Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Wolf­gang We­ber

„Golf­ball-Tau­cher“und „U-Bahn-Stop­fer“

„Schluss­ma­chen“per SMS ist „in“– zu­min­dest in Pro­mi-Krei­sen. „Ich ha­be dich gern, aber ich ha­be es mir noch mal über­legt. Es geht nicht. Ich wün­sche dir al­les Gu­te“. Mit die­sen dür­ren Wor­ten bei­spiels­wei­se trenn­te sich die als „Nad­del“be­kannt ge­wor­de­ne Nad­ja abd el Far­rag einst von Pro­du­zent Ralph Sie­gel. Noch kür­zer an­ge­bun­den war San­dy Mey­er-Wöl­den, die ih­rem da­ma­li­gen Freund Bo­ris Be­cker per SMS ein Ul­ti­ma­tum ge­stellt ha­ben soll: „Ent­we­der Du mel­dest dich – oder es ist vor­bei.“Bo­ris hat sich of­fen­bar nicht ge­mel­det, aber das ist ei­ne an­de­re Ge­schich­te. Für Men­schen, die sich nicht per SMS tren­nen wol­len, gibt es seit ei­ni­ger Zeit „Schluss­ma­cher-Agen­tu­ren“, die an­geb­lich „mit Fein­ge­fühl und Ge­las­sen­heit“die un­lieb­sa­me Auf­ga­be über­neh­men, dem nicht mehr ge­schätz­ten Part­ner die Ro­te Kar­te zu zei­gen. Der Preis rich­tet sich un­ter an­de­rem da­nach, ob die Sa­che per Brief er­le­digt wer­den kann oder ob ein per­sön­li­ches Ge­spräch not­wen­dig ist. Der Be­ruf des „Schluss­ma­chers“wird bei der Be­rufs­be­ra­tung höchst­wahr­schein­lich eben­so we­nig an­ge­bo­ten wie die Jobs als „Was­ser­rut­schen-Tes­ter“, „Ko­kos­nuss-Si­cher­heits­be­auf­trag­ter“, „Ap­fel-Eti­ket­ten­kle­ber“ oder „Golf­ball-Tau­cher“. Doch, doch, die­se Be­ru­fe gibt es wirk­lich, selbst als „U-Bahn-Stop­fer“kann man heut­zu­ta­ge sein Geld ver­die­nen, al­ler­dings nur in Ja­pan, wo Me­troAn­ge­stell­te so lan­ge die Gäs­te in die Wag­gons stop­fen, bis die op­ti­ma­le Raum­aus­nut­zung er­reicht ist. In Nie­der­sach­sen hat es dank ei­nes Di­enst­ju­bi­lä­ums ein längst in Ver­ges­sen­heit ge­ra­te­ner Be­ruf noch ein­mal ganz kurz in die Schlag­zei­len ge­schafft. Ei­ne An­ge­stell­te, die in Wil­helms­ha­ven ihr 25. Ju­bi­lä­um fei­er­te, trat ih­ren Di­enst 1991 tat­säch­lich als „Schul­haus­meis­ter­ehe­frau“an. In den 1970er Jah­ren ha­be es für Schul­haus­meis­ter noch ei­nen ei­ge­nen Ta­rif­ver­trag ge­ge­ben, in dem auch ei­ne Funk­ti­on für die Ehe­frau fest­ge­hal­ten wur­de, er­klär­te die Stadt. Da ein Haus­meis­ter ei­ne Re­si­denz­pflicht hat, ha­be die Stadt da­mals die Ver­pflich­tung ge­habt, auch die Ehe­frau mit zu be­schäf­ti­gen. Sie ha­be ih­rem Mann ge­hol­fen und Rei­ni­gungs­ar­bei­ten über­nom­men. Spä­ter sei die et­was al­ter­tüm­lich an­mu­ten­de Be­rufs­be­zeich­nung ab­ge­schafft wor­den. Die Ju­bi­la­rin hilft und putzt im­mer noch in der Schu­le – in­zwi­schen al­ler­dings als „Rei­ni­gungs­kraft“.

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