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Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Wolf­gang We­ber

Von Mar­dern und Pa­pa­gei­en

Gä­be es ei­ne Hit­lis­te zum The­ma „Tier löst Po­li­zei­ein­satz aus“, wä­re der Mar­der ver­mut­lich auf Platz 1 zu fin­den. Min­des­tens ein­mal pro Wo­che le­sen wir Mel­dun­gen, die im­mer wie­der die glei­che Po­in­te ha­ben. In Ess­lin­gen hör­te ei­ne Rent­ne­rin, wie sich ein „Ein­bre­cher“an ih­rer Ter­ras­sen­tür zu schaf­fen mach­te. Die alar­mier­te Po­li­zei konn­te sie be­ru­hi­gen: Es war nur ein Mar­der. Im hes­si­schen Ört­chen Lud­wig­sau rief ei­ne Frau eben­falls die Po­li­zei, weil sie auf ih­rem Dach­bo­den Schrit­te hör­te. Auch hier ga­ben die Ord­nungs­hü­ter schnell Ent­war­nung: Die „ein­deu­ti­ge Spu­ren­la­ge“wies auf ei­nen Mar­der hin, ge­nau­so wie bei dem ver­meint­li­chen Ein­bruch in Aa­chen, wo be­sorg­te Nach­barn die 110 wähl­ten. Ur­sa­che der Ge­räu­sche war auch hier ein Mar­der. Dass die Po­li­zei zu „Tier-Ein­sät­zen“ge­ru­fen wird, ist kei­nes­wegs un­ge­wöhn­lich. Mal muss ein ent­lau­fe­nes Kän­gu­ru ein­ge­fan­gen, mal ein ver­un­glück­tes Reh aus ei­nem Pool ge­bor­gen wer­den. Zu ei­nem im Nach­hin­ein äu­ßerst ku­rio­sen Ein­satz wur­den Po­li­zis­ten vor kur­zem in Of­fen­burg ge­ru­fen. Dort wa­ren meh­re­re Pas­san­ten beim An­blick ei­nes her­ren­lo­sen, aus­ge­wach­se­nen und tief­schwar­zen Stiers in Sor­ge ge­ra­ten. Die Po­li­zei rück­te schnell an und stell­te dann fest, dass von dem auf ei­nem öf­fent­li­chen Platz ste­hen­den, gut sicht­ba­ren Vier­bei­ner kei­ne Ge­fahr aus­ging. Es han­del­te sich näm­lich le­dig­lich um die le­bens­gro­ße Plas­tik ei­nes Stiers. Wer die Tier­fi­gur dort auf­ge­stellt hat­te, blieb zu­nächst un­klar. Der Stier wur­de vor­sorg­lich in ei­ner La­ger­hal­le zwi­schen­ge­parkt. Spä­ter stell­te sich her­aus, dass Un­be­kann­te die meh­re­re hun­dert Ki­lo schwe­re Plas­tik von ei­nem Pri­vat­grund­stück im Of­fen­bur­ger Orts­teil Ram­mers­wei­er ge­klaut und „um­ge­setzt“hat­ten. Und schließ­lich soll auch je­ne Ge­schich­te nicht un­er­wähnt blei­ben, die vor we­ni­gen Ta­gen im nord­rhein-west­fä­li­schen Kaarst ei­nen Po­li­zei­ein­satz aus­lös­te. Be­sorg­te Nach­barn, die noch nicht lan­ge dort leb­ten, hat­ten we­gen Hil­fe­ru­fen aus ei­ner an­gren­zen­den Woh­nung die Ord­nungs­hü­ter alar­miert. Die her­bei­ge­eil­ten Be­am­ten stie­gen mit Un­ter­stüt­zung der Feu­er­wehr durch ein Fens­ter in die Woh­nung ein – und ent­deck­ten dort nicht et­wa ei­nen Hil­fe­su­chen­den, son­dern ei­nen putz­mun­te­ren, vor sich hin­plap­pern­den Pa­pa­gei. Ob ge­gen den Vo­gel nun we­gen Vor­täu­schung ei­ner Straf­tat er­mit­telt wird, ging aus dem Po­li­zei­be­richt nicht her­vor.

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