Eu­ro­pas Top-Wein­stra­ßen

Auf idyl­li­schen We­gen zu den bes­ten La­gen: von der Pfalz bis zur Tos­ka­na

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaub - Hans-Wer­ner Ro­dri­an

Zum Wohl: Wenn die Win­zer sich zur Le­se die blaue Schür­ze um­bin­den und die Herbst­son­ne den pral­len Wein­re­ben die letz­ten Öchs­le­gra­de mit­gibt, dann be­ginnt in den Wein­re­gio­nen auch die Ur­laubs­hoch­sai­son. Be­son­ders be­liebt ist da­bei der Bum­mel von Ort zu Ort ent­lang ei­ner Wein­stra­ße. Wir stel­len die schöns­ten Re­ben­rou­ten Eu­ro­pas vor.

El­sass: Sie heißt schlicht „Rou­te de Vins d’Al­sace“und darf sich als ei­ne Kö­ni­gin un­ter den Wein­stra­ßen füh­len. Die El­säs­si­sche Wein­stra­ße schlän­gelt sich über 170 Ki­lo­me­ter von Mül­hau­sen vor den Vo­ge­sen bis Straß­burg. Blu­men­käs­ten vol­ler Gera­ni­en, ge­pfleg­te Fach­werk­häu­ser, stol­ze al­te Bur­gen säu­men die Stre­cke über Col­mar, Ober­nai, Ri­que­wihr und das be­zau­bern­de Barr. Über­all mun­den die fei­nen El­säs­ser Ries­lin­ge und der kräf­ti­ge Edel­z­wi­cker, da­zu ge­sellt sich die be­rühm­te El­säs­ser Schlem­mer­kü­che: Flam­me­küe­che und Ba­ecke­of­fe, aber auch Coq au vin und En­te à l’oran­ge.

Bur­gund: Grün und sanft ist die Welt der Bur­gun­der­wei­ne. 27 von 33 Grand-Crus des Bur­gund ent­ste­hen ent­lang der „Gol­de­nen Küs­te“, der Cô­te d’Or zwi­schen Beau­ne und Di­jon. Der schöns­te Teil der Wein­stra­ße „Rou­te des Grands Crus“mit herr­li­chen Châ­teaus ver­läuft auf kaum 20 Ki­lo­me­tern teil­wei­se un­ge­teert ab Nuits St. Ge­or­ges ober­halb der Rou­te D 974. Man kommt durch Mu­si­gny, Clos de la Ro­che und Clos de Vougeot. Beim Dörf­chen Vos­ne schließ­lich ist der be­rühm­tes­te al­ler Wein­ber­ge er­reicht: Ro­ma­née Con­ti. Hin­ter Cham­ber­tin geht es wie­der auf die Na­tio­nal­stra­ße, dort ist Schluss mit den ed­len Wei­nen – in Di­jon gibt es nur noch gu­ten Senf.

Pfalz: Ge­pflegt wein­bum­meln lässt sich auch in Deutsch­land: Idyl­lisch win­det sich die al­te Stre­cke der Deut­schen Wein­stra­ße am Ran­de des Pfäl­zer Walds von Bo­cken­heim bis zur fran­zö­si­schen Gren­ze bei Schwei­gen durch mehr als 80 Ki­lo­me­ter schöns­te Wein­land­schaft. Kaum ei­ne Keh­re ist oh­ne Ein­kehr, über­all lo­cken statt­li­che Winzer­hö­fe mit stei­ner­nen Tor­bö­gen. An den Hän­gen rei­fen Fei­gen und Edel­kas­ta­ni­en. Al­ter­na­ti­ven zum ei­ge­nen Au­to sind das Fahr­rad, die Wan­der­schu­he oder die be­lieb­ten Ca­brio­bus­tou­ren. Mit­ten­drin, in Neu­stadt an der Wein­stra­ße, la­den ein Wein­bau­mu­se­um und ei­ne Sekt­kel­le­rei da­zu ein, sich zur Pra­xis auch die Theo­rie an­zu­eig­nen.

Wach­au: Ba­ro­cke Klös­ter und ein un­kom­pli­zier­ter Heu­ri­ger: Nie­der­ös­ter­reich pro­pa­giert neu­er­dings sei­ne 830 (!) Ki­lo­me­ter lan­ge Nie­der­ös­ter­reich-Wein­stra­ße. Am bes­ten schmeckt der Grü­ne Velt­li­ner aber auf ei­nem klei­nen Ab­schnitt da­von: in der Wach­au. Ös- ter­reichs Pa­ra­de-Wein­re­gi­on er­streckt sich ent­lang der Ufer der Do­nau zwi­schen den Or­ten Melk und Krems. An Schlös­sern, Klös­tern und zahl­lo­sen Heu­ri­gen­lo­ka­len vor­bei führt die Rou­te durch so be­rühm­te Wein­dör­fer wie Joching, Wei­ßen­kir­chen und Lan­gen­lois. Wer vor­hat, dem Wein kräf­ti­ger zu­zu­spre­chen, der be­nutzt statt Au­to oder Fahr­rad bes­ser das Schiff.

Chi­an­ti: Wein und Kul­tur vom Feins­ten: Das bie­tet die Via Chi­an­ti­gia­na. Die tos­ka­ni­sche Traum­stra­ße des Re­ben­safts ist kaum län­ger als 60 Ki­lo­me­ter – und doch gön­nen sich Ge­nie­ßer für sie ei­ne gan­ze Wo­che. Zwi­schen den tos­ka­ni­schen Fix­ster­nen Flo­renz und Sie­na kurvt man durchs kar­ge Herz der Tos­ka­na: Im Berg­land des Chi­an­ti wächst kaum et­was an­de­res als Oli­ven und Wein, aber was für ei­ner! Gre­ve, Panz­a­no, Ca­s­tel­li­na und Rad­da – schon bei den Orts­na­men ge­rät der Chi­an­ti-Ken­ner ins Schwär­men. Den Weg weist der „Gal­lo Ne­ro“: Der Schwar­ze Hahn ist glei­cher­ma­ßen Gü­te­zei­chen auf den Fla­schen wie Weg­wei­ser der Wein­stra­ße.

Süd­ti­rol: Schö­ner kann man ei­gent­lich nicht in den Sü­den rei­sen: Die Süd­ti­ro­ler Wein­stra­ße führt von Bo­zen vor­bei an his­to­ri­schen Gast­hö­fen, Obst­bäu­men und leuch­ten­den Do­lo­mi­ten­fel­sen über Ep­pan und Kal­tern nach Tra­min. Auf der par­al­lel lau­fen­den Au­to­bahn sind die 50 Ki­lo­me­ter in we­ni­ger als ei­ner hal­ben St­un­de be­zwun­gen; doch wie viel schö­ner ist es durch die ur­al­ten Dör­fer und vor­bei an Reb­hän­gen zu zu­ckeln, die heu­te wie­der zu den bes­ten Ita­li­ens ge­hö­ren. Tipps für Wein­ken­ner sind das Wein­mu­se­um Kal­tern und ne­ben­an der Be­such des his­to­ri­schen und er­staun­lich au­then­ti­schen Torgg­l­kel­lers. Ei­nen span­nen­den Kon­trast da­zu bie­tet die su­per­mo­der­ne Kel­le­rei Ma­nin­cor. Tipp: Vie­le Ver­mie­ter neh­men an der Gäs­te­kar­te „Wi­ne­pass plus“teil, in der man al­le öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel nut­zen darf.

Pie­mont: Mit Ba­ro­lo und Bar­be­ra auf Du und Du: Sei­ne ge­halt­vol­len Rot­wei­ne ha­ben das Pie­mont zum Do­ra­do der WeinEn­thu­si­as­ten ge­macht. Die bes­te Rou­te führt durch die Re­gi­on der Lang­he, von As­ti, das bei uns zu Un­recht durch sei­nen sü­ßen Su­per­markt-Spu­man­te be­kannt ist, über Bar­ba­res­co, Al­ba und Do­glia­ni nach Bra, wo es auch ei­nen ex­zel­len­ten Kä­se gibt und die Slow-Food-Or­ga­ni­sa­ti­on ih­ren Haupt­sitz hat. Zur Be­loh­nung bie­tet das Pie­mont im Herbst ei­ne be­son­de­re Spe­zia­li­tät – die Trüf­fel. Doch Vor­sicht: Nach der tol­len Knol­le kann man min­des­tens eben­so süch­tig wer­den wie nach ei­nem ex­zel­len­ten Trop­fen Wein. Nur wird das um ei­ni­ges teu­rer . . .

Wein­se­li­ger Weg in den Sü­den: Wenn sich die Blät­ter ver­fär­ben, ist auch in Süd­ti­rol zwi­schen Bo­zen und Kal­tern Zeit der Wein­le­se. Vor­bei geht’s an his­to­ri­schen Gast­hö­fen, Obst­bäu­men und leuch­ten­den Do­lo­mi­ten­fel­sen mit­ten in die Re­ben. Fo­to: Süd­ti­rol Mar­ke­ting/ Zahn

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