Es ist wie ein Be­such im Ki­no

Him­mel-Be­ob­ach­tung im Pla­ne­ta­ri­um

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - Tan­ja Ka­sisch­ke

Im Jahr 2018 wird der aus Schwa­ben stam­men­de As­tro­naut Alex­an­der Gerst, der in Karlsruhe stu­diert hat, als ers­ter deut­scher Kom­man­dant der in­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS ins All rei­sen. Im Groß­pla­ne­ta­ri­um in Berlin über­legt Tim Flo­ri­an Horn schon jetzt, wie er Funk­kon­takt zu Gerst her­stel­len und Bil­der aus dem Welt­raum in die Kup­pel des Pla­ne­ta­ri­ums live über­tra­gen wird, so dass Be­su­cher das Ge­spräch ver­fol­gen kön­nen. Das Groß­pla­ne­ta­ri­um ist der­zeit das mo­derns­te Eu­ro­pas. Sein Pro­jek­tor schafft es, 9 200 Ster­ne an die Kup­pel zu pro­ji­zie­ren. „Al­les, was der Him­mel her­gibt“, sagt Horn, der das Pla­ne­ta­ri­um lei­tet. Der Pro­jek­tor ist fast so groß wie er. Der ku­ge­li­ge Ap­pa­rat mit

Hier leuch­ten die Ster­ne auch tags­über

den Bul­l­au­gen, der ein Bru­der des Ro­bo­ters R2D2 aus den „Krieg der Ster­ne“-Fil­men sein könn­te, ist mit hel­len, lang­le­bi­gen LEDLam­pen aus­ge­stat­tet, die erst nach 25 Jah­ren aus­ge­wech­selt wer­den müs­sen. So klar und deut­lich wie an der Kup­pel des Pla­ne­ta­ri­ums se­hen die Ber­li­ner ih­ren Ster­nen­him­mel sel­ten. „Die Lich­ter der Groß­stadt sind nachts ein­fach zu hell und es gibt zu vie­le da­von.“Die bes­te Sicht ha­ben Stern­gu­cker – au­ßer im Pla­ne­ta­ri­um – in der Ata­ca­ma-Wüs­te in Süd­ame­ri­ka. Dort gibt es kein künst­li­ches Licht. Das äl­tes­te Pla­ne­ta­ri­um Deutsch­lands ent­stand 1923 in Je­na in Thü­rin­gen. Das er­gab sich dar­aus, dass Pro­jek­to­ren, op­ti­sche Lin­sen und tech­ni­sche Mess­in­stru­men­te zur Be­ob­ach­tung des Him­mels in Je­na ge­baut wur­den, von der Fir­ma Carl Zeiss. Zeiss, der am 11. Sep­tem­ber 1816 – vor ge­nau 200 Jah­ren – ge­bo­ren wur­de, war ein ge­nia­ler Tüft­ler, der vom Bril­len­glas über das Mi­kro­skop bis zum Fern­rohr die prä­zi­ses­ten Lu­pen bau­te, die weit und so­gar sehr weit ent­fern­te Din­ge ab­bil­den konn­ten. Das ers­te Jena­er Pla­ne­ta­ri­um wur­de nach München ver­kauft und war ab 1925 im Deut­schen Mu­se­um ein­ge­setzt. Im Ge­gen­satz zu Stern­war­ten, die wis­sen­schaft­lich forsch­ten, wa­ren Pla­ne­ta­ri­en zur Un­ter­hal­tung be­stimmt. Man nann­te sie des­halb auch Ster­nen­thea­ter, ei­nem Ki­no ver­gleich­bar. Das Pu­bli­kum ström­te hin­ein, um et­was zu ler­nen, vor al­lem aber, um zu träu­men. Wenn im Groß­pla­ne­ta­ri­um Berlin heut­zu­ta­ge die Ster­ne auf­ge­hen, er­klingt da­zu Film­mu­sik aus Hol­ly­wood. Die Mehr­heit der 100 Pla­ne­ta­ri­en in Deutsch­land ist so an­ge­legt, dass die Bau­ten leicht zu­gäng­lich und gut mit öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln er­reich­bar sind. Das macht sie als Aus­flugs­ziel be­liebt. In Hamburg und Stuttgart be­fin­den sich die Pla­ne­ta­ri­en im Stadt­park. Das Mann­hei­mer Pla­ne­ta­ri­um steht ne­ben dem Lan­des­mu­se­um für Tech­nik und Ar­beit, al­ler­dings erst seit 1984. Der ur­sprüng­li­che Stand­ort des 1927 er­bau­ten, ers­ten Mann­hei­mer Pla­ne­ta­ri­ums war der Lui­sen­park. Statt vor ei­ner Lein­wand sit­zen Pla­ne­ta­ri­ums­be­su­cher un­ter ei­ner Kup­pel wie un­ter ei­nem Re­gen­schirm. In Berlin hat die­ser Him­mel ei­nen Durch­mes­ser von 23 Me­tern, ge­nau­so groß ist bun­des­weit nur noch das neue Jena­er Pla­ne­ta­ri­um. Die Pla­ne­ta­ri­en in Stuttgart und Mann­heim ha­ben ei­ne Spann­wei­te von 20 Me­tern. Die Kup­pel des Ur-Pla­ne­ta­ri­ums von Je­na maß 1923 im­mer­hin 16 Me­ter. Welt­weit gibt es nur zwei Fir­men, die so gro­ße Kup­peln bau­en kön­nen. Die Ki­no­ses­sel grup­pie­ren sich dar­un­ter wie in ei­ner Zir­kus­ma­ne­ge. In der Mit­te steht der Pro­jek­tor. Im Pla­ne­ta­ri­um leuch­ten die Ster­ne auch tags­über, und ob der Him­mel drau­ßen klar oder be­wölkt ist, spielt kei­ne Rol­le. Lang­sam wird die zu­nächst schwar­ze Flä­che von Tau­sen­den Licht­punk­ten über­zo­gen. Ge­üb­te Stern­gu­cker er­ken­nen so­gar den An­dro­me­daNe­bel, die Ga­la­xie, die un­se­rer Milch­stra­ße am nächs­ten liegt. „Pla­ne­ta­ri­en sind ein Fens­ter zum Him­mel“, fin­det Tim Flo­ri­an Horn, der ei­nen La­ser­stift zur Hand ge­nom­men hat, um da­mit Stern­bil­der oder Stern­for­ma­tio­nen zu kenn­zeich­nen, oder dem Zu­schau­er die Pla­ne­ten­bah­nen zu zei­gen. „Als Zwölf­jäh­ri­ger ha­be ich ei­nen Vor­trag über den Pla­ne­ten Nep­tun ge­hal­ten“, er­in­nert sich Horn, der im Pla­ne­ta­ri­um sei­ner Hei­mat­stadt Kiel die Be­geis­te­rung für die Ster­ne auf­schnapp­te. „Auf der Er­de sind wir wie in ei­nem Raum­schiff.“Men­schen lie­ben es, den Him­mel zu be­ob­ach­ten, zu­letzt Mit­te Au­gust, als der Stern­schnup­pen­schwarm der Per­sei­den auf die Er­de nie­der­ging. Er lässt sich mit dem Pla­ne­ta­ri­ums-Pro­jek­te nach­stel­len. Horn: „Man kann so­gar ein­stel­len, wie vie­le Stern­schnup­pen man se­hen will.“Wunsch­ge­mäß!

Das Carl-Zeiss-Pla­ne­ta­ri­um Stuttgart be­fin­det sich im Mitt­le­ren Schloss­gar­ten in Stuttgart. Vom 30. März 2015 bis 22. April 2016 wur­de das Pla­ne­ta­ri­um um­fas­send sa­niert, am 23. April 2016 fand die Wie­der­er­öff­nung statt. Fo­to: pr

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