Sta­di­on­plä­ne noch zu ret­ten?

KSC-Mit­glie­der­ver­samm­lung: Al­le an­de­ren The­men rü­cken in Hin­ter­grund

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ha­rald Lin­der

Kommt das neue Sta­di­on - oder kommt es nicht? Die­se Fra­ge steht im Mit­tel­punkt der heu­ti­gen Mit­glie­der­ver­samm­lung des KSC, die um 14.30 Uhr in der Stadt­hal­le Karlsruhe be­ginnt und in der die Mit­glie­der ei­ne Ta­ges­ord­nung von 24 Punk­ten ab­ar­bei­ten müs­sen. Im Ta­ges­ord­nungs­punkt 22 will das Prä­si­di­um über den Sach­stand zu die­sem The­ma be­rich­ten und da­nach soll die Mit­glie­der­ver­samm­lung über das wei­te­re Vor­ge­hen be­schlie­ßen. Schon im „all­ge­mei­nen Jah­res­be­richt des Prä­si­di­ums“, der als Punkt acht auf der Ta­ges­ord­nung steht, wird Prä­si­dent In­go Wel­len­reu­ther aber über die letz­ten Ge­sprä­che mit der Stadt und de­ren Er­geb­nis­se be­rich­ten. Die­se ha­ben seit Frei­tag ei­ne über­ra­schen­de, aber kei­nes­falls po­si­ti­ve Wen­de ge­nom­men. Noch nach dem Tref­fen am ver­gan­ge­nen Mon­tag wa­ren Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup und In­go Wel­len­reu­ther da­von über­zeugt, dass man in we­sent­li­chen Punk­ten so weit­ge­hen­de Fort­schrit­te er­zielt ha­be, dass der Club­chef sei­nen Mit­glie­dern heu­te emp­feh­len kön­ne, die Sta­di­on­plä­ne ab­zu­seg­nen. Er sei nach die­sem Tref­fen „ge­ra­de­zu eu­pho­ri­siert ge­we­sen,“be­schrieb Men­trup sei­nen See­len­zu­stand am Mon­tag und In­go Wel­len­reu­ther mein­te am Di­ens­tag noch zu Jour­na­lis­ten „dass wir auf ei­nem sehr gu­ten Weg sind.“Am Mitt­woch war die Eu­pho­rie des Ober­bür­ger­meis­ters ver­flo­gen, denn der KSC ha­be „die Er­geb­nis­se an­ders in­ter­pre­tiert und ge­trof­fe­ne Ab­spra­chen ver­än­dert“, so Men­trup in ei­ner Pres­se­kon­fe­renz. Das aber sei mit ihm „nicht zu ma­chen“, fuhr der Rat­haus­chef schar­fes Ge­schütz auf – und stell­te das gan­ze Sta­di­on­pro­jekt in Fra­ge. „Wenn wir die Sa­che nicht bis En­de Ok­to­ber un­ter Dach und Fach be­kom­men, ist das Man­dat des Ge­mein­de­rats er­lo­schen“, so Men­trups un­ver­hüll­te Dro­hung an den Ver­ein, die Ver­trä­ge oh­ne wei­te­re Ver­zö­ge­rung jetzt zu un­ter­schrei­ben. Was aber war ge­sche­hen nach je­nem omi­nö­sen Mitt­woch, als Men­trups Eu­pho­rie ver­schwand? Nach In­for­ma­tio­nen des SONN­TAG gibt es von dem Tref­fen am Mon­tag, an dem ne­ben der KSC-Spit­ze auch IHK-Prä­si­dent Wolf­gang Gren­ke als Me­dia­tor teil­nahm, ein Pro­to­koll über die ver­ab­re­de­ten Punk­te. Die­ses ging dem KSC am Mitt­woch ha­be aber – so war aus Ver­ein­s­krei­sen zu hö­ren – nicht den dort tat­säch­lich ver­ab­re­de­ten Er­geb­nis­sen ent­spro­chen. So soll es An­hän­ge und An­mer­kun­gen zu ein­zel­nen be­reits be­schlos­se­nen Punk­ten ge­ge­ben ha­ben, die da­durch, so be­rich­ten KSC-Ver­tre­ter, wie­der völ­lig ver­än­dert wor­den sei­en. Des­halb ha­be der KSC die­ses Pro­to­koll wie­der schrift­lich zu­rück­ge­wie­sen und of­fen­bar dar­auf be­harrt, dass da­rin die tat­säch­lich be­schlos­se­nen Punk­te und nicht zu­sätz­li­che An­mer­kun­gen und An­hän­ge ent­hal­ten sein dür­fen. Dies führ­te beim Ober­bür­ger­meis­ter zu der An­sicht, dass der KSC „wie­der­holt ge­trof­fe­ne Ab­spra­chen ver­än­dert“ha­be, wo­durch das Zeit­fens­ter für den Sta­di­on­bau im­mer klei­ner wer­de: Dies wür­de am En­de das gan­ze Pro- jekt er­heb­lich ver­teu­ern und das sei vom bis­he­ri­gen Man­dat des Ge­mein­de­ra­tes nicht ge­deckt“, stell­te Men­trup den ge­sam­ten Neu­bau in Fra­ge. Vom KSC war da­zu kei­ne Stel­lung­nah­me zu er­hal­ten, aber es ist frag­lich, ob der Ver­ein un­ter die­sen Um­stän­den, trotz der in vie­len Punk­ten er­ziel­ten Ei­ni­gung, die von der Stadt ge­for­der­te um­ge­hen­de Un­ter­schrift un­ter die Ver­trä­ge gu­ten Ge­wis­sens leis­ten kann. Wie das Ve­to der Mit­glie­der dann aus­sieht, muss sich zei­gen. Men­trups Schach­zug, kurz vor die Mit­glie­der­ver­samm­lung das gan­ze Pro­jekt in Fra­ge zu stel­len, könn­te wohl auch dar­auf ge­zielt ha­ben, die Mit­glie­der auf­zu­for­dern, ih­re Füh­rung in die­sem Sin­ne zum Han­deln zu be­we­gen. Da­hin­ter ver­blas­sen al­le an­de­ren Punk­te die­ser Mit­glie­der­ver­samm­lung, ob­wohl der schei­den­de Vi­ze­prä­si­dent Ge­org Schatt­ling mit­tei­len kann, dass der Ver­ein das Ge­schäfts­jahr mit ei­nem Ge­winn von mehr als zwei Mil­lio­nen Eu­ro ab­schloss, was un­ter an­de­rem der po­si­ti­ven Trans­fer­bi­lanz der letz­zu, ten Jah­re ge­schul­det ist. Bei den Wah­len zum Prä­si­di­um tre­ten mit In­go Wel­len­reu­ther und Gün­ter Pi­lar­s­ky zwei der bis­he­ri­gen drei Prä­si­di­ums­mit­glie­der wie­der an. Der bis­he­ri­ge stell­ver­tre­ten­de Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­de Hol­ger Sieg­mund-Schult­ze kan­di­diert für den durch Schatt­lings Rück­zug frei wer­den­den Platz im Prä­si­di­um. Für den sie­ben­köp­fi­ge Ver­wal­tungs­rat, für den ne­ben Sieg­mund-Schult­ze – soll­te er ins Prä­si­di­um ge­wählt wer­den – auch Sa­scha Dö­ther aus „per­sön­li­chen Grün­den“nicht mehr an­ritt, wer­den die ver­blie­be­nen fünf Mit­glie­der um den Vor­sit­zen­den Micha­el Steidl er­neut kan­di­die­ren. Da­zu kom­men mit Karls­ru­hes Bä­der­chef Oli­ver Ster­na­gel, dem Ex-Vor­stands­vor­sit­zen­den der Volks­bank Karlsruhe, Ger­hard Ra­stet­ter, so­wie dem Wirt­schafts­in­ge­nieur Mar­tin Mül­ler drei wei­ter Be­wer­ber. (Aus­führ­li­che Be­rich­te und Hin­ter­grün­de zur KSC-Mit­glie­der­ver­samm­lung und zum Sta­di­on-Neu­bau mor­gen im ABB und in den BNN).

Au­ßer­dem Wah­len zum Prä­si­di­um

End­los­ge­schich­te Wild­park­sta­di­on: Der Ge­mein­de­rat hat ei­nen Neu­bau be­schlos­sen und end­lich schien al­les auf ei­nem gu­ten Weg zu sein, doch jetzt gibt es zwi­schen der Stadt und dem KSC wie­der mas­si­ve Pro­ble­me – und die Neu­bau­plä­ne ge­ra­ten er­neut an den Rand des Schei­terns. Fo­to: GES/Gil­li­ar

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