Die Lu­xus-Cam­per

Auch im Win­ter ist es in den Wohn­mo­bi­len warm und be­quem

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Ka­trin Kö­nig

Es war die Lust, ein­mal auf an­de­re Art zu rei­sen, die Mar­tin Lenz En­de der 80er Jah­re da­zu be­wog, sei­nen VWBus aus­zu­bau­en und ge­mein­sam mit sei­ner Ehe­frau ei­ne Tour an die Cô­te d’Azur zu un­ter­neh­men. Was Lenz da­mals nicht ahn­te: Die­se Rei­se soll­te der Ein­stieg der bei­den in ei­ne Lei­den­schaft sein, die bis heu­te währt, wenn auch un­ter im­mer kom­for­ta­ble­ren Be­din­gun­gen. War dem aus­ge­bau­ten VWBus das Zelt vor­aus­ge­gan­gen, folg­te dar­auf ein Al­co­ven-Wohn­mo­bil. „Heu­te ha­ben wir un­se­re Bet­ten hin­ten im Heck, eben­so Ess­zim­mer, Kü­che, Frisch­was­ser, WC und Du­sche.“Ihr bes­tens aus­ge­stat­te­tes Rei­se­mo­bil be­deu­te schon Lu­xus, denkt Mar­tin Lenz an zu­ge­fro­re­ne Was­ser­lei­tun­gen und Ei­ses­käl­te am frü­hen Mor­gen zu­rück, als der VW-Bus noch als „Fe­ri­en­woh­nung“dien­te. In­zwi­schen ist dem Ehe­paar im­mer warm, auch bei Win­ter­rei­sen ins All­gäu oder in den Schwarz­wald. Wo­bei Lenz al­les, was nörd­lich von Karlsruhe liegt, „viel zu kalt ist“: Lie­ber fah­re er gen Sü­den, nach Spa­ni­en oder Ita­li­en et­wa, wo das Paar mit Gleich­ge­sinn­ten ei­ni­ge Win­ter­mo­na­te zu ver­brin­gen pflegt. Die­se Wohn­mo­bil-Rei­sen von Men­schen aus der Re­gi­on, die ein­an­der freund­schaft­lich ver­bun­den sind, ha­ben ei­nen ge­mein­sa­men Nen­ner: 1992 grün­de­te Wer­ner Ka­ri­us aus Ras­tatt den Rei­se­mo­bil-Club Mit­tel­ba­den, ein Jahr spä­ter wur­de auch das Ehe­paar Lenz Mit­glied. Am ers­ten Frei­tag im Mo­nat fin­den wech­sel­wei­se in Hü­gels­heim und in Bi­be­rach Stamm­ti­sche statt, die vor­ran­gig dem Aus­tausch et­wa über Rei­sen, Wohn­sie mo­bi­le und Stell­plät­ze die­nen. „Der Vor­sit­zen­de in­for­miert auch über Ak­tio­nen an­de­rer Clubs. Wir fei­ern bun­des­weit im­mer mal wie­der ge­mein­sa­me Fes­te mit Mu­sik und Tanz.“Im An­schluss an den Stamm­tisch wird am Stell­platz über­nach­tet, „am Fol­ge­tag steht je­weils ei­ne Aus­fahrt auf dem Pro­gramm“. Zie­le sind reiz­vol­le Or­te im Um­kreis von bis zu 200 Ki­lo­me­tern, die Mit­glie­der im Vor­feld aus­ge­wählt ha­ben; auch Be­sich­ti­gun­gen et­wa von Schlös­sern oder Mu­se­en ge­hö­ren da­zu. Ins­ge­samt sind 44 „Rei­se­mo­bil-Fa­mi­li­en“Club­mit­glie­der, zu den Tref­fen rei­sen al­ler­dings meist nur um die 15 Wohn­mo­bi­le an – ir­gend­je­mand be­fin­det sich im­mer ge­ra­de auf Tour. Zu­mal der Al­ters­durch­schnitt „54 plus“sei, wie Lenz nicht oh­ne Be­dau­ern fest­stellt, al­so vor­ran­gig Rent­ner oh­ne be­ruf­li­che Ver­pflich­tun­gen zum Club zäh­len. „Heu­te sieht man kaum noch 40-Jäh­ri­ge, die mit dem Wohn­mo­bil un­ter­wegs sind. Bei den Se­nio­ren hin­ge­gen herrscht ein rich­ti­ger Boom. Die Her­stel­ler ge­hen von ei­ner wei­ter­hin stei­gen­den Ten­denz aus, die noch et­wa zwei Jah­re an­dau­ern dürf­te.“Was aber macht den Reiz des Wohn­mo­bilRei­sens aus? In ers­ter Li­nie, be­fin­det Lenz, sei es die Frei­heit, auch spon­tan ein Rei­se­ziel aus­su­chen zu kön­nen und dann vor Ort zu ent­schei­den, wie lan­ge man blei­ben wol- le. „Gefällt uns ein Stell­platz nicht, fah­ren wir ein­fach wei­ter. Wir sind nicht an ein Ho­tel oder an ei­ne Fe­ri­en­woh­nung ge­bun­den.“Auf die In­fra­struk­tur von Cam­ping­plät­zen sei ein Wohn­mo­bil­fah­rer nicht an­ge­wie­sen, und schö­ne Stell­plät­ze ge­be es im­mer mehr: Die In­fos da­zu hat Lenz dank ei­nes „Bord­at­las“stets im Wohn­mo­bil. „Wir Club­mit­glie­der tau­schen uns zu­dem über die reiz­volls­ten Or­te aus und be­rich­ten in un­se­rem Ma­ga­zin dar­über, wel­ches al­le drei Mo­na­te er­scheint.“Die­ses sei auch über die Home­page ab­ruf­bar. „So­eben er­hielt ich ei­ne Whats­App von ei­nem Be­kann­ten, der auf Sar­di­ni­en weilt und ei­nen tol­len Stell­platz aus­fin­dig ge­macht hat. Da wer­den wir si­cher auch ir­gend­wann über­nach­ten.“Die Zu­nah­me der aus­ge­wie­se­nen Stell­plät­ze ist laut Lenz nicht zu­letzt den zahl­rei­chen deut­schen Rei­se­mo­bil-Clubs zu ver­dan­ken. „Auch wir be­mü­hen uns dar­um und ko­ope­rie­ren bei ent­spre­chen­den Pro­jek­ten mit Dör­fern und Städ­ten.“Der heu­te über­aus er­folg­rei­che Stell­platz in Ober­kirch sei zum Bei­spiel aus ei­ner Initia­ti­ve des Clubs her­vor­ge­gan­gen. „Wir wis­sen schließ­lich am bes­ten, was die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen gu­ten Platz sind.“In Kurz­form sind dies: Ei­ne schö­ne La­ge („et­was fürs Au­ge“), ein fes­ter Un­ter­grund, ei­ne Ent­sor­gungs­sta­ti­on für Grau­was­ser und WC so­wie ein Frisch­was­ser-An­schluss. „Ein Mit­glied von uns war Bau­zeich­ner, der hilft den Kom­mu­nen, wenn es um ei­ne neue An­la­ge geht.“Für die Ge­mein­den brin­gen die Stell­plät­ze sei­ner An­sicht nach vie­le Vor­tei­le, kur­beln doch den Tou­ris­mus zu­sätz­lich an. „Nach Ober­kirch kom­men um die 10 000 Fahr­zeu­ge pro Jahr. Die­se Gäs­te kau­fen vor Ort ein, ge­hen in Re­stau­rants, brin­gen ei­nen spür­ba­ren Zu­satz­um­satz.“Es han­de­le sich um ei­nen rich­ti­gen „Wirt­schafts­zweig“, der sich ge­ra­de in so wun­der­ba­ren Land­schaf­ten wie dem Schwarz­wald an­bie­te, be­fin­det Lenz. „Mei­ne Frau und ich sind in Ba­den-Ba­den an­säs­sig und rei­sen häu­fig in­ner­halb der Re­gi­on. Da wird uns erst rich­tig be­wusst, in was für ei­ner schö­nen Ge­gend wir le­ben.“Na­tür­lich hat er auch schon häss­li­che Stell­plät­ze er­lebt, ge­ra­de auf Fern­rei­sen. „Heu­te weiß ich je­den­falls, was ich ma­che, wenn ich spät abends an ei­nen Ort oh­ne Stell­platz kom­me und zu mü­de zum Wei­ter­fah­ren bin“, sagt er ver­schmitzt. „Das klingt ein we­nig ma­ka­ber, aber wir su­chen in sol­chen Fäl­len ei­nen Fried­hof­spark­platz. Dort ist es im­mer ru­hig – und fri­sches Was­ser gibt es auch.“

„Al­ter der Mit­glie­der liegt bei 54 plus“

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