Per­len Eu­ro­pas

His­to­ri­sche Alt­städ­te mit Unesco-Wel­ter­be-Ti­tel

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaue -

Sie be­zau­bern Ur­lau­ber mit Charme und Ur­sprüng­lich­keit: Klei­ne­re Städ­te, die die tur­bu­len­te Ge­schich­te Eu­ro­pas weit­ge­hend un­be­scha­det über­stan­den ha­ben, und we­gen ih­rer gut er­hal­te­nen Stadt­ker­ne und ih­rer his­to­ri­schen Be­deu­tung un­ter dem Schutz der Unesco ste­hen. Ver­win­kel­te Gas­sen, Fach­werk­pracht, mäch­ti­ge Stadt­mau­ern und ein­drucks­vol­le Pa­läs­te las­sen da­bei nicht nur Ro­man­tik­er­her­zen hö­her­schla­gen.

Fach­werk-Idyl­le

In der eins­ti­gen Han­se­stadt Qued­lin­burg am Rand des Harz sor­gen über 1000 gut er­hal­te­ne Fach­werk­bau­ten aus dem 14. bis 19. Jahr­hun­dert für ei­ne ein­ma­li­ge At­mo­sphä­re. Beim Bum­mel durch die en­gen, kopf­st­ein­ge­pflas­ter­ten Gas­sen ent­de­cken Ur­lau­ber im­mer neue, lie­be­voll re­stau­rier­te De­tails. Be­son­ders idyl­lisch ist das Vier­tel Mün­zen­berg mit sei­nen klei­nen Hand­wer­ker­häu­sern. Über der Alt­stadt thront die Stifts­kir­che St. Ser­va­ti­us auf den mas­si­gen Sand­stein­fel­sen des Burg­bergs. Wer sich den Auf­stieg zum Schloss ver­sü­ßen möch­te, der kehrt im Ca­fé Vin­cent ein. Die Bä­cke­rei hat bis zu 130 ver­schie­de­ne Sor­ten Kä­se­ku­chen im An­ge­bot. Ser­viert wer­den die Krea­tio­nen mit Zimt-Pflau­me, Ana­nas oder auch Zie­gen­kä­se in ei­nem schmu­cken Fach­werk­haus.

Stol­ze Tür­me

Sei­ne mit­tel­al­ter­li­chen Ge­schlech­ter­tür­me ha­ben den ita­lie­ni­schen Ort be­rühmt ge­macht. 72 rag­ten einst in den Him­mel, heu­te ste­hen noch 15 und sor­gen für die un­ver­wech­sel­ba­re Sil­hou­et­te der Stadt im Her­zen der Tos­ka­na. Zum Ver­wei­len lädt die drei­ecki­ge Piaz­za del­la Cis­ter­na ein – und wer es ein­rich­ten kann, der be­sucht den Mer­ca­ta­le del­la Val­del­sa. Auf dem Markt am Dom­platz wer­den ein­mal mo­nat­lich re­gio­na­le Spe­zia­li­tä­ten feil­ge­bo­ten. Und was wä­re ei­ne Rei­se in die Tos­ka­na oh­ne Wein? Rund um San Gi­mi­gna­no wird vor al­lem der gold­guss gelb im Glas per­len­de Weiß­wein „Ver­nac­cia di San Gi­mi­gna­no“an­ge­baut. Das ört­li­che mo­der­ne Wein­mu­se­um tritt den Be­weis an, dass Wein auch ein Kunst­werk ist.

Mo­zart und mehr

Dar­an, dass Wolf­gang Ama­de­us Mo­zart ein Sohn der Stadt ist, lässt Salz­burg kei­nen Zwei­fel: Ne­ben dem Ge­burts­haus in der Ge­trei­de­gas­se 9 er­in­nern der Mo­zart­platz samt Denk­mal, das Mo­zar­te­um und na­tür­lich die Mo­zart­ku­geln an den be­rühm­ten Kom­po­nis­ten. Die sü­ße Spe­zia­li­tät aus Mar­zi­pan, Nou­gat, Pis­ta­zie und Scho­ko­la­de wur­de 1884 in der Kon­di­to­rei Fürst in der Brod­gas­se am Al­ten Markt kre­iert. Doch die Stadt an der Salz­ach hat mit Dom, Al­ter Re­si­denz und dem Schloss Mi­ra­bell noch mehr Se­hens­wür­dig­kei­ten zu bie­ten. Den schöns­ten Blick auf Gas­sen, Dä­cher und Gar­ten­an­la­gen hat man von der Fe­s­tung Ho­hen­salz­burg, auf die ganz be­quem ei­ne Stand­seil­bahn führt. Das Mot­to „Die gan­ze Stadt ist ei­ne Büh­ne“gilt da­bei nicht nur wäh­rend der be­rühm­ten Fest­spie­le im Som­mer: Auf das Fes­ti­val Jazz in the Ci­ty mit mehr als 60 Kon­zer­ten im Ok­to­ber folgt ab 25. No­vem­ber das tra­di­tio­nel­le Ad­vents­sin­gen.

Le­ben­di­ge Go­tik

Im Torun (Thorn) in Po­len ist die Zeit ste­hen ge­blie­ben: Die tra­di­ti­ons­rei­che Han­dels­stadt am Ufer der Weich­sel ver­eint Bausti­le der ver­gan­ge­nen 800 Jah­re in ih­ren Mau­ern. Zen­trum ist der Alt­stadt­markt mit dem go­ti­schen Rat­haus. In der Platz­mit­te er­in­nert ein Denk­mal an den be­rühm­tes­ten Sohn der Stadt, den As­tro­no­men Ni­ko­laus Koper­ni­kus. Der „Schie­fe Turm von Thorn“macht sei­nem Kol­le­gen in Pi­sa Kon­kur­renz: Er ist Teil der Be­fes­ti­gungs­an­la­gen und hat sich auf leh­mi­gem Bo­den ge­neigt. Übe­r­all gibt es auch die be­rühm­ten Thor­ner Leb­ku­chen zu kau­fen. Seit dem 13. Jahr­hun­dert wer­den sie in ver­schie­de­nen Va­ri­an­ten ge­ba­cken und sind heu­te – mit Scho­ko­la­de, Zu­cker- oder als Fi­gu­ren ge­stal­tet – ein be­lieb­tes Mit­bring­sel, nicht nur zur Weih­nachts­zeit. Im Pfef­fer­ku­chen­mu­se­um kön­nen Ur­lau­ber bei der Her­stel­lung zu­se­hen.

Mau­ri­sches Er­be

Zier­li­che Bal­ko­ne und ver­zier­te Fas­sa­den, um­wu­cher­te Rui­nen und ge­heim­nis­vol­le Durch­gän­ge: Gra­na­da zu Fü­ßen der Sier­ra Ne­va­da be­zau­bert in je­dem Win­kel. Be­rühmt ist die Stadt in An­da­lu­si­en für ihr mau­ri­sches Er­be. Da­für steht die Al­ham­bra, die mit ih­ren wehr­haf­ten Mau­ern, präch­ti­gen Pa­läs­ten und den Gär­ten des Som­mer­pa­las­tes über der Stadt thront. Doch auch das Vier­tel Al­baicín zählt zum Welt­kul­tur­er­be der Unesco. Rund um die Ka­the­dra­le prä­sen­tiert sich Gra­na­da im meist son­ni­gen Herbst als le­ben­di­ge Stu­den­ten­stadt. Zu­dem be­zeich­net sich Gra­na­da als Wie­ge der Ta­pas – mehr als zehn Rou­ten wei­sen den Weg zu den klei­nen, ty­pisch spa­ni­schen Ap­pe­tit­häpp­chen.

Präch­ti­ge Bur­gen

Das böh­mi­sche Cesk Kr­um­lov (Kru­mau) wird von drei Sei­ten von der Mol­dau um­flos­sen: Von Brü­cken und Parks er­ge­ben sich im­mer neue, ma­le­ri­sche Aus­bli­cke. Aus re­stau­rier­ten Ge­wöl­ben er­klingt Mu­sik, klei­ne Ge­schäf­te und Ga­le­ri­en prä­sen­tie­ren Kunst und Hand­ge­mach­tes. Ei­nen Be­such wert ist das Egon Schie­le Art Cen­trum: Es zeigt ei­ni­ge Wer­ke des Ex­pres­sio­nis­ten, der prä­gen­de Jah­re in der Stadt ver­bracht hat. Über­ragt wird der his­to­ri­sche Stadt­kern vom präch­ti­gen Schloss mit sei­nem far­ben­froh be­mal­ten Rund­turm. Die be­rühm­tes­ten Be­woh­ner des Schlos­ses sind die Bä­ren, die im Gra­ben beim Ein­gang zur Un­te­ren Burg le­ben.

Han­setra­di­ti­on

Die Haupt­stadt der schwe­di­schen In­sel Got­land strahlt den Glanz ei­ner ehr­wür­di­gen Ost­see-Han­se­me­tro­po­le aus. Spei­cher ste­hen ne­ben al­ten Han­dels­häu­sern mit Trep­pen­gie­beln. Ei­ni­ge Stra­ßen­na­men las­sen den Ein­fluss deut­scher Kauf­leu­te er­ken­nen, die vor Jahr­hun­der­ten von der In­sel aus Han­del trie­ben. Wahr­zei­chen ist die gut drei Ki­lo­me­ter lan­ge und elf Me­ter ho­he Stadt­mau­er mit 38 statt­li­chen Wehr­tür­men. Sie schüt­zen den mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­kern, der mit nicht we­ni­ger als 13 Kir­chen auf­war­tet. Zehn da­von sind heu­te al­ler­dings nur noch ro­man­ti­sche Rui­nen. Im Bal­tic Art Cen­ter am Ha­fen gibt es da­ge­gen bei ver­schie­de­nen ak­tu­el­len Pro­jek­ten mo­der­ne Kunst zu ent­de­cken.

Wahr­zei­chen der Wel­ter­be-Stadt: Qued­lin­burgs ro­ma­ni­sche Stifts­kir­che St. Ser­va­ti­us thront auf dem Burg­berg über der Stadt. Fo­to: In­ves­ti­ti­ons- und Mar­ke­ting­ge­sell­schaft Sach­sen-An­halt/Huf­na­gel

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