Lau­ra Sie­ge­mund: Ih­re Lo­cker­heit macht sie stark

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Liebs­cher Lau­ra Sie­ge­mund | Ten­nis­spie­le­rin

Wenn ich mal ei­ne Wo­che zu Hau­se bin, sit­ze ich gern vor dem Fern­se­her und schaue mir an­de­ren Sport an. Am liebs­ten Ball­sport­ar­ten, von Tisch­ten­nis bis Beach­vol­ley­ball. Ich könn­te mich je­den Nach­mit­tag durch die Pro­gram­me zap­pen“, be­kennt Lau­ra Sie­ge­mund. Was die Ten­nis­spie­le­rin na­tür­lich nicht macht. Sie ist zwar viel­sei­tig und da­zu kul­tu­rell in­ter­es­siert, aber auch „ein sehr ehr­gei­zi­ger Mensch.“Dis­zi­pli­niert lebt sie nach Trai­nings­plä­nen und in­ves­tiert Preis­gel­der in Men­schen und Tech­nik, um ihr Spiel zu ver­bes­sern. Es dau­er­te, bis aus dem Ehr­geiz gro­ße Sie­ge und Ti­tel er­wuch­sen. In­zwi­schen ist die 28Jäh­ri­ge zweit­bes­te deut­sche Ten­nis­spie­le­rin und in der Welt­rang­lis­te auf Rang 31 an­ge­kom­men. Das lau­fen­de Jahr be­scher­te ihr die größ­ten Er­fol­ge seit dem Pro­fi-Ein­stieg vor zehn Jah­ren. Sie­ge­mund ge­wann bei den US-Open das Mi­xed, sie er­reich­te bei den Olym­pi­schen Spie­len das Vier­tel­fi­na­le und hol­te im Ju­li den ers­ten Sieg bei ei­nem Tur­nier der höchs­ten Ka­te­go­rie. Nicht zu ver­ges­sen der Auf­tritt beim Stutt­gar­ter Tur­nier im April, als die Lo­kal­ma­ta­do­rin mit er­fri­schen­dem Ten­nis die Öf­fent­lich­keit über­rasch­te und ins Fi­na­le vor­drang. Was ist pas­siert, dass die quir­li­ge Schwä­bin aus Met­zin­gen ra­ke­ten­ar­tig, aber spät­zün­dend durch das Jahr 2016 und die Welt­rang­lis­te feg­te? „Es gibt nicht die ei­ne Sa­che, die sich ver­än­dert hat. Es war ein schlei­chen­der Pro­zess. Man­che Klei­nig­kei­ten wir­ken sich erst nach zwei Jah­ren aus. Ich ha­be ins­ge­samt ei­ne Lo­cker­heit er­reicht, die mich so stark mach­te“, ana­ly­siert die Sport­le­rin. Im Al­ter von zwölf wur­de Lau­ra, die mit ei­ner Schwes­ter und ei­nem Bru­der auf­wuchs, be­reits als neue St­ef­fi Graf ge­s­cou­tet. Im ju­gend­li­chen Al­ter tin­gel­te die Rechts­hän­de­rin durch die Ten­nis­welt. „Ich hat­te gu­te No­ten im Met­zin­ger Gym­na­si­um, wur­de aber von den Mit­schü­lern nicht ak­zep­tiert, son­dern be­äugt und ge­mobbt“. Des­halb wech­sel­te sie aufs Mann­hei­mer Kur­pfalz-Gym­na­si­um, wo Sport­lern ein ei­ge­ner Lern­weg zum Abitur be­rei­tet wur­de. Im Pro­fi-Zir­kus lern­te das Ta­lent dann, sich durch­zu­schla­gen oh­ne Un­ter­stüt­zung von Ten­nis-Bund oder Ab­hän­gig­keit von Spon­so­ren. „Ich ha­be mir selbst viel Druck ge­macht, er­folg­reich zu sein. Aber zu mehr als Rang 200 oder 150 der Welt­rang­lis­te hat es nicht ge­reicht – und man spielt am Exis­tenz­mi­ni­mum. Ir­gend­wann be­schloss ich, nicht mehr un­ter die ers­ten Hun­dert kom­men zu wol­len. Statt­des­sen ha­be ich den Trai­ner­schein und das Psy­cho­lo­gie­stu­di­um an­ge­fan­gen – wur­de aber im­mer bes­ser“, er­zählt der Lo­cken­kopf vom „Er­folgs­ge­heim­nis“. Mit er­staun­li­cher Of­fen­heit spricht die Bun­des­li­ga-Spie­le­rin des TC Rüppurr über ih­re Ge­füh­le in den har­ten Jah­ren („Die wa­ren ei­ne gu­te Schu­le“) und die neu­en Her­aus­for­de­run­gen durch den Er­folg. Dis­kret und doch hu­mor­voll ist ihr Blick auf die Ten­nis­welt, bei­spiels­wei­se mit ei­nem come­dy­haf­ten Spiel vor dem Spiel beim Fin­den ei­nes Mi­xed-Part­ners. Lau­ra Sie­ge­mund ist mit­ten­drin im Sport und hat doch ei­ne sym­pa­thisch un­ab­hän­gi­ge ei­ge­ne Hal­tung be­wahrt. Nicht nur zu Hau­se vorm TV-Schirm.

Die quir­li­ge Schwä­bin Lau­ra Sie­ge­mund hat sich zur zweit­bes­ten deut­schen Ten­nis­spie­le­rin ent­wi­ckelt – nach­dem sie an­de­ren Din­gen den Vor­rang gab und ihr Psy­cho­lo­gie-Stu­di­um ab­schloss. Fo­to: GES/Prang

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