Vom Kri­mi bis zur Künst­ler­bio­gra­fie

Le­sens­wer­tes von Au­to­ren aus der Re­gi­on / Li­te­ra­tur­ta­ge dau­ern noch bis Mitt­woch

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - SO

Für En­de Sep­tem­ber war es er­staun­lich warm. Es war fast so, als wol­le der Som­mer noch ein letz­tes Mal auf­be­geh­ren, be­vor er sich bis zum nächs­ten Jahr ver­ab­schie­den muss­te“, heißt es im Karls­ru­heK­ri­mi „Der Igel im Meer“. Im li­te­ra­ri­schen Sep­tem­ber des Jah­res 2010 war es so strah­lend wie der­zeit. In je­nem Mo­nat en­det ein Buch, der sich mit sei­ner klar ent­wi­ckel­ten Sto­ry und an­ge­neh­men, un­prä­ten­tiö­sen Dia­lo­gen von vie­len Re­gio­nal­kri­mis ab­hebt. Sa­bi­ne Geis­sel be­warb sich mit ih­rem Ma­nu­skript für ei­nen im Vor­jahr ver­ge­be­nen Karls­ru­her Li­te­ra­tur­preis. In­zwi­schen ist das Buch in die „Klei­ne Karls­ru­her Bi­blio­thek“auf­ge­nom­men. Haupt­kom­mis­sar Vin­cent Fass­rath und sei­ne Kol­le­gin Mar­ga­re­ta Sturm klä­ren den ge­walt­sa­men Tod des Mo­dels So­fia auf. Was hat der Be­sit­zer ih­rer Agen­tur mit der Sa­che zu tun oder ihr Ge­lieb­ter, der Mann ei­ner Schön­heits­chir­ur­gin? In­ter­es­san­te Mi­lieus sind ab­zu­klap­pern und die Ge­schich­te nimmt ei­ne Wen­dung als ein zwei­ter Mord pas­siert. Die Au­to­rin liest am Di­ens­tag, 27. Sep­tem­ber, um 19.30 Uhr in der Stadt­bi­blio­thek Karlsruhe aus ih­rem Buch. „Karlsruhe, ge­plant und re­gel­streng ge­baut, hat ja nicht viel Ver­win­kel­tes und Pit­to­res­kes zu bie­ten. So blieb nur die Gas­se­nenge des ’Dörf­le’ mit sei­nen wun­der­li­chen Häu­sern und Häu­schen, die voll von Ge­schich­te und Ge­schich­ten zu ste­cken schie­nen, ein klein­städ­ti­sches Idyll, frei­lich ei­nes, dem sich das Her­un­ter­ge­kom­me­ne und das Elend bei­ge­sellt ha­ben.“So cha­rak­te­ri­sier­te Hu­bert Do­err­schuck einst je­nes Quar­tier beim Dur­la­cher Tor, das nach Karls­ru­hes Stadt­grün­dung zum Vier­tel der Aus­län­der und klei­nen Leu­te wur­de. Hun­dert Jah­re spä­ter wur­de dort die Pro­sti­tu­ti­on kon­zen­triert. Der Rot­licht­be­zirk ist klei­ner ge­wor­den und seit den 1960er Jah­ren wur­de die lie­bens­wer­te Rück­stän­dig­keit weg­sa­niert. Die Er­in­ne­rung an das an­de­re Karlsruhe hält die Antho­lo­gie „Im Dörf­le“fest. Jür­gen Op­per­mann wähl­te die Tex­te aus. Sie stam­men von Ha­rald Hurst, Ku­no Bä­ren­boldt, Wolf­gang Bur­ger, Do­ris Lott, Re­gi­ne Kress-Fri­cke, Ru­dolf Stäh­le oder Kurt Kra­nich und wer­den mit Il­lus­tra­tio­nen er­gänzt. Die Büh­ne war für sie ein Ort der Zuflucht – oder viel­mehr der Flucht. Sie war ein Ort der Selbst­be­stä­ti­gung. Selbst wenn nur zehn Men­schen im Pu­bli­kum nach ei­nem Lied ap­plau­dier­ten, war es für sie, als ha­be sie ei­nen wei­te­ren Kampf ge­gen ih­re Mut­ter ge­won­nen“. Mit der Gi­tar­re und ih­rer Stim­me taucht Lu­cy Mur­ray früh in je­ne Mu­sik­welt ein, die so ein­fa­cher scheint und doch viel mehr bie­tet als El­tern­haus, Schu­le und Freun­din­nen. Den Traum vom Er­folg und das düs­te­re Licht der Rea­li­tät beim Tin­geln durchs Land bis hin zum Plat­ten­ver­trag bei ei­nem Kon­zern be­schreibt Mar­kus Dehm in „blues­ta­ge.“Die Ge­schich­te von Lu­cy be­ruht auf wah­ren Er­eig­nis­sen ei­ner US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin, die in den 1960er- und 1970er Jah­ren auf­wuchs. Der Au­tor lässt fast al­le Zeit­um­stän­de au­ßen vor und kon­zen­triert sich auf die Ge­dan­ken und Er­leb­nis­se von Lu­cy, die ver­sucht, in­mit­ten un­fä­hi­gen, kor­rup­ten oder ein­fach nur gei­len Män­nern für ih­re Mu­sik der Rich­tung Coun­try zu le­ben. Dehm un­ter­nimmt nicht den Ver­such, Lu­cys Auf­trit­te, ih­re Lie­der oder die Kon­zer­tat­mo­sphä­re zu be­schrei­ben. Der ers­te Teil des Buchs um­fasst die warm­her­zi­ge Künst­ler­bio­gra­fie: im zwei­ten Teil kommt es zur Be­geg­nung mit Lu­cy im Jahr 2009. Der Mu­sik­jour­na­list Mar­kus Dehm aus Malsch liest am Mitt­woch, 28. Sep­tem­ber, um 19 Uhr im Prinz-Max-Pa­lais aus sei­nem Werk. lie Meh­re­re hun­dert Men­schen aus ganz Deutsch­land, Ita­li­en und Frank­reich wer­den heu­te am „Deut­schen Wal­den­ser­tag“in Karlsruhe-Neu­reut teil­neh­men. Den Fest­got­tes­dienst hält Lan­des­bi­schof Jo­chen Cor­ne­li­us-Bund­schuh. Im Vor­feld wür­dig­te Lan­des­bi­schof Cor­ne­li­us-Bund­schuh die en­gen Be­zie­hun­gen der ba­di­schen Lan­des­kir­che zur Wal­dens­er­kir­che in Ita­li­en. „Re­gel­mä­ßig neh­men Ju­gend­li­che aus bei­den Kir­chen am frei­wil­li­gen öku­me­ni­schen Frie­dens­dienst teil, es be­steht ein re­ger kul­tu­rel­ler Aus­tausch im Rah­men der Kir­chen­mu­sik, Theo­lo­gie­stu­die­ren­de aus Ba­den wäh­len die Wal­den­s­er­fa­kul­tät in Rom als Stu­di­en­ort und um­ge­kehrt nut­zen Stu­die­ren­de der Wal­dens­er­kir­che ein Sti­pen­di­en­pro­gramm für ein Stu­di­um in Hei­del­berg“, sag­te der Lan­des­bi­schof. Auch ge­be es der­zeit Be­ra­tun­gen in der Auf­nah­me und Be­glei­tung von Flücht­lin­gen, die auf der ita­lie­ni­schen In­sel Lam­pe­du­sa an­kom­men. Der Deut­sche Wal­den­ser­tag fin­det seit 1853 statt und wech­selt jähr­lich zwi­schen den deut­schen Län­dern, die einst die ver­folg­ten Pro­tes­tan­ten aus Ita­li­en und Frank­reich auf­ge­nom­men ha­ben: Ba­den, Würt­tem­berg, Hes­sen-Nas­sau und Hes­sen-Wal­deck. Nach­fah­ren der Wal­den­ser aus den Ge­mein­den, die Wal­den­ser ge­grün­det ha­ben, tref­fen sich an die­sem Tag, um Ver­bin­dun­gen zu ver­tie­fen und die Er­in­ne­run­gen an die wal­den­si­schen Tra­di­tio­nen wach zu hal­ten. Auf dem Wal­den­ser­tag in Neu­reut ge­schieht dies ins­be­son­de­re un­ter dem The­ma „Das Sin­gen der Wal­den­ser“. Das Ta­ges­pro­gramm fin­det ab 9.30 Uhr in der Au­la des Schul­zen­trums Karlsruhe-Neu­reut, Un­ter­feld­stra­ße, statt, der Got­tes­dienst um 16 Uhr wird in der Wal­dens­er­kir­che ge­fei­ert.

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