Frau­en­häu­ser über­füllt

Für vie­le Ge­walt­op­fer ist im Süd­wes­ten kein Zim­mer frei

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

Die Frau­en­häu­ser im Süd­wes­ten sind über­füllt – in Fe­ri­en­zei­ten ist es aus Sicht von Ex­per­ten be­son­ders schlimm. „Wir ha­ben im­mer Platz­pro­ble­me“, sag­te die Spre­che­rin der Ko­or­di­nie­rungs­stel­le der Au­to­no­men Frau­en­häu­ser Ba­den-Würt­tem­berg, Syl­via Hal­ler, in Hei­del­berg. Vor al­lem in der Ur­laubs­zeit wür­den vie­le Frau­en, die von Ge­walt be­droht sind, mit ih­ren Kin­dern ver­su­chen zu flie­hen. In den Som­mer­fe­ri­en sei der Um­zug mit Kin­dern leich­ter, da die schmerz­haf­te Ent­wur­ze­lung et­was ge­rin­ger sei. Weih­nach­ten da­ge­gen sei ei­ne schwie­ri­ge Zeit in Fa­mi­li­en, da es vie­le Er­war­tun­gen und da­her ein ho­hes Stres­s­po­ten­zi­al gä­be. Das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um Ba­den-Würt­tem­berg hat­te im Früh­jahr ei­ne Be­stands­auf­nah­me zu den Frau­en­häu­sern in Auf­trag ge­ge­ben. Dem­nach ant­wor­te­ten 97 Pro­zent der Ein­rich­tun­gen auf die Fra­ge, ob sie al­le be­droh­ten Frau­en auf­neh­men konn­ten, mit „Nein“. Es gä­be „Zei­ten ge­rin­ger und Zei­ten von ho­her Aus­las­tung bis­wei­len so­gar Über­fül­lung“. Da­her sei die Pla­nung der Plät­ze schwie­rig, hieß es. Bei­spiel Hei­del­ber­ger Frau­en­haus: 2015 muss­ten dort 135 Frau­en mit 155 Kin­dern ab­ge­wie­sen wer­den. Da­ge­gen konn­ten nur fünf­zig Frau­en auf­ge­nom­men wer­den, die 58 Kin­der mit in das Haus brach­ten. „Es gibt ver­mehrt An­fra­gen aus Flücht­lings­un­ter­künf­ten, ent­we­der di­rekt von be­trof­fe- nen Frau­en oder von Mit­ar­bei­tern“, er­zähl­te Hal­ler. Kä­men Flücht­lings-Frau­en in die Frau­en­häu­ser, be­deu­te das durch die Bü­ro­kra­tie mehr Auf­wand für die Mit­ar­bei­ter. „Ei­ne Lo­cke­rung der Re­si­denz­pflicht der Flücht­lin­ge und ei­ne sta­bi­le Fi­nan­zie­rung wä­ren ei­ne Er­leich­te­rung“. Grund­sätz­lich sei die Fi­nan­zie­rung durch die Kom­mu­nen ein Pro­blem: Ha­ben die Frau­en Syl­via Hal­ler zu­fol­ge ei­nen fi­nan­zi­el­len An­spruch beim Job­cen­ter, sei das am ein­fachs­ten. Bei al­len Fäl­len dar­über hin­aus sei es un­si­cher und kom­pli­ziert, für Un­ter­stüt­zung zu sor­gen. „Ei­ne lan­des­weit ein­heit­li­che Fi­nan­zie­rung wä­re ide­al“, sag­te Hal­ler.

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