Alex­an­der Pi­schon: Nah­ver­kehr­s­chef und Kri­sen­ma­na­ger

Alex­an­der Pi­schon | Chef des Karls­ru­her Ver­kehrs­ver­bunds (KVV)

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Ers­te Sei­te - Tho­mas Liebs­cher

Ja, wir durch­le­ben ei­ne schwie­ri­ge Pha­se in die­sen Ta­gen und schon den gan­zen Som­mer. Fah­rer­man­gel, die Be­hin­de­run­gen durch die vie­len Bau­stel­len, die Sor­gen um die Kom­bi-Lö­sung und jetzt noch die Schä­den an den 26 von ei­nem Top-Her­stel­ler ge­kauf­ten Nie­der­flur­wa­gen. Wir brau­chen ei­ne Art Not­pro­gramm für den Stra­ßen­bahn­ein­satz mit Be­ginn des Schul­jah­res.“Alex­an­der Pi­schon, Chef des Nah­ver­kehrs in Karls­ru­he und der Re­gi­on, stöhnt nicht und sucht auch kei­ne Aus­flüch­te, wenn er über die Pro­ble­me mit „sei­nen“Stadt- oder Stra­ßen­bah­nen und den Är­ger der Fahr­gäs­ten spricht, de­nen man­ches zu­ge­mu­tet wird. Der 49-Jäh­ri­ge ist schon zu lan­ge Zeit ehr­gei­zi­ger Ma­na­ger in der Ver­kehrs­bran­che und weiß, im Ge­gen­wind geht Ab­tau­chen gar nicht. „Kla­re Si­gna­le und Ent­schei­dun­gen für die Mann­schaft so­wie Trans­pa­renz, auch in der Öf­fent­lich­keit, sind nö­tig – und da­für wur­de ich auch be­stellt.“Als der schlan­ke, sport­li­che Mann 2014 ei­ne Re­gio­nal­lei­tung bei der Deut­schen Bahn ab­gab und als Vor­sit­zen­der Ge­schäfts­füh­rer an die Spit­ze der Karls­ru­her Ver­kehrs­be­trie­be (VBK) und der Alb­tal-Ver­kehrs­ge­sell­schaft (AVG) rück­te, mach­te er kei­ne gro­ßen Re­gie­rungs­er­klä­run­gen, son­dern sich an die All­tags­ar­beit. Es galt man­ches zu ent­rüm­peln, von der Po­li­tik neue Un­ter­stüt­zung zu ho­len und das Team wie­der zu mo­ti­vie­ren. „In Karls­ru­he und beim KVV hat­te man sich Ruhm und Eh­re aus der Ver­gan­gen­heit er­wor­ben, viel­leicht auch man­ches über­dehnt.“Pi­schon nimmt zwar Fahr­stun­den, um ei­ne Stadt­bahn zu steu­ern. Aber mit ihm steht in­zwi­schen kein Tech­ni­ker oder Schie­nen­freak mehr an der Spit­ze. (Es gibt mit Ascan Ege­rer nun auch ei­nen zwei­ten, tech­ni­schen Ge­schäfts­füh­rer.) Vor al­lem bei den hoch de­fi­zi­tä­ren VBK muss Pi­schon har­te Zu­kunfts­nüs­se kna­cken. Er ist ge­kom­men als Un­ter­neh­mens­ent­wick­ler und Fi­nanz­fach­mann. Er kauf­te für die Deut­sche Bahn den Strom ein, ana­ly­sier­te einst für Hart­mut Meh­dorn teu­re Pres­ti­ge­pro­jek­te („Da­bei ha­be ich ihn schon ein Mal ver­är­gert, weil ich klar sag­te, dies und je­nes rech­net sich nicht“) und ar­bei­te­te acht Jah­re eng mit dem Top-Ma­na­ger Andre­as Mey­er zu­sam­men, der heu­te die Schwei­zer Bun­des­bah­nen lei­tet. Viel her­um in al­ler Welt kam der jet­zi­ge Chef von 2 300 Mit­ar­bei­tern in sei­nen frü­he­ren Jobs und die Zeit des Mau­er­falls er­leb­te Pi­schon als Stu­dent in Ber­lin. „Das wa­ren glück­li­che, span­nen­de Zei­ten.“Zu Hau­se war der Sohn ei­nes In­ge­nieurs und ei­ner Wer­be­kauf­frau nach dem Stu­di­en­ab­schluss aber stets in Hei­del­berg. Dort ge­nießt er ru­hi­ge Sonn­ta­ge mit der Fa­mi­lie und geht mit Hün­din Lot­te mehr­mals die Wo­che um fünf oder halb sechs auf sei­ne Jog­gin­grun­den – vor dem lan­gen Ar­beits­tag im Bü­ro an der Karls­ru­her Tul­la­stra­ße oder im gro­ßen Ge­biet des KVV. Sei­ne Frau ist Kunst­his­to­ri­ke­rin und da passt es gut, dass sie ge­ra­de über ein ba­disch-mark­gräf­li­ches The­ma forscht. Mit den 14- und 17-jäh­ri­gen Kin­dern ver­brach­ten die Pi­schons – der Na­me ist hu­ge­not­ti­scher Her­kunft – den Au­gust-Ur­laub an der ru­hi­gen Nord­spit­ze von Sylt. Jetzt aber steht der frü­he­re Ru­de­rer und ak­tu­el­le Ten­nis­spie­ler wie­der voll in der Karls­ru­her Bau­stel­len­und Pan­nen-Bran­dung.

Er ist der Karls­ru­her Nah­ver­kehr­s­chef seit zwei Jah­ren: Alex­an­der Pi­schon. Ge­ra­de in die­sem Som­mer muss er auch als Kri­sen­ma­na­ger re­agie­ren. Hier zeigt er ei­ne Stadt­bahn aus Le­go­stei­nen. Fo­to: KVV

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