Wa­wrin­ka glaubt an sei­ne Chan­ce

Ten­nis: Im US-Open-Fi­na­le ge­gen Djo­ko­vic

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Wolf­gang Mül­ler

Bo­ris Be­cker saß ent­spannt in der hin­ters­ten Ecke des Spiel­er­gar­tens. Wäh­rend An­ge­li­que Ker­ber in acht Fern­seh­ka­me­ras über ih­re Rol­le als neue Num­mer eins im Da­men-Ten­nis re­de­te, mach­te sich No­vak Djo­ko­vic vor den Au­gen sei­nes pro­mi­nen­ten Trai­ners mit der ro­ten Trai­nings­ja­cke und der ro­ten Schirm­müt­ze ge­wis­sen­haft warm. Bis zum Halb­fi­nal-Tag der US Open war der Welt­rang­lis­ten-Ers­te aus Ser­bi­en prak­tisch nicht ge­for­dert wor­den. Die Sta­tis­tik­ex­per­ten der ATP fan­den so­gar her­aus, dass Djo­ko­vic der ers­te Spie­ler in der Ge­schich­te des Pro­fi­ten­nis war, der bei ei­nem Grand-Slam-Tur­nier nach drei Ab­sa­gen oder Auf­ga­ben das Halb­fi­na­le er­reich­te. In der zwei­ten Run­de konn­te der Tsche­che Ji­ri Ve­se­ly we­gen ei­ner Ver­let­zung am Arm nicht spie­len. In der drit­ten Run­de gab der Rus­se Mich­ail Ju­sch­ni im ers­ten Satz we­gen ei­ner Ober­schen­kel­bles­sur auf, und im Vier­tel­fi­na­le muss­te der Fran­zo­se Jo-Wil­fried Tson­ga nach zwei Sät­zen we­gen Knie­pro­ble­men das Match be­en­den. So rich­tig wuss­ten al­so we­der Be­cker noch die Fans in New York oder Djo­ko­vic selbst das Leis­tungs­ver­mö­gen des 29-Jäh­ri­gen ein­zu­schät­zen. Zu­mal der Ti­tel­ver­tei­di­ger zu­letzt von Pro­ble­men am Hand­ge­lenk und am Ell­bo­gen ge­plagt wur­de und sport­lich auch nicht über­zeu­gen konn­te. In Wim­ble­don flog er in der drit­ten Run­de raus, bei Olym­pia in Rio de Janei­ro war schon nach dem Auf­takt­match Schluss. Ge­gen den Fran­zo­sen Ga­el Mon­fils stand al­so mal wie­der ein ech­ter Här­te­test an – und Djo­ko­vic be­wäl­tig­te ihn trotz ei­nes klei­nen Wack­lers in Satz drei, ei­nes zer­ris­se­nen T-Shirts und zwei­er Schul­ter­mas­sa­gen am En­de sou­ve­rän mit 6:3, 6:2, 3:6, 6:2. In sei­nem sieb­ten US-Open-Fi­na­le und dem ins­ge­samt 21. Grand-Slam-End­spiel strebt Djo­ko­vic heu­te (22 Uhr MESZ/Eu­ro­sport) ge­gen Stan Wa­wrin­ka sei­nen 13. Ma­jor-Ti­tel und den drit­ten in New York an. „Er liebt es, auf den gro­ßen Büh­nen ge­gen die Gro­ßen zu spie­len. Ich ha­be das Ge­fühl, dass er sich dann noch stei­gert“, sag­te Djo­ko­vic über den Schwei­zer. „Er glaubt an sich.“Wa­wrin­ka ent­schied das zwei­te Halb­fi­na­le ge­gen den Ja­pa­ner Kei Nis­hi­ko­ri mit 4:6, 7:5, 6:4, 6:2 für sich. Im di­rek­ten Ver­gleich mit Djo­ko­vic liegt der 31-Jäh­ri­ge zwar 4:19 zu­rück, doch auf dem Weg zu sei­nen bei­den bis­lang ein­zi­gen Grand-Slam-Sie­gen hat Wa­wrin­ka den Ser­ben ge­schla­gen – im Vier­tel­fi­na­le der Aus­tra­li­an Open 2014 und im End­spiel der French Open 2015. Djo­ko­vic si­cher­te sich in die­sem Jahr be­reits die Ti­tel bei den Aus­tra­li­an Open und den French Open, patz­te dann aber in Wim­ble­don und Rio. We­gen sei­ner kör­per­li­chen Pro­ble­me reis­te er skep­tisch nach New York. Mon­fils nerv­te ihn im drit­ten Satz der­art, dass er vor Wut im Sti­le des „Un­glaub­li­chen Hulk“sein wei­ßes Ober­teil zer­fetz­te. „Mal siehst du ei­nen zer­bro­che­nen Schlä­ger, mal ein zer­ris­se­nes Shirt. So et­was pas­siert in der Hit­ze des Ge­fechts“, be­schwich­tig­te Djo­ko­vic. Sein Fi­nal­geg­ner Wa­wrin­ka da­ge­gen blieb ge­gen Nis­hi­ko­ri ru­hig und ab­ge­klärt – und rech­net sich nun ge­gen Djo­ko­vic durch­aus Chan­cen aus.

Nai­ro Quin­ta­na (links) hat die letz­ten An­grif­fe auf das Ro­te Tri­kot sou­ve­rän pa­riert und steht vor sei­nem ers­ten Ge­samt­sieg bei der Spa­ni­en-Rund­fahrt. Der Ko­lum­bia­ner ver­tei­dig­te ges­tern auf der Berg­etap­pe zum Al­to de Ai­ta­na sei­nen Vor­sprung in der Ge­samt­wer­tung von nun 1:23 Mi­nu­ten auf Chris­to­pher Froo­me. Heu­te muss er auf der Flach­etap­pe nach Ma­drid sein Le­a­der-Tri­kot nur noch si­cher ins Ziel brin­gen. Den Ta­ges­sieg si­cher­te sich der Fran­zo­se Pier­re La­tour, der sich im Sprint durch­setz­te. avs/Fo­to: AFP

Greift nach sei­nem drit­ten Sieg bei den US Open in New York: No­vak Djo­ko­vic.

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