Pech mit Schu­hen und Schran­ken

Was beim Ba­den-Ma­ra­thon pas­sie­ren kann

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Die mo­na­te­lan­ge Vor­be­rei­tung auf sei­nen ers­ten Ma­ra­thon­lauf er­schien Ha­rald S. nicht so stres­sig wie die Schwie­rig­kei­ten bei der An­fahrt zum Ba­denMa­ra­thon vor zwei Jah­ren. Der 46-Jäh­ri­ge aus dem Rhein-Neckar-Kreis muss­te zit­tern um sei­nen Start pünkt­lich um 9 Uhr an je­nem Sep­tem­ber-Sonn­tag 2015. Das kam so: „Ich fuhr im Au­to ei­nes Kol­le­gen mit, der für den Halb­ma­ra­thon an­ge­mel­det war. Zwei Zu­schaue­rin­nen wa­ren noch da­bei. Es ging recht­zei­tig los, wir fuh­ren in Wall­dorf auf die A 5. Und kurz vor Bruch­sal sag­te der an­de­re Läu­fer: ,Oh, Sch ..., ich ha­be mei­ne Schu­he im Flur ste­hen las­sen.‘ Blitz­schnell muss­ten wir ent­schei­den: Wei­ter­fah­ren, da­mit we­nigs­tens ich star­ten kann. Oder noch um­keh­ren? Wir sag­ten uns: das schaf­fen wir noch. An der Rast­stät­te Bruch­sal ging’s raus, auf der an­de­ren Sei­te wie­der auf die Au­to­bahn und tat­säch­lich zu­rück“, er­zählt Ha­rald S. Die schon vor­ab schweiß­nas­sen Läu­fer ver­lo­ren 40 Mi­nu­ten, ras­ten nach Karlsruhe durch und schaff­ten es ir­gend­wie um 8.45 Uhr an der Eu­ro­pa­hal­le zu sein. Zum Glück hat­te ei­ner von ih­nen die Start­un­ter­la­gen be­reits am Tag zu­vor ge­holt. Al­les en­de­te noch glück­lich: Die ver­track­te An­fahrt hin­der­te Ha­rald S. nicht den Tur­bo zu zün­den und un­ter vier St­un­den ins Ziel zu kom­men. Selbst der ver­gess­li­che Läu­fer fand zum Run­ner’s Hea­ven. Die Ge­schich­te macht ver­ständ­lich, war­um für den 34. Ba­den-Ma­ra­thon am nächs­ten Sonn­tag zwar 1 114 Ma­ra­tho­nis über die 42,195 Ki­lo­me­ter, 4 526 für die hal­be Stre­cke und 2 216 Teil­neh­mer des Team­laufs an­ge„Renn­schne­cken mel­det sind, aber eben kei­ne 7 956 Leu­te star­ten oder ins Ziel kom­men wer­den. Es kann im­mer et­was da­zwi­schen kom­men. Im Jahr 2013 wur­den den Läu­fern ei­ne na­tür­li­che Schran­ke ge­setzt. Bei Ki­lo­me­ter 16 in Wei­her­feld. Dort be­fin­det sich ein Bahn­über­gang. Und der war mor­gens um 10 Uhr ge­schlos­sen. We­gen ei­nes Gü­ter­zugs. Ir­gend­wie war zwi­schen Ma­ra­thon-Or­ga­ni­sa­to­ren und Deut­scher Bahn ei­ne In­for­ma­ti­on auf der Stre­cke ge­blie­ben. Ei­ni­ge Läu­fer spran­gen über die Schran­ken, was den Lok­füh­rer zu Warn­si­gnal und Not­brem­sung ver­an­lass­te. Es dau­er­te zehn Mi­nu­ten, bis der Weg für die be­son­ders Schnel­len wie­der frei war. Ent­spre­chend ver­är­gert zei­gen sich ehr­gei­zi­ge Tem­po­läu­fer. Ei­ne Wun­der­tü­te ist auf je­den Fall der Ma­ra­thon 2016 für die Star­ter. Sie neh­men ei­ne gänz­lich neue Stre­cke un­ter die Fü­ße. Weil die Eu­ro­pa­hal­le Karlsruhe für grö­ße­re Ver­an­stal­tun­gen nicht mehr nutz­bar ist, wur­de der Start an die Mes­se bei Rhein­stet­ten ver­legt. Der Pulk der Tau­sen­den be­ginnt die ge­wünsch­te Tor­tur nicht mehr über den Brau­erBou­le­vard und die Kriegs­stra­ße, son­dern auf der B 36 Rich­tung Dax­lan­den. Statt ins Bei­ert­hei­mer Sta­di­on lau­fen die Teil­neh­mer in ei­ne Mes­se­hal­le über den ro­ten Tep­pich ein. Da­zwi­schen bleibt das ge­wis­se Flair ei­nes Stadt­ma­ra­thons zwi­schen Häu­ser­schluch­ten be­ste­hen. Das ZKM pas­siert man nun in um­ge­kehr­ter Rich­tung bei Ki­lo­me­ter 7, na­tür­lich wird das Schlossare­al nicht igno­riert und den Bahn­über­gang muss man im­mer noch über­que­ren. Nur an den Ost­städ­tern und Dur­la­chern geht das Groß­er­eig­nis nun vor­bei, weil kei­ner mehr vor­bei läuft. Vi­el­leicht fällt man­chen we­ni­ger Trai­nier­ten der neue Kurs so­gar leich­ter? Die bis­lang im letz­ten Teil des Halb­ma­ra­thon sehr ek­li­ge Brü­cke vor Bu­lach ist frü­her zu be­zwin­gen

7 900 An­mel­dun­gen für nächs­ten Sonn­tag

und zwi­schen Ki­lo­me­ter 14 und 17 ge­nie­ßen al­le die Pas­sa­ge durch die Gün­ter-Klotz-An­la­ge. Mit ho­hen Zie­len ge­hen die ei­nen an den Start. Tau­sen­de aber wol­len ein­fach durch­hal­ten. Das drü­cken sie in man­chen „Ver­eins­na­men“aus, un­ter de­nen die An­mel­dung läuft. So fin­den sich in der Star­ter­lis­te „Schweiß­per­le“und „Ei­ren­männl“, „Dax­lan­der Wa­den­bei­ßer“, „Wein­berg­schne­cken“oder Sie­fers­heim“. Lo­cker­heit de­mons­trie­ren die Star­ter von „Lahm, aber durs­tig“und „Lam­brus­co-Run­ning.“Doch ge­wür­digt wer­den möch­ten die ech­ten „Ama­teu­re“von den Zu­schau­ern schon. Es war nicht gera­de mo­ti­vie­rend, dass der Ver­fas­ser die­ser Zei­len einst bei Ki­lo­me­ter 7 in Dur­lach als fach­män­ni­schen Kommentar ei­nes Man­nes am Stra­ßen­rand zu hö­ren be­kam: „Jetzt kom­me die Long­some.“

Auf ganz neu­en Stre­cken durch Karlsruhe un­ter­wegs: Beim Ba­den-Ma­ra­thon, hier ein Ar­chiv­bild, sind am nächs­ten Sonn­tag Start und Ziel erst­mals bei der Mes­se an der B 36. Fo­to: GES/Prang

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.