Tipps & The­men

Heinz-Ru­dolf Kun­ze: Songs von Roy Black und Udo Jür­gens

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - adi

Ne­ben den ei­ge­nen Wer­ken ge­hört es bei Mu­si­kern jeg­li­cher Cou­leur und gleich wel­chen Ran­ges zum fes­ten Be­stand­teil ih­rer Kar­rie­re, dass sie ir­gend­wann ein Werk ver­öf­fent­li­chen, bei dem sie aus­schließ­lich Kom­po­si­tio­nen aus frem­der Fe­der in­ter­pre­tie­ren. Le­gen­dä­re Bands wie die Beat­les oder die Sto­nes be­gan­nen ih­re Kar­rie­re mit je­der Men­ge Co­ver­ver­sio­nen. Pop-Iko­nen wie Da­vid Bo­wie („Pin­ups“, 1973) oder jüngst noch Bob Dy­lan („Fal­len An­gels“, 2016) nah­men eben­so gan­ze Al­ben mit Songs auf, die sie be­ein­flusst ha­ben oder die sie schlicht­weg ein­fach nur gut fan­den. Kurz­um: Die Co­ver­ver­si­on ist aus der Po­pu­lär­kul­tur nicht weg­zu­den­ken. Heinz Ru­dolf Kun­ze, der am 30. No­vem­ber sei­nen 60. Ge­burts­tag fei­ert, spiel­te wäh­rend sei­ner 35-jäh­ri­gen Kar­rie­re im­mer wie­der mal mit dem Ge­dan­ken, auch solch ein Al­bum mit Co­ver­ver­sio­nen auf­zu­neh­men. Dem no­to­ri­schen Viel­schrei­ber, der ja nicht nur Songs schreibt, son­dern auch Ge­dich­te, Pro­sa, Thea­ter­tex­te und was ihm noch so in den Sinn kommt, hat sich nun end­lich da­zu ent­schlos­sen auch ein Co­ver-Al­bum mit dem Ti­tel „Meis­ter­wer­ke: Ver­beu­gun­gen“auf­zu­neh­men. Mit dem in Ham­burg an­säs­si­gen Swen Mey­er be­treu­te ein Pro­du­zent die Auf(Deutsch nah­men, der sich durch Ar­bei­ten für das La­bel Grand Ho­tel van Cleef ei­nen Na­men ge­macht und un­ter an­de­rem Al­ben von Tom­te, Kett­car, Ol­li Schulz und Tim Bendz­ko pro­du­ziert hat. Der er­fri­schen­de An­satz von Swen Mey­er hat sich je­den­falls auf die Ar­ran­ge­ments und die pro­duk­ti­ons­tech­nisch-sti­lis­ti­schen An­sät­ze der 14 Co­ver­ver­sio­nen auf „Meis­ter­wer­ke: Ver­beu­gun­gen“po­si­tiv aus­ge­wirkt. Heinz Ru­dolf Kun­ze war es ein be­son­de­res An­lie­gen, mit dem Al­bum ei­ne Art Kalei­do­skop deutsch­spra­chi­ger Pop- und Rock­mu­sik ab­zu­bil­den, bei dem es kei­ne Vor­ur­tei­le oder Ta­bus ge­ben soll­te. Zwi­schen dem äl­tes­ten Ori­gi­nal, Fred­dy Quinns „Jun­ge, komm bald wie­der“von 1962 bis zur jüngs­ten Ad­ap­ti­on, Cas­pers „Hin­ter­land“von 2013, lie­gen mehr als 50 Jah­re. Er­staun­lich, dass die­se Zei­t­rei­se bei Kun­zes gran­dio­sem Un­ter­fan­gen kaum auf­fällt, denn die­se Meis­ter­wer­ke wir­ken bei al­len sti­lis­ti­schen Twists und stimm­li­chen Her­aus­for­de­run­gen, die Kun­ze mit Bra­vour be­wäl­tigt, wie aus ei­nem Guss. Selbst ge­stan­de­ne Kun­ze-Fans dürf­ten von der Aus­wahl über­rascht sein: Statt der üb­li­chen Ver­däch­ti­gen – al­so Kol­le­gen wie Grö­ne­mey­er, Lin­den­berg oder Wes­tern­ha­gen – ste­hen auf der Track­list un­ter an­de­ren Die Ärz­te, Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten und DAF Ame­ri­ka­ni­sche Freund­schaft). „Meis­ter­wer­ke: Ver­beu­gun­gen“ist ein ge­lun­ge­ner Husa­ren­streich, der vor al­lem eins ist: Ei­ne aben­teu­er­li­che und mit­rei­ßen­de Rei­se durch die deut­sche Mu­sik­ge­schich­te, ge­tra­gen von ei­nem ver­dien­ten Sän­ger in ab­so­lu­ter Höchst­form. Und hier die Ti­tel, die Kun­ze für sein Al­bum neu in­ter­pre­tiert hat: „Ganz in weiß“, Roy Black, 1966 (Mil­lio­nen­hit, No. 1 ); „Blu­men aus Eis“, Ka­rat, 1982 (aus „Der blaue Pla­net“); „Jun­ge, komm bald wie­der“, Fred­dy, 1962, (No. 1, Gas­sen­hau­er); „Hin­ter­land“, Cas­per, 2013 (Ti­tel­song des gleich­na­mi­gen Al­bums, Kult­song); „Zum Lai­chen und Ster­ben zie­hen die Lach­se den Fluss hin­auf“, Thees Uhl­mann, 2011 (ab­so­lu­ter Pu­bli­kums­hit); „Der Mus­so­li­ni“, DAF, 1981 (Dance­floor-Klas­si­ker der NDW); „Ich steh auf Ber­lin“, Ide­al, 1980 (NDWund-Groß­stadt-Hym­ne); „Was ich dir sa­gen will“, Udo Jür­gens, 1967 (Stil­ler Hit ei­nes Welt­stars); „Dei­ne Schuld“, Die Ärz­te, 2003; „So lang man Träu­me noch le­ben kann“, Münch­ner Frei­heit, 1987; „Al­les aus Lie­be“, Die To­ten Ho­sen, 1993, (aus dem Al­bum „Kauf mich!“); „Für mich soll’s ro­te Ro­sen reg­nen“, Hil­de­gard Knef, 1968 (Ever­green); „Wenn ein Mensch lebt“, Puh­dys, 1973, (aus dem Film „Die Le­gen­de von Paul und Pau­la“); „Haus der Lü­ge“, Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten, 1989 (In­dus­tri­al Clas­sic)

Fo­to: Jim Ra­ke­te

Herr Kun­ze hat sich zu sei­nem 60. Ge­burts­tag ein Al­bum mit Co­ver-Ver­sio­nen ge­schenkt. Un­ter an­de­rem singt er Lie­der von Roy Black, Hil­de­gard Knef und den Puh­dys.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.