn­te ver­mut­lich auch stun­den­lang er­zäh­len aus sei­nem sehr be­weg­ten Le­ben. Doch das dürf­te selbst für die „Stim­me der Ad­ler“auf Dau­er ziem­lich müh­sam wer­den. Des­halb hat der Mann, der seit mehr als zwei Jahr­zehn­ten Sta­di­on­spre­cher des Mann­hei­mer Eis­ho­ckey-Erst­li­gis­ten ist, sei­ne Er­leb­nis­se und An­ek­do­ten zu Pa­pier ge­bracht und ein Buch ge­schrie­ben, das noch vor Weih­nach­ten er­schei­nen soll. Dar­in soll dann ste­hen, wie sich Scholz in den 1960er Jah­ren im le­gen­dä­ren Ham­bur­ger Star-Club als Mäd­chen für al­les auch um spä­te­re Mu­sik-Iko­nen wie die Beat­les oder die Ratt­les küm­mer­te. Oder wie er Kin­der­star Heint­je („Ma­ma“) auf des­sen Tour­ne­en be­treu­te, bis es zu des­sen nicht wirk­lich über­ra­schen­den Kar­rie­re­bruch kam. Der Grund da­für? „Na­tür­lich der Stimm­bruch“, lacht Scholz. Kon­takt zum Nie­der­län­der, der heu­te un­ter dem Na­men Hein Si­mons als Schla­ger­sän­ger auf­tritt, pflegt er im­mer noch. Kult aber wur­de Udo Scholz in ei­nem an­de­ren Me­tier: Als Sta­di­on­spre­cher. Und dies per Zu­fall. West­fa­le Scholz war zu Be­ginn der 1960er Jah­re Ki­cker bei Rot-Weiß Lü­den­scheid. Als er ver­letzt war, wur­de er ver­tre­tungs­wei­se Sta­di­on­spre­cher und in die­ser Funk­ti­on von Bo­rus­sia Dort­mund „ent­deckt“. Die Schwar­zGel­ben ani­mier­ten Scholz zu ei­nem Wech­sel – aber nicht als Spie­ler, son­dern als Mann fürs Mi­kro­fon. Neun Jah­re mach­te er den Job beim BVB bis 1972, dann ging es in die Pfalz. Als be­ruf­li­chen Grün­den, weil Scholz dort im Au­ßen­dienst tä­tig war. Und auch am Mi­kro­fon ging es wei­ter: Scholz wur­de Sta­di­on­spre­cher bei den „Ro­ten Teu­feln“in Kai­sers­lau­tern und in­ter­pre­tier­te sei­ne Rol­le völ­lig neu. Er mach­te sei­ne An­sa­gen vom Platz, ein No­vum im deut­schen Fuß­ball. Er ver­las bei den Auf­stel­lun­gen nur noch die Vor­na­men der Spie­ler, das Pu­bli­kum muss­te die Nach­na­men er­gän­zen. Und er mach­te Wer­bung im Sta­di­on. Live und in Rei­men. Scholz schmun­zelt: „Da ka­men Sprü­che wie: Der Pfei­fen­rau­cher weiß genau, Lan­de­wyck ist die gro­ße Schau.“Le­gen­där aber wur­de er als Er­fin­der des An­ti-Bay­ern-Klas­si­kers „Zieht den Bay­ern die Le­der­ho­sen aus.“Kei­ne Fra­ge, Udo Scholz, der lan­ge in Wein­heim und Mann­heim leb­te und heu­te mit sei­ner zwei­ten Frau Mar­got ein Re­stau­rant in Frie­dels­heim be­treibt, war Kult am „Bet­ze“, muss­te aber nach ei­nem Streit mit FCK-Ge­schäfts­füh­rer Klaus Fuchs ge­hen. Schnee von ges­tern, sagt der Rast­lo­se, denn bei den Mann­hei­mer Ad­lern hat er längst sei­ne neue „Hei­mat“ge­fun­den. Zum Glück für ihn, denn er hat ein Pro­blem, wie er sagt: „Ich bin mi­kro­fon­geil.“Aber da­zu passt dann ja der ge­plan­te Buch­ti­tel per­fekt: „Ein Le­ben für das Mi­kro­fon.“

Foto: pri­vat

Un­zer­trenn­lich: Udo Scholz und das Mi­kro­fon. Der West­fa­le, der lan­ge in Ba­den ge­lebt hat, ist be­kannt ge­wor­den als Er­fin­der des Slo­gans „Zieht den Bay­ern die Le­der­ho­sen aus“.

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