Heu­te steigt auch Eu­ro­pa ein

Qua­li­fi­ka­ti­on für WM 2018 be­ginnt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Pe­ter Tre­bing

Heu­te steigt end­lich auch Eu­ro­pa in den Kampf um die WM-Ti­ckets ein – als letz­ter Fi­fa-Kon­ti­nen­tal­ver­band über­haupt. In Afri­ka, Asi­en und Ozea­ni­en läuft schon die drit­te Qua­li­fi­ka­ti­ons­run­de, die Na­tio­nen aus Nord- und Mit­tel­ame­ri­ka und der Ka­ri­bik sind noch wei­ter – in der vier­ten Qua­li-Etap­pe. Le­dig­lich die Süd­ame­ri­ka­ner sind auch noch in der ers­ten Pha­se des Aus­schei­dungs­pro­ze­de­res – ha­ben da­mit al­ler­dings be­reits An­fang Ok­to­ber 2015 be­gon­nen und schon 35 Spie­le ab­sol­viert. Schon deut­lich mehr als 1 000 To­re wur­den in der Qua­li­fi­ka­ti­on be­reits er­zielt, in der zu Be­ginn noch 209 Na­tio­nen mit­misch­ten. Kein Wun­der bei Re­sul­ta­ten wie dem 15:0 von Ka­tar ge­gen Bhu­tan, dem 10:0 der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te ge­gen Ma­lay­sia, ei­nem 12:0 der Volks­re­pu­blik Chi­na ge­gen Bhu­tan oder der 0:10-Heim­nie­der­la­ge

Nur Gast­ge­ber Russ­land hat Start­platz si­cher

von Ost­ti­mor ge­gen Sau­di-Ara­bi­en. Zu ekla­tant sind die Leis­tungs­un­ter­schie­de im asia­ti­schen Kon­ti­nen­tal­ver­band. Deut­lich knap­per geht es in Süd­ame­ri­ka oder Afri­ka zu, was sich auch in den Re­sul­ta­ten do­ku­men­tiert. Für vie­le Exo­ten wie São To­mé und Prín­ci­pe, Mau­ri­ti­us, die Sey­chel­len, Bru­nei Da­russ­a­lam, Sri Lan­ka oder et­wa Ost­ti­mor hat sich das The­ma „WM 2018 in Russ­land“längst er­le­digt. Ein Platz un­ter den 32 Teil­neh­mer­na­tio­nen wird ih­nen al­so auch dies­mal nicht ver­gönnt sein. Doch viel­leicht setzt sich ja Fi­fa-Prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no mit sei­ner aben­teu­er­li­chen Idee durch und ab 2026 neh­men 40 Na­tio­nen an den Welt­meis­ter­schaf­ten teil. Das wür­de die Teil­nah­me­chan­cen der „Fuß­ball­zwer­ge“aber wohl nur mi­ni­mal ver­grö­ßern Ge­nau ge­nom­men wer­den ja nur noch 31 WM-Star­ter ge­sucht, denn Gast­ge­ber Russ­land ist na­tür­lich ge­setzt – un­ab­hän­gig von der sport­li­chen Qua­li­tät der Mann­schaft, die bei der EM in Frank­reich doch arg ent­täusch­te. In der Grup­pen­pha­se ging nur ein ein­zi­ger Punkt an die „Sbor­na­ja“. Der re­sul­tier­te aus ei­nem 1:1-Un­ent­schie­den ge­gen En­g­land. Ge­gen die Slo­wa­kei (1:2) und Wa­les (0:3) kas­sier­te man Nie­der­la­gen. Knapp zwei Jah­re vor den Ti­tel­kämp­fen im ei­ge­nen Land ist das rus­si­sche Team al­so sehr weit da­von ent­fernt, ein ernst­haf­ter Ti­tel­aspi­rant zu sein. Für Eu­ro­pa sind au­ßer dem Start­platz des Gast­ge­bers noch 13 WM-Teil­neh­mer vor­ge­se­hen. Ei­ne Zahl, die Ex-Fi­fa-Prä­si­dent Sepp Blat­ter als er­zie­he­ri­sche Maß­nah­me für die re­bel­li­sche Ue­fa ei­gent­lich be­schnei­den woll­te. Und für die­ses Kon­tin­gent gibt es in­zwi­schen 54 Be­wer­ber, da auch Gi­bral­tar und das Ko­so­vo seit dem Mai 2016 Mit­glie­der der „Fi­fa-Fa­mi­lie“sind. Da­mit hat sich die Zahl der Na­tio­nen, die an der WMQua­li­fi­ka­ti­on teil­ge­nom­men ha­ben oder noch im­mer teil­neh­men, auf 211 er­höht. Der eu­ro­päi­sche Fuß­ball­ver­band Ue­fa hat die­se 54 Na­tio­nen in neun Grup­pen zu je sechs Teil­neh­mern auf­ge­teilt. Al­le Grup­pen­sie­ger kom­men wei­ter, die acht bes­ten Grup­pen­zwei­ten er­mit­teln dann in vier Du­el­len noch die rest­li­chen Teil­neh­mer. Afri­ka darf in je­dem Fall fünf Na­tio­nal­teams zur WM schi­cken. Asi­en (Kon­ti­nen­tal­ver­band AFC; Quo­te: 4,5), Nord-, Mit­tel­ame­ri­ka und Ka­ri­bik (Con­ca­caf; 3,5), Ozea­ni­en (OFC; 0,5) und Süd­ame­ri­ka (Con­me­bol; 4,5) müs­sen mit ei­nem Teil­neh­mer noch in ein Play-off-Du­ell, in dem man dann den „hal­ben“Platz zu ei­nem gan­zen auf­wer­ten kann. Der AFC trifft auf den Con­ca­caf; der OFC auf den Con­me­bol. Er­öff­net wird die WM am 14. Ju­ni 2018 in Mos­kau (Olym­pia­sta­di­on Lu­sch­ni­ki), ei­ner der Teil­neh­mer des Er­öff­nungs­spie­les ist Russ­land. Auch das Fi­na­le soll dort statt­fin­den. Ge­spielt wird in zwölf Sta­di­en, de­ren ur­sprüng­lich vor­ge­se­he­nen Ka­pa­zi­tä­ten we­gen Spar­maß­nah­men in­zwi­schen deut­lich zu­sam­men­ge­stri­chen wur­den. Im De­zem­ber 2010 wur­de Russ­land von der Fi­fa über­ra­schend als Gast­ge­ber der WM be­nannt. Man hat­te sich ge­gen die Be­wer­bun­gen von En­g­land, Bel­gi­en/Nie­der­lan­de und Spa­ni­en/ Por­tu­gal (je­weils Ge­mein­schafts­be­wer­bun­gen) durch­ge­setzt. Im Be­richt ei­ner Fi­fa-Eva­lu­ie­rungs­kom­mis­si­on hat­te die rus­si­sche Be­wer­bung ei­gent­lich schlecht ab­ge­schnit­ten. Was üb­ri­gens auch für die Be­wer­bung von Ka­tar für die WM 2022 galt. Doch das Ur­teil der ei­gens be­auf­trag­ten Ex­per­ten in­ter­es­sier­te die Ent­schei­der der Fi­fa nicht. Al­ler­dings hat­ten die skan­da­lö­sen Um­stän­de der WM-Ver­ga­ben für die Fi­fa längst bit­te­re Kon­se­quen­zen. Ex-Fi­fa-Prä­si­dent Sepp Blat­ter hat sei­nen Pos­ten eben­so ver­lo­ren wie vie­le an­de­re ehe­mals ho­he Funk­tio­nä­re, von de­nen vie­le im Ge­fäng­nis lan­de­ten. Die Un­ter­su­chun­gen der US-Be­hör­den und der Schwei­zer Jus­tiz lau­fen – die WM in Russ­land ver­hin­dern wer­den sie aber mit Si­cher­heit nicht mehr.

Das Ob­jekt der Be­gier­de – 32 Mann­schaf­ten wer­den in zwei Jah­ren den Kampf um die­sen WM-Po­kal auf­neh­men. Dar­an, dass das Tur­nier in Russ­land statt­fin­den wird, zwei­felt kaum noch je­mand. Fo­to: avs

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