„Kras­se“Sai­son mit Gold ge­krönt

Ru­de­rer Ced­ric Kul­bach holt WM-Ti­tel mit dem deut­schen Leicht­ge­wichts Dop­pel­vie­rer

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Man­fred Spitz

Gro­ßer Bahn­hof im Rhein­ha­fen. Mi­nu­ten­lan­ger Bei­fall bran­det auf, als Ced­ric Kul­bach mit ei­nem Strah­len im Ge­sicht um die Ecke des Boots­hau­ses biegt. Der Gold­jun­ge des Karls­ru­her Ru­der­ver­eins (KRV) Wi­king ringt sicht­lich nach Wor­ten. Dass „so vie­le“ge­kom­men sind, um mit ihm zur blau­en St­un­de sei­nen Welt­meis­ter­ti­tel im Leicht­ge­wichts-Dop­pel­vie­rer und die Gold­me­dail­le im Leicht­ge­wichts-Dop­pel­zwei­er bei der Welt­meis­ter­schaft der Uni­ver­si­tä­ten (WUC) zu fei­ern, das fin­det der sym­pa­thi­sche Sport­ler ein­fach nur „krass“. Ced­ric Kul­bach schüt­telt Hän­de, nimmt Glück­wün­sche ent­ge­gen, ge­nießt den Au­gen­blick. Al­les, nur nicht, dass er an die­sem lau­en Spät­som­mer­abend im Karls­ru­her Rhein­ha­fen als Welt­meis­ter emp­fan­gen wird, dürf­te dem 23-Jäh­ri­gen vor drei Mo­na­ten durch den Kopf ge­gan­gen sein. Auf der letz­ten WM-Sich­tungs­re­gat­ta des Deut­schen Ru­der Ver­ban­des (DRV) An­fang Ju­ni in Rat­ze­burg brach sich Kul­bach den Fuß; kei­ne zehn Mi­nu­ten, nach­dem er als Schlag­mann des Leicht­ge­wichts-Dop­pel­vie­rers für Rot­ter­dam no­mi­niert wor­den war. „Ich bin ir­gend­wie dumm um­ge­knickt“, er­zählt Kul­bach. „Da hab’ ich ge­dacht, das war’s für die­ses Jahr.“Drei Wo­chen hielt es Ced­ric Kul­bach da­nach nur mit Kraft­trai­ning aus; al­les an­de­re ging ja nicht. „Dann bin ich mit dem Gips­bein ins Boot und nur mit den Ar­men ge­fah­ren. Wahr­schein­lich hat je­der, der mich da ge­se­hen hat ge­glaubt, der tickt nicht rich­tig. Aber es hat funk­tio­niert“, meint die Froh­na­tur schmun­zelnd. „Ich woll­te dem Boot was brin­gen, nicht nur drin sit­zen. Al­so ha­be ich mir ge­sagt: du schaffst das“– er hat es ge­schafft. Letz­tes Jahr bei den U-23-Ti­tel­kämp­fen wa­ren Kul­bach und sei­ne da­ma­li­ge Cr­ew als Vier­te noch knapp an Bron­ze vor­bei­ge­schrammt. Jetzt ist der Welt­meis­ter­ti­tel bei sei­ner A-WM-Pre­mie­re ein ers­ter Kar­rie­reHö­he­punkt. Und nur ei­ne Wo­che spä­ter gab’s für den KIT-Stu­den­ten (Wirt­schafts­in­ge­nieur­we­sen) bei den Welt­meis­ter­schaf­ten der Uni­ver­si­tä­ten in Poz­nan (Po­len) Gold im leich­ten Dop­pel­zwei­er oben­drauf. „Ced­ric hat die­se Er­fol­ge so ver­dient. Er hat da­für ge­kämpft. Er hat Tief­schlä­ge weg­ge­steckt. Jetzt wur­de er für sei­ne jah­re­lan­ge har­te Ar­beit be­lohnt“, freut sich Kul­bachs Heim­trai­ner beim Karls­ru­her Ru­der­ver­ein Wi­king, Ralf Th­an­häu­ser. „Ced­ric war in die­ser Sai­son rich­tig stark. Dass er auch nach der un­glück­li­chen Ver­let­zung Rück­halt von sei­nem DRV-Boots­trai­ner be­kom­men hat, Re­spekt. Neun von zehn­mal ist das nicht der Fall.“ Ob­wohl der World Cup nach Kul­bachs Miss­ge­schick kom­plett ab­ge­sagt wer­den muss­te, wuchs die jun­ge DRV-Mann­schaft mit dem Schlag­mann aus Karls­ru­he, Pa­trik Stö­cker (Sieg­burg), Flo­ri­an Rol­ler (Stutt­gart) und Jo­han­nes Ur­sprung (Frankfurt) zu ei­ner schlag­kräf­ti­gen Ein­heit zu­sam­men. „Da muss­ten drei ver­schie­de­ne Cha­rak­te­re im Boot un­ter ei­nen Hut ge­bracht wer­den, das war schon an­stren­gend“, macht Ced­ric Kul­bach deut­lich. Letzt­lich sei „un­be­ding­ter Wil­le“der Er­folgs­ga­rant für den Ti­tel­ge­winn in Rot­ter­dam ge­we­sen. Gold vor Frank­reich und den star­ken Grie­chen, „das“, lacht Ced­ric Kul­bach, „war der Ham­mer, echt krass. Da­mit ha­ben wir selbst nicht ge­rech­net.“ Bei der Welt­meis­ter­schaft der Uni­ver­si­tä­ten in Po­len trat Kul­bach auf sei­ner nächs­ten Gold­fahrt im leich­ten Dop­pel­zwei­er für das Karls­ru­her In­sti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT) und noch ein­mal zu­sam­men mit Jo­han­nes Ur­sprung (Uni Frankfurt) an. „Dass Ced­ric sei­ne schwie­ri­ge Sai­son sou­ve­rän mit zwei Ti­teln krönt, ist ei­ne her­aus­ra­gen­de Leis­tung“, sagt Ralf Th­an­häu­ser. Ge­mein­sam kön­nen sie nun die nächs­ten sport­li­chen Her­aus­for­de­run­gen an­ge­hen. Kul­bach: „Nach dem WM-Ti­tel muss ich mich nicht mehr stei­gern. Es hört sich viel­leicht stu­pi­de an, aber ich will ein­fach nur wei­ter Spaß ha­ben.“Die Ru­der-WM 2017 in Sa­ra­so­ta/Flo­ri­da, wä­re das nicht was mit ho­hem Spaß­fak­tor?

Im Ju­ni mit Gips­bein zum Trai­ning ins Boot

Das Strah­len des Sie­gers: Ced­ric Kul­bach vom Karls­ru­her Ru­der­ver­ein Wi­king – WM-Gold mit dem deut­schen Leicht­ge­wichts-Dop­pel­vie­rer und dem Dop­pel­zwei­er bei den Ti­tel­kämp­fen der Uni­ver­si­tä­ten. Fo­to: GES/Prang

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