Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Ak­tu­ell - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Mit brau­en Schu­hen ins Fett­näpf­chen

„Klei­de Dich stets für die Po­si­ti­on, die du willst – nicht für die, die du schon hast.“Gior­gio Ar­ma­ni wird die­ser Satz zu­ge­schrie­ben. Er ist ein Mann, der et­was von Out­fit-Fra­gen ver­steht. Und vom Er­folg. Nur gibt es lei­der vie­le Men­schen, die nicht über Ar­ma­nis Stil­ge­spür ver­fü­gen. Und man­chen, an­sons­ten sehr klu­gen Köp­fen, fällt es zu­dem schwer, her­aus­zu­fin­den, wel­che Kla­mot­ten im an­ge­peil­ten Job an­ge­mes­sen sind. Was wie­der­um da­zu führt, dass sie oft gar kei­ne Chan­ce ha­ben, in ge­wis­se Po­si­tio­nen vor­zu­drin­gen. Se­lek­ti­on durch Klei­dung – mit be­son­de­rer Akri­bie be­trei­ben das of­fen­bar Ban­ker in Lon­don, die ih­ren Nach­wuchs oh­ne­hin am liebs­ten aus ei­ner von sie­ben oder acht Eli­te-Uni­ver­si­tä­ten des Lan­des re­kru­tie­ren. Wer mit brau­nen Schu­hen zu ei­nem Be­wer­bungs­ge­spräch in die Ci­ty of Lon­don, Groß­bri­tan­ni­ens mäch­ti­gem Fi­nanz­platz, kommt, hat – un­ge­ach­tet sei­ner Fä­hig­kei­ten – schon ver­lo­ren. Nein, das ist kein schlech­ter Scherz, das ist re­gie­rungs­amt­lich fest­ge­stellt. „Ma­na­ger ent­schei­den sich oft­mals für Kan­di­da­ten, die dem tra­di­tio­nel­len Bild ei­nes In­vest­ment­ban­kers ent­spre­chen und den nö­ti­gen Schliff mit­brin­gen“, heißt es in ei­nem Be­richt über so­zia­le Auf­stiegs­chan­cen. Der „Dress­code“der bri­ti­schen Hoch­fi­nanz ist dif­fi­zil – und mit brau­nen Schu­he tap­pen Be­wer­ber aus we­ni­ger pri­vi­le­gier­ten Schich­ten of­fen­bar recht häu­fig in ein klas­si­sches Fett­näpf­chen. Der Be­richt zi­tiert auch den Fall ei­nes Kan­di­da­ten, der über sei­nen Schlips stol­per­te. Ihm wur­de ge­sagt, er sei zwar sehr „scharf­sin­nig“, pas­se aber nicht für den Job. Die Be­grün­dung? „Se­hen Sie nur ein­mal Ih­re Kra­wat­te. Die ist zu auf­dring­lich. Sie kön­nen zu die­sem An­zug un­mög­lich so ei­ne Kra­wat­te tra­gen“. Dass „ge­schei­te“Kan­di­da­ten aus der Ar­bei­ter­klas­se an „ob­sku­ren“Be­klei­dungs­re­geln schei­tern und die Far­be der Schu­he für man­che In­vest­ment­ban­ker mehr zählt als das be­ruf­li­che Po­ten­zi­al der Be­wer­ber – Alan Mil­burn, der Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses für so­zia­le Mo­bi­li­tät, fin­det es „scho­ckie­rend“. Nur, wie kann die bri­ti­sche Re­gie­rung dem Eli­te­den­ken ih­rer Hoch­fi­nanz ent­ge­gen­steu­ern? Vi­el­leicht wä­ren ja kos­ten­lo­se Stil-Se­mi­na­re für Nach­wuchs-Ban­ker aus klei­nen Ver­hält­nis­sen ei­ne Lö­sung. Gior­gio Ar­ma­ni dürf­te als Do­zent al­ler­dings aus­fal­len. Zwar ge­hö­ren zur Kol­lek­ti­on des ita­lie­ni­schen Mo­de­de­si­gners wun­der­bar klas­si­sche Her­ren­schu­he – dar­un­ter aber auch brau­ne.

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