Ein Dorf und sei­ne Mit­te

Im Am­mer­gau gibt es ein mu­si­kan­ten­freund­li­ches Wirts­haus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Reise & Urlaue - Hf

Jun­ge und Al­te. Män­ner und Frau­en. In­stru­men­te, wo­hin man schaut: Hör­ner, Kla­ri­net­ten und Tu­bas, Gi­tar­ren und Ak­kor­de­ons. Es ist Don­ners­tag, kurz nach sie­ben, im Al­ten­au­er Dorf­wirt. Ein­mal im Mo­nat tref­fen sich Ein­hei­mi­sche und In­ter­es­sier­te zu ei­nem mu­si­ka­li­schen Abend. „Ein­fach vor­bei­kom­men und mit­spie­len. Oder nur zu­hö­ren.“, so lau­tet die Ein­la­dung von Gast­ge­ber Flo­ri­an Spie­gel­ber­ger. 70 Sitz­plät­ze hat die Stu­be. „Zu un­se­rem mo­nat­li­chen Mu­si­kan­ten­stamm­tisch ge­sel­len sich oft 100 Leu­te und mehr“, er­zählt der Wirt. Ge­mein­sam mit sei­ner Frau Iz­a­bel­la und den An­ge­stell­ten hat er dann al­le Hän­de voll zu tun. Die Ein­hei­mi­schen sind froh, dass er wie­der da ist – ihr Treff­punkt im Ort. Ihr Dorf­wirt in Al­ten­au. Wo sie rat­schen kön­nen. Es­sen und Trin­ken. Fei­ern und sin­gen. Dass die Wirt­schaft wie­der exis­tiert, ha­ben die Al­ten­au­er sich selbst zu ver­dan­ken. Mit viel Lei­den­schaft und En­ga­ge­ment hol­ten sich die Ein­woh­ner der klei­nen ober­baye­ri­schen Ge­mein­de ihr Wirts­haus zu­rück. Sie knüp­fen da­mit an ei­ne Zeit an, als die sonn­täg­li­che Stamm­tisch-Run­de nach dem Kirch­gang ganz selbst­ver­ständ­lich war. Als das eins­ti­ge Wirts­haus im Som­mer 2012 zum Ver­kauf stand, grif­fen die Al­ten­au­er zu: Sie grün­de­ten ei­ne Ge­nos­sen­schaft, in­ves­tier­ten das not­wen­di­ge Ka­pi­tal . . . und gi­gan­ti­sche 22000 eh­ren­amt­li­che Ar­beits­stun­den, in de­nen sie das Haus sa­nier­ten. Da­bei kam auch Ver­bor­ge­nes zum Vor­schein: Hin­ter den al­ten Kü­chen­flie­sen ent­deck­ten die Hand­wer­ker ei­ne Wand mit his­to­ri­schen Et­ta­ler Ton­zie­geln, die sie akri­bisch säu­ber­ten und sa­nier­ten. Heu­te ist die­ses Mau­er­werk der Blick­fang. Schon bald nach der Er­öff­nung durf­te sich der Al­ten­au­er Dorf­wirt selbst­be­wusst „Mu­si­kan­ten­freund­li­ches Wirts­haus“nen­nen. Ein Ti­tel, der si­gna­li­siert: Hier sind Sän­ger und Mu­si­kan­ten ger­ne ge­se­hen, spon­ta­nes Sin­gen und Mu­si­zie­ren sind im Gast­haus er­wünscht und mög­lich. So prä­gen die – oft ein­hei­mi­schen – Mu­si­ker den gu­ten Ruf des Al­ten­au­er Dorf­wirts ent­schei­dend mit. Und da­mit die At­mo­sphä­re von ganz Al­ten­au. Wer von aus­wärts zu den Ver­an­stal­tun­gen an­reist, für den hält der Al­ten­au­er Dorf­wirt sechs Gäs­te­zim­mer be­reit. Der Ort liegt mit­ten in den Am­mer­gau­er Al­pen, die Am­mer schlän­gelt sich hin­ter den Hö­fen durch die Land­schaft. Nicht weit ent­fernt sind Na­men mit gro­ßer Ge­schich­te und Strahl­kraft – Klos­ter Et­tal, Schloss Lin­der­hof und die Wies­kir­che. In nächs­ter Nä­he sind mit der Nie­de­rer Bleick und dem Am­mer­durch­bruch stil­le Win­ter- und Som­mer­zie­le für Na­tur­lieb­ha­ber. Man­cher Gast bleibt auch ein­fach im Bier­gar­ten sit­zen und spürt den Puls des Dörf­chens. Die Men­schen mö­gen das Le­ben im Ort. Kein Wun­der, dass vie­le Städ­ter im­mer und im­mer wie­der zu ih­nen aufs Land an die Am­mer kom­men.

Wo man singt, da lass dich ru­hig nie­der: Das gilt im mu­si­kan­ten­freund­li­chen Wirts­haus in Al­ten­au in den Am­mer­gau­er Al­pen. Fo­to: www.bay­ern.by – Pe­ter von Fel­bert

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