Skan­dal in hei­ßer Pha­se

Se­xis­ti­sche Prah­le­rei­en von 2005 ho­len Trump jetzt ein

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Ivan Cou­ron­ne/AFP

In der hei­ßen Pha­se des US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs ha­ben vul­gä­re, frau­en­ver­ach­ten­de Sprü­che aus dem Jahr 2005 den re­pu­bli­ka­ni­schen Kan­di­da­ten Do­nald Trump ein­ge­holt. Der 70-jäh­ri­ge Im­mo­bi­li­en­mo­gul sah sich an­ge­sichts der all­ge­mei­nen Em­pö­rung zu ei­ner Ent­schul­di­gung ge­zwun­gen, die in der Nacht zum gest­ri­gen Sams­tag als Vi­deo­bot­schaft aus­ge­strahlt wur­de. Un­ter sei­nen re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei­freun­den büß­te Trump we­gen des Skan­dals spür­bar an Un­ter­stüt­zung ein. „Wenn Du ein Star bist, dann las­sen sie Dich ran“, prahl­te Trump im Ge­spräch mit ei­nem TV-Mo­de­ra­tor, das 2005 oh­ne sein Wis­sen auf­ge­zeich­net wur­de. „Pack sie an der Mu­schi“, füg­te der da­mals 59-jäh­ri­ge hin­zu. „Du kannst al­les ma­chen.“Trump be­rich­tet in dem drei­mi­nü­ti­gen Vi­deo, er ha­be zu­dem ver­sucht, Sex mit ei­ner ver­hei­ra­te­ten Frau zu ha­ben – was aber ge­schei­tert sei. Das Vi­deo ent­stand we­ni­ge Mo­na­te nach Trumps Hoch­zeit mit Me­la­nia, sei­ner drit­ten Ehe­frau. In dem Vi­deo, das von der „Wa­shing­ton Post“am Frei­tag ver­öf­fent­licht wur­de, sind noch wei­te­re se­xu­ell ag­gres­si­ve Aus­sa­gen auf­ge­zeich­net. Von schö­nen Frau­en wer­de er „ma­gne­tisch“an­ge­zo­gen, sag­te Trump. „Ich fan­ge ein­fach an, sie zu küs­sen.“In der Nacht zu Sams­tag be­müh­te sich der um­strit­te­ne Mil­li­ar­där um Scha­dens­be­gren­zung: „Ich ha­be Din­ge ge­sagt und ge­tan, die ich be­daue­re.“Und: „Je­der der mich kennt, weiß, dass die­se Wor­te nicht wie­der­ge­ben, wer ich bin“, fuhr er fort: „Ich ha­be es ge­sagt, es war falsch, und ich ent­schul­di­ge mich“. Zu­nächst hat­te Trump ver­sucht, sei­ne Äu­ße­run­gen zu re­la­ti­vie­ren. „Das wa­ren Um­klei­de­ka­bi­nen-Wit­ze, ein pri­va­tes Ge­spräch, das vor vie­len Jah­ren statt­fand.“Ex-US-Prä­si­dent Bill Cl­in­ton ha­be zu ihm auf dem Golf­platz einst weit Schlim­me­res ge­sagt. Trump hat­te den Mann von Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin Hil­la­ry Cl­in­ton wie­der­holt we­gen sei­ner frü­he­ren au­ßer­ehe­li­chen Es­ka­pa­den an­ge­grif­fen. Nun sag­te Trump er­neut, Cl­in­ton ha­be Frau­en „miss­braucht“, sei­ne Frau ha­be die­se dann „ein­ge­schüch­tert, an­ge­grif­fen und bla­miert“. In­di­rekt kün­dig­te er an, das The­ma bei der am heu­ti­gen Abend be­vor­ste­hen­den zwei­ten TV-De­bat­te mit Hil­la­ry Cl­in­ton an­zu­spre­chen. Aus Trumps ei­ge­nen La­ger ka­men har­sche Re­ak­tio­nen: Der Prä­si­dent des US-Re­prä­sen- tan­ten­hau­ses, der Re­pu­bli­ka­ner Paul Ryan, sag­te: „Ich bin an­ge­ekelt von dem, was ich heu­te ge­hört ha­be.“Der re­pu­bli­ka­ni­sche Ab­ge­ord­ne­te Ja­son Chaf­fetz aus dem Bun­des­staat Utah sag­te, er kön­ne „die­se Per­son“nicht län­ger „gu­ten Ge­wis­sens“im Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf un­ter­stüt­zen. Das Vi­deo von 2005 sei wie „ein Mes­ser ins Herz von Trump“, sag­te der Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Lar­ry Sa­ba­to von der Uni­ver­si­tät von Vir­gi­nia. Vie­len Wäh­lern Trumps sei­en sol­che Aus­sprü­che „egal“, aber dem Re­pu­bli­ka­ner wer­de es nicht ge­lin­gen, brei­te­re Wäh­ler­schich­ten für sich zu ge­win­nen.

Fo­to: avs

Do­nald Trump mit sei­ner Frau Me­la­nia: Das Fo­to ent­stand im Jahr 2005, als der re­pu­bli­ka­ni­sche Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat „Wit­ze“mach­te, die auch in sei­nem ei­ge­nen La­ger für har­sche Re­ak­tio­nen sor­gen.

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