Ar­nim Tö­pel | Blues-Phi­lo­soph und Ge­schich­ten­er­zäh­ler

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region -

Die­se Stim­me! Wie weich und doch mar­kant. Aber kei­ne Stim­me, die ei­tel si­gna­li­siert: hier bin ich, mit die­ser Aus­strah­lung und dem gro­ßen Über­blick. Wenn Ar­nim Tö­pel er­zählt, dann be­tont ab­wä­gend. Wenn er Fak­ten nennt, dann am liebs­ten mit der Er­wäh­nung sei­ner Ge­füh­le da­zu. Mei­nun­gen hat er de­zi­dier­te, aber statt sie pla­ka­tiv vor sich her zu tra­gen, um­kreist er sie mit Zwei­feln. Sol­che Hal­tun­gen im Ge­spräch, legt der Pia­nist, Sän­ger, Ge­schich­ten­er­zäh­ler und Sa­ti­ri­ker auf der Büh­ne nicht ab. Des­halb ist es schwer, sei­ne lei­se, ein­dring­li­che Kunst mit bis­lang acht So­lo­pro­gram­men ein­zu­ord­nen. „Ich möch­te nichts ma­chen, wo man sagt, das ist ein Stil wie der und der. Es muss­te et­was wirk­lich ei­ge­nes sein und es hat lan­ge ge­dau­ert bis ich das Ei­ge­ne ent­wi­ckelt hat­te“, er­zählt der 57-Jäh­ri­ge. „Auf je­den Fall kom­me ich von der Mu­sik, ein Kla­vier ist im­mer da­bei und nicht nur ne­ben­bei. Da­bei ist der Blues mir im­mer am wich­tigs­ten ge­we­sen. Er kann mich im­mer wie­der er­schüt­tern. “In sei­nen Lie­dern er­zählt Tö­pel, der Blues-Phi­lo­soph, von un­ser al­ler All­tag der Zu­mu­tun­gen und Über­ra­schun­gen. Poe­tisch und poin­ten­reich. „Aber nicht mit Dreck wer­fend, das kann je­der und bringt die Welt nicht wei­ter“. Zu über­prü­fen ist Tö­pels Kunst am Frei­tag, 23. Sep­tem­ber, um 19 Uhr in Lin­ken­heims Zehnt­scheu­ne, wenn er sein Pro­gramm „Nur für kur­ze Zeit – al­les glof­fe“mit­bringt. (Ört­li­cher Vor­ver­kauf „buch­hand­lung eins“, Ein­lass ab 18 Uhr.) Der zwei­te Teil des Ti­tels deu­tet an, was Tö­pel ne­ben sen­si­bler Hal­tung noch mit­bringt: sei­nen kur­pfäl­zer Dia­lekt. „Den ha­be ich erst mit 20 ent­deckt, ob­wohl ich in der Re­gi­on auf­ge­wach­sen bin. Mei­ne El­tern stam­men aus Berlin und Zu­hau­se gab es nur Hoch­spra­che. Aber der Dia­lekt von Stra­ße und Schu­le, war in mir drin – und kommt im­mer wie­der raus“, er­klärt er sich sei­ne mü­he­lo­se sprach­li­che Kom­bi­na­ti­on. Da­bei wird li­te­ra­ri­sche Mun­d­art nicht zur bes­se­ren Ver­mark­tung ab­ge­schwächt. Tö­pel geht mu­tig wei­ter als an­de­re. Gera­de schrieb er auf der Nord­see­insel Lan­geoog sei­nen vier­ten Kri­mi ei­ner fa­bel­haf­ten Rei­he, in der Kom­mis­sar Gün­da, „de Tschief“, wie vie­le an­de­re Fi­gu­ren kom­plett au­then­tisch wie­der­ge­ge­ben wer­den. Sein neu­es Buch wird „Fag­rum­be­lung“hei­ßen. („Verg­rum­pelt“be­deu­tet et­wa „’zer­knauscht“.) Qu­er­den­kend, an­sto­ßend, an­spruchs­voll kommt der Sprach­künst­ler da­her. „Un­ter­hal­ten, Fra­gen stel­len, die Welt ein we­nig bes­ser ma­chen, das möch­te ich schon.“Er war in der evan­ge­li­schen Ju­gend ak­tiv und sitzt nicht nur sonn­tags gern in Kir­chen. Er kann sich so­gar vor­stel­len, den Glau­ben, ganz ei­gen na­tür­lich, zum The­ma ei­nes Pro­gramms zu ma­chen. T. Liebs­cher

Poe­tisch und poin­ten­reich sind die Büh­nen­pro­gram­me von Ar­nim Tö­pel. Er sitzt am Kla­vier und singt Chan­sons, er er­zählt in Hoch­spra­che und Dia­lekt. Der Kur­pfäl­zer ist mit ganz ei­ge­nem Stil er­folg­reich. Fo­to: pr.

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