Die Re­gi­on

Ul­rich Schu­mann: Ex­per­te in Sa­chen Wein­bren­ner

Der Sonntag (Mittelbaden) - - ERSTE SEITE - Tho­mas Liebs­cher

Das Kur­haus in Ba­den-Ba­den, Schloss Ro­ten­fels, Rat­haus Karls­ru­he und die ge­gen­über­lie­gen­de evan­ge­li­sche Stadt­kir­che eben­so wie die ge­sam­te Markt­platz­ge­stal­tung sind Schöp­fun­gen des ba­di­schen Ar­chi­tek­ten Fried­rich Wein­bren­ner. Er wur­de vor 250 Jah­ren ge­bo­ren „und nur sel­ten wird das Ge­sicht ei­ner Re­gi­on so sehr von ei­nem Bau­meis­ter ge­prägt wie im Fal­le von Karls­ru­he und Mit­tel­ba­den. Wein­bren­ner sah Stadt und Land als ei­ne Kul­tur­land­schaft und er­fand da­für ei­ne Ar­chi­tek­tur­spra­che“, sagt Ul­rich Schu­mann. Den Bau­his­to­ri­ker be­wegt seit Jahr­zehn­ten, dass der Na­me Wein­bren­ner be­rühmt ist, sein Werk je­doch viel we­ni­ger. Statt­des­sen wer­de leicht­fer­tig mit des­sen gro­ßen Er­be um­ge­gan­gen. Des­halb grün­de­te Schu­mann 2010 die Fried­rich-Wein­bren­ner-Ge­sell­schaft, um Ex­per­ten und Lai­en zu­sam­men­zu­brin­gen. Nicht nur durch Fach­li­te­ra­tur, son­dern mit Füh­run­gen oder Vor­trä­gen soll auf Häu­ser, Kir­chen wie Stadt­pla­nun­gen des Meis­ters oder sei­ner Schü­ler auf­merk­sam ge­macht wer­den. Ge­ra­de hat Schu­mann ei­ne an­ge­nehm kom­pak­te, bild­rei­che Bro­schü­re über Wein­bren­ners Bau­ten in der Tech­no­lo­gie­re­gi­on zu­sam­men­ge­stellt. „Es ist zu be­ob­ach­ten, dass vie­le lo­ka­le His­to­ri­ker oder Lai­en sich für wert­vol­le Ge­bäu­de am Ort ein­set­zen, sol­ches En­ga­ge­ment wol­len wir un­ter­stüt­zen.“Der aus dem Murg­tal stam­men­de Schu­mann hat sich auf sei­nem Le­bens­weg als Wis­sen­schaft­ler na­tür­lich auch an­de­ren The­men ge­wid­met. Da er 1964 in ei­nem Bau von Jo­hann Lud­wig Wein­bren­ner ge­bo­ren wur­de, dem al­ten Kran­ken­haus von Kup­pen­heim, liegt sei­ne Spe­zia­li­sie­rung doch auch ir­gend­wie na­he. Schu­mann mag Schmuck am Kopf – er trägt zwei gol­de­ne Ohr­ste­cker. „Seit ich 16 bin, ge­hört so et­was zu mir“, er­zählt der Sohn ei­nes Ma­schi­nen­bau­tech­ni­kers. Nach Stu­di­en in Hei­del­berg und Bonn hat er in Zürich und Har­vard un­ter­rich­tet, heu­te lehrt er auf eng­lisch Stu­den­ten aus al­ler Welt im Straß­bur­ger Stu­di­en­gang „Eu­ro­päi­sche Kul­tur“. Schu­mann lern­te ne­ben den üb­li­chen Spra­chen auch Tür­kisch, Ara­bisch und Ivrit, das mo­der­ne He­brä­isch. Durch fa­mi­liä­re Ver­bin­dun­gen hält er sich oft in In­di­en auf. Re­gio­na­les und Glo­ba­les be­schäf­tigt sei­nen Geist glei­cher­ma­ßen seit lan­gem. Fast fol­ge­rich­tig, dass er Jahr­zehn­te bei den Grü­nen po­li­tisch ak­tiv war – mit Kreis­vor­sitz in Ras­tatt/Ba­den-Ba­den und 30 Pro­zent Stim­men bei der Bür­ger­meis­ter­wahl in Tutt­lin­gen. Zu Hau­se wid­met sich der Hoch­schul­leh­rer und Pu­bli­zist gern ge­stal­tend sei­nem (Obst-)Gar­ten mit Wald­an­teil. Und weil es wohl nicht nur ru­hig le­send im Hau­se Schu­mann zu­ge­hen kann, ist noch ei­ne al­te, et­was lau­te­re Wo­che­n­end-Lei­den­schaft üb­rig ge­blie­ben: Das Ver­fol­gen von Au­to­ren­nen am Bild­schirm oder live. Nach­fah­ren von Wein­bren­ner und auch das Haus Ba­den sind Mit­glied der Wein­bren­nerGe­sell­schaft. Dass aber die­se ver­ant­wort­lich sei für den neu­er­dings tief-ro­ten An­strich des Karls­ru­her Rat­hau­ses, muss Schu­mann im­mer wie­der de­men­tie­ren. „Wein­bren­ner hat­te für sei­ne Bau­ten ein ge­bro­che­nes Weiß au­ßen vor­ge­se­hen und kräf­ti­ge Farb­tö­ne da­ge­gen im In­ne­ren.“

Fo­to: Ar­tis

Er setzt sich für mehr Be­kannt­heit und Pfle­ge der Bau­ten von Fried­rich Wein­bren­ner ein: Ul­rich Ma­xi­mi­li­an Schu­mann, hier vor der Karls­ru­her Mün­ze, ei­nem Wein­bren­ner-Bau in der Ste­pha­ni­en­stra­ße.

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