Der Kö­nig von St. Pau­li

Der Voll­blut­schau­spie­ler Hil­mar Tha­te ist ge­stor­ben

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - Avs

Als auf­müp­fi­ger Land­wirt „Da­ni­el Drus­kat“stell­te sich Hil­mar Tha­te im DDRFern­se­hen Man­fred Krug als Film-Ge­gen­spie­ler ent­ge­gen. Im wie­der­ver­ei­nig­ten Deutsch­land ge­wann er als „Der Kö­nig von St. Pau­li“ein gro­ßes Fern­seh­pu­bli­kum. Am Thea­ter bril­lier­te er als „Me­phis­to“und fei­er­te als „Richard III.“ei­nen sei­ner größ­ten Büh­nen­tri­um­phe. Hil­mar Tha­te war ein ech­ter Voll­blut­schau­spie­ler – en­er­gisch, streit­lus­tig, aber auch sehr fein­füh­lig. Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch ist Hil­mar Tha­te im Al­ter von 85 Jah­ren in Berlin ge­stor­ben, wie die Aka­de­mie der Küns­te ges­tern mit­teil­te. Um Tha­te und sei­ne Frau An­ge­li­ca Dom­rö­se (75) war es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren still ge­wor­den. 40 Jah­re lang wa­ren die bei­de ver­hei­ra­tet – sie al­ten einst als das gla­mou­rö­ses­te „DDR-Film-Traum­paar“. Tha­tes Band­brei­te als Schau­spie­ler war le­gen­där. Nach au­ßen eher rup­pi­ge Cha­rak­te­re mit gro­ßer emo­tio­na­ler Tie­fe wa­ren die Spe­zia­li­tät des in Dölau bei Hal­le ge­bo­re­nen Darstel­lers, der auch „der Wi­der­bors­ti­ge“ge­nannt wur­de. Sein De­büt hat­te Tha­te be­reits 1949 am Thea­ter in Cott­bus ge­ge­ben. Schon drei Jah­re spä­ter spiel­te er erst­mals in Ost-Berlin - rasch wur­de er ei­ner der ge­fei­erts­ten Büh­nen­stars der DDR. „Ich bin ein Kriegs­kind, nicht ver­wöhnt und hat­te Glück“, mein­te der Schau­spie­ler ein­mal. Par­al­lel zu sei­ner Thea­ter­ar­beit stand der cha­ris­ma­ti­sche Künst­ler re­gel­mä­ßig vor der Ka­me­ra. Mit TV-Fil­men wie dem Mehr­tei­ler „Da­ni­el Drus­kat“(1976) wur­de Tha­te zum Pu­bli­kums­lieb­ling. Dann schob das DDR-Re­gime das Paar Tha­te/Dom­rö­se aufs künst­le­ri­sche Ab­stell­gleis. Grund war die spek­ta­ku­lä­re Pro­tester­klä­rung von zahl­rei­chen DDR-Künst­lern ge­gen die Aus­bür­ge­rung des Lie­der­ma­chers Wolf Bier­mann 1976, die auch die bei­den un­ter­zeich­net hat­ten. „Ich be­reue im Nach­hin­ein nicht ei­ne Se­kun­de, die­se Un­ter­schrift ge­leis­tet und nicht zu­rück­ge­nom­men zu ha­ben“, sag­te Tha­te spä­ter. Doch der Druck wur­de zu groß. Das Ehe­paar stell­te ei­nen Aus­rei­se­an­trag und sie­del­te 1980 in den Wes­ten über. Dort fan­den Tha­te und Dom­rö­se ei­ne neue Hei­mat am West-Ber­li­ner Schil­ler­thea­ter und am Schloss­park­thea­ter, wo sie in „Wer hat Angst vor Vir­gi­nia Woolf?“auf der Büh­ne stan­den. Bei­den ge­lang es, in der Bun­des­re­pu­blik be­ruf­lich schnell Fuß zu fas­sen. Die Haupt­rol­le in Pe­ter Za­deks Sen­sa­ti­ons­er­folg „Je­der stirbt für sich al­lein“(1980) und sein pa­cken­der Auf­tritt in Fass­bin­der „Die Sehn­sucht der Veronika Voss“si­cher­ten Tha­te er­neut ei­nen un­an­ge­foch­te­nen Star-Sta­tus. Zu­letzt war Tha­te in dem Ki­no­film „Hit­ler­kan­ta­te“(2005) zu se­hen. Dar­in spielt er ei­nen re­gime­kri­ti­schen Kom­po­nis­ten, der sich in ei­ne glü­hen­de Hit­ler-Ver­eh­re­rin ver­liebt.

Er war ein Pu­bli­kums­lieb­ling in der DDR – doch dann schob das Re­gime ihn und sei­ne Frau aufs künst­le­ri­sche Ab­stell­gleis. Im Wes­ten ge­wann er als „Kö­nig von St. Pau­li“vie­le Fans. Fo­to: avs

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