„Ich war nicht al­lein“

Frü­he­re Sex­skla­vin aus dem Irak zur UN-Son­der­bot­schaf­te­rin er­nannt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Aktuell - AFP/SO

Ei­ne 23-jäh­ri­ge Je­si­din aus dem Irak, die von der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) als Sex­skla­vin miss­braucht wur­de, ist zur UN-Son­der­bot­schaf­te­rin für die Wür­de der Op­fer von Men­schen­han­del er­nannt wor­den. Na­dia Mu­rad Ba­see Ta­ha, die in Ba­den-Würt­tem­berg Zuflucht ge­fun­den hat­te, wur­de jetzt in New York of­fi­zi­ell in das Amt ein­ge­führt. „Ich hat­te Glück, denn ich konn­te ent­kom­men, was tau­sen­den an­de­ren nicht ge­lang“, sag­te Mu­rad am UN-Sitz. Zu der Ze­re­mo­nie war auch die ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin The­re­sia Bau­er ge­kom­men. Im Au­gust 2014 war Na­dia Mu­rad aus ih­rem Hei­mat­dorf Kocho im Nord­irak in die ISHoch­burg Mos­sul ver­schleppt wor­den. Dort wur­de sie Op­fer von Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen, mehr­mals wur­de sie wei­ter­ver­kauft. „Ich wur­de auf die Art und Wei­se be­nutzt, wie sie es woll­ten“, sag­te die 23-Jäh­ri­ge. „Ich war nicht al­lein.“Na­dia Mu­rad for­der­te die Frei­las­sung von schät­zungs­wei­se 3 200 je­si­di­schen Frau­en und Mäd­chen, die wei­ter als Sex­skla­vin­nen vom IS fest­ge­hal­ten wer­den, und ver­lang­te, die Tä­ter vor Ge­richt zu stel­len. Ih­re gro­ße Angst sei es, dass die IS-Kämp­fer, wenn die Mi­liz ein­mal be­siegt sei, „ein­fach ih­re Bär­te ab­ra­sie­ren und durch die Stra­ßen der Städ­te ge­hen, als sei nichts ge­we­sen“, sag­te Mu­rad. „Wir dür­fen das nicht ge­sche­hen las­sen.“UN-Ge­ne­ral­se­kre­tär Ban Ki Moon sag­te, er sei „zu Trä­nen ge­rührt“vom Schick­sal der jun­gen Frau, aber auch von „ih­rer Kraft, ih­rem Mut und ih­rer Wür­de“. Als Son­der­bot­schaf­te­rin der UNO wird Mu­rad auf das Leid der Op­fer von Men­schen­han­del auf­merk­sam ma­chen, vor al­lem auf das Schick­sal von Flücht­lin­gen, Frau­en und Mäd­chen. Un­ter­stützt wird sie da­bei von der An­wäl­tin Amal Cloo­ney, der Ehe­frau von Hol­ly­wood­star Ge­or­ge Cloo­ney. Die­se be­zeich­ne­te das Vor­ge­hen des IS ge­gen die Je­si­den als „Völ­ker­mord“. „Und wir wis­sen, dass er an­dau­ert“, füg­te sie hin­zu:„Ich schä­me mich als Mensch, dass wir ih­re Hil­fe­ru­fe igno­rie­ren“. An­läss­lich der kom­men­den Wo­che be­gin­nen­den Ge­ne­ral­de­bat­te der UN-Voll­ver­samm­lung in New York, zu der Staats- und Re­gie­rungs­chefs aus al­ler Welt an­rei­sen, wol­len der Irak und Groß­bri­tan­ni­en am Mon­tag ei­ne Kam­pa­gne für die Be­stra­fung von Ver­bre­chen des IS star­ten. An der Ver­an­stal­tung sol­len ne­ben dem bri­ti­schen Au­ßen­mi­nis­ter Bo­ris John­son auch Mu­rad und Cloo­ney teil­neh­men.

In Ba­den-Würt­tem­berg Zuflucht ge­fun­den

Die Je­si­din Na­dia Mu­rad Ba­see Ta­ha soll sich für Op­fer des Men­schen­han­dels ein­set­zen. Fo­to: avs

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