Hoff­nung fürs Kli­ma

Vor dem G20-Gip­fel ha­ben sich die „Gi­gan­ten“be­wegt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Andre­as Land­wehr/avs/AFP

Es ist ein Rie­sen­schritt, sa­gen Um­welt­ver­bän­de. US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma und sein chi­ne­si­scher Kol­le­ge Xi Jin­ping las­sen sich der­weil vor dem G20Gip­fel in Hang­zhou als Kli­ma­ret­ter fei­ern. Oba­ma meint, die Ver­ein­ba­rung sei der ent­schei­den­de Schritt zur „Ret­tung un­se­res Pla­ne­ten“. Tat­säch­lich ist die Um­set­zung des Kli­ma­schutz­ab­kom­mens von Pa­ris nun nä­her ge­rückt: Chi­na und die USA sind schließ­lich die bei­den größ­ten Ver­ur­sa­cher von Treib­haus­gas-Emis­sio­nen. Ob­wohl die Fa­b­ri­ken im Um­kreis von 300 Ki­lo­me­tern für den G20-Gip­fel schlie­ßen muss­ten, kön­nen die Bür­ger von Hang­zhou am Sams­tag noch nicht rich­tig durch­at­men. Die Luft­wer­te für den ge­fähr­li­chen Fe­in­staub (PM2,5) lie­gen in der ost­chi­ne­si­schen Stadt am Mor­gen um das Vier- bis Sechs­fa­che über dem Grenz­wert der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on. Als Ba­rack Oba­ma mit sei­ner Prä­si­den­ten-Ma­schi­ne am Nach­mit­tag bei blau­em Him­mel lan­det, zeig­te der In­dex noch das Dop­pel­te an. Kein Zwei­fel, Chi­na muss viel tun, um die Luft sau­ber zu krie­gen – auch für den Kli­ma­schutz. Kaum ge­lan­det, schrei­tet Oba­ma mit Chi­nas Prä­si­dent Xi Jin­ping zur Tat. Bei­de über­ge­ben UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ban Ki Moon die Do­ku­men­te zur An­nah­me des Kli­ma­ab­kom­mens von Pa­ris, das Chi­nas Volks­kon­gress und Oba­ma zu­vor ra­ti­fi­ziert ha­ben. „Nur Wil­le und Ent­schei­dungs­kraft füh­ren zu gro­ßen Er­run­gen­schaf­ten“, zi­tiert Xi ein chi­ne­si­sches Sprich­wort. Die Stim­mung ist ge­löst, als Oba­ma und Xi im Gäste­haus am West­see in Le­der­ses­seln Platz neh­men, um über ih­re sonst eher an­ge­spann­ten Be­zie­hun­gen zu spre­chen. „Es ist ein Bei­spiel, was wir er­rei­chen kön­nen, wenn wir zu­sam­men­ar­bei­ten“, sagt Oba­ma. Die Schön­wet­ter-Dra­ma­tur­gie für den Gip­fel der füh­ren­den In­dus­trie- und Schwel­len­län­der (G20) hät­te nicht bes­ser sein kön­nen. Voll­mun­dig lobt das Wei­ße Haus die Ra­ti­fi­zie­rung als „wei­te­ren Mei­len­stein in dem Ver­mächt­nis der Kli­ma­füh­rer­schaft von Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma und Prä­si­dent Xi“. Da­bei ze­le­brie­ren die bei­den schon zum drit­ten Mal in knapp zwei Jah­ren mög­lichst öf­fent­lich­keits­wirk­sam ei­nen Kli­ma-De­al, der noch sehr viel zu wün­schen üb­rig lässt. Dem scheiAb­bau den­den US-Prä­si­den­ten geht es um den Platz in der Ge­schich­te. Xi wie­der­um will Chi­na vom Image des Um­welt­ver­schmut­zers be­frei­en. Dass die bei­den größ­ten „Kli­ma­sün­der“vor­an­ge­hen müs­sen, ver­steht sich aber ei­gent­lich von selbst, kom­men­tie­ren Kri­ti­ker. Bis vor zwei Jah­ren stan­den die USA und Chi­na noch fest auf der Brem­se. Erst auf dem Asi­en-Pa­zi­fik-Gip­fel (Apec) im No­vem­ber 2014 in Pe­king ver­pflich­te­ten sich Oba­ma und Xi – mit ähn­lich viel Spek­ta­kel – auf mess­ba­re Zie­le. Das eb­ne­te im­mer­hin den Weg für das Pa­ri­ser Ab­kom­men. Die USA sag­ten ei­ne Re­du­zie­rung um 26 bis 28 Pro­zent bis 2025 im Ver­gleich zu 2005 zu, wäh­rend sich Chi­na da­zu ver­pflich­te­te, das Wachs­tum sei­ner Treib­haus­ga­se bis 2030 zu­min­dest zu stop­pen. Chi­na dürf­te sein Ziel oh­ne gro­ße An­stren­gun­gen vor­zei­tig er­rei­chen. Das lang­sa­me­re Wirt­schafts­wachs­tum, die ge­rin­ge­re Koh­le­nut­zung, der von Über­ka­pa­zi­tä­ten in schmut­zi­gen In­dus­tri­en und der wach­sen­de An­teil von Di­enst­leis­tun­gen ha­ben den Aus­stoß ge­bremst. Ex­per­ten dis­ku­tie­ren be­reits, ob der Hö­he­punkt der chi­ne­si­schen Emis­sio­nen nicht heu­te schon er­reicht ist – oder in na­her Zu­kunft. Chi­na ver­dient si­cher Lob, dass es mas­siv er­neu­er­ba­re Ener­gi­en aus­baut. Sie tra­gen schon 10,5 Pro­zent zu Chi­nas Ener­gie­nut­zung bei. Aber die schmut­zi­ge Wahr­heit: Zwei Drit­tel al­ler Ener­gie kommt in Chi­na im­mer noch aus der Koh­le, wor­an sich auch in Zu­kunft we­nig än­dern wird. Trotz­dem: Die Ra­ti­fi­zie­rung sor­ge für „Rü­cken­wind“in den Be­mü­hun­gen, das Kli­ma­ab­kom­men welt­weit in Kraft zu set­zen, sagt Chris­toph Bals von Ger­m­an­watch. „Wenn sich die bei­den Gi­gan­ten nicht be­we­gen wür­den, wä­re schon jetzt klar, dass wir die Kli­ma­zie­le von Pa­ris nicht er­rei­chen wür­den.“

Fo­to: avs

Star­kes Zei­chen in Sa­chen Kli­ma­schutz: Chi­nas Prä­si­dent Xi Jin­ping (Mit­te) und US-Prä­si­dent Oba­ma (rechts) schüt­teln sich im Bei­sein von UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ban Ki Moon die Hän­de.

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