Ba­by­boom bei den Erd­männ­chen

Kin­der und Er­wach­se­ne mö­gen die Tie­re, weil sie so ge­witzt aus­se­hen

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Knapp zwei Mo­na­te alt sind die bei­den Erd­männ­chen im Zoo von Syd­ney (Aus­tra­li­en). Sie ha­ben noch kei­ne Na­men, denn die Tier­pfle­ger kön­nen vor­läu­fig nicht ein­deu­tig sa­gen, ob es Männ­chen oder Weib­chen sind. Das stellt sich her­aus, wenn die Ge­schwis­ter äl­ter sind. Kei­nen Nach­wuchs, da­für ein ganz neu­es Ge­he­ge, ha­ben die Erd­männ­chen im Karls­ru­her Zoo be­kom­men. Zwei Brü­der aus dem Hei­del­ber­ger Zoo und ein Erd­männ­chen-Mäd­chen aus Dort­mund sind in Karlsruhe hei­misch – und bei den Be­su­chern sehr be­liebt. Kin­der und Er­wach­se­ne mö­gen die Erd­männ­chen so ger­ne, weil sie ge­witzt aus­se­hen und lus­ti­ge Po­sen drauf ha­ben. Wenn die Tie­re nicht ge­schäf­tig über den Bo­den wu­seln, stel­len sie sich auf die Hin­ter­bei­ne und le­gen die Vor­der­pfo­ten zu­sam­men. Die­ses „Männ­chen ma­chen“sieht rich­tig mensch­lich aus und brach­te ih­nen ih­ren Na­men ein. Den gu­ten Ruf der Erd­männ­chen be­grün­de­ten auch ih­re pro­mi­nen­ten Ver­tre­ter „Ta­fi­ti“aus der gleich­na­mi­gen Kin­der­buch­rei­he und „Ti­mon“aus dem Dis­ney-Klas­si­ker „Der Kö­nig der Lö­wen“, der mit dem flot­ten Lied „Haku­na Ma­ta­ta“dem Lö­wen Sim­ba die Sor­gen nimmt. Das ken­nen al­le. Die El­tern der Erd­männ­chen von Syd­ney hei­ßen Nairobi und Ma­pu­to. Das sind afri­ka­ni­sche Städ­te, Nairobi heißt die Haupt­stadt Ke­ni­as, Ma­pu­to ist es in Mo­sam­bik. Die Erd­männ­chen er­in­nern Zoo­be­su­cher so da­ran, dass sie in der Na­tur in Afri­ka vor­kom­men, und dort vor al­lem in Halb­wüs­ten oder in der Sa­van­ne, ei­ner Grasstep­pe. Bis zu 30 Tie­re le­ben als Groß­fa­mi­lie zu­sam­men, und trotz der Hit­ze tags­über sind sie drau­ßen un­ter­wegs, statt in ih­ren Bau ab­zu­tau­chen. Erd­männ­chen lie­ben Wär­me und Son­nen­ba­den. Au­ßer, wenn Ge­fahr droht, zum Bei­spiel, wenn ein Gei­er sei­ne Krei­se zieht. Gei­er fres­sen Erd­männ­chen. Des­halb stel­len die sich auf die Hin­ter­bei­ne und be­ob­ach­ten den Him­mel, auch von Hü­geln oder Fels­vor­sprün­gen aus, wo sie die Um­ge­bung gut über­bli­cken. Ist ein Feind im An­flug, warnt min­des­tens ein Erd­männ­chen die an­de­ren durch ei­nen spit­zen Schrei – und al­le hau­en ab. Ih­ren Spei­se­plan fül­len die Tie­re mit Schne­cken, Ei­dech­sen oder In­sek­ten. So­gar Skor­pio­ne schme­cken ih­nen, und an­ders als dem Men­schen macht ih­nen das Gift in sei­nen St­a­chel nichts aus. Erd­männ­chen ja­gen nur vor der ei­ge­nen Haus­tür. Pas­siert es, dass sie zu we­nig Fut­ter fin­den, zie­hen sie mit der Fa­mi­lie um und gr­a­ben sich neue Höh­len und Tun­nel. Was er­wach­se­ne Men­schen bei sich selbst furcht­bar häss­lich fin­den, gefällt ih­nen am Ge­sichts­aus­druck der Erd­männ­chen to­tal gut: die Au­gen­rin­ge! Die Au­gen der Tie­re sind dun­kel um­ran­det, da­mit sie bei grel­lem Son­nen­licht bes­ser ge­schützt sind, wie von ei­ner ein­ge­bau­ten Son­nen­bril­le. In Afri­ka steht die Son­ne das gan­ze Jahr über fast senk­recht am Him­mel, weil dort der Äqua­tor so nah ist. Erd­männ­chen-Weib­chen kön­nen bis zu drei­mal pro Jahr Jun­ge be­kom­men. Die gan­ze Fa­mi­lie hilft bei der Auf­zucht der Ba­bies mit. Je­des Erd­männ­chen ist von An­fang an ein gu­ter Netz­wer­ker. Ihr Nach­wuchs kommt blind und mit ge­schlos­se­nen Oh­ren zur Welt. Nach zwei Wo­chen öff­net sich bei­des. Dass Erd­männ­chen

Ei­gent­lich le­ben sie in der afri­ka­ni­schen Wüs­te Bei Ge­fahr sto­ßen sie ei­nen spit­zen Schrei aus

ih­re Oh­ren ein­klap­pen und ver­schlie­ßen kön­nen, um ihr gu­tes Ge­hör et­wa bei ei­nem Sand­sturm zu schüt­zen, bleibt ih­nen ihr Le­ben lang er­hal­ten. Es ist auch beim Höh­len­bud­deln prak­tisch! Erd­männ­chen wer­den bis zu zwölf Jah­re alt und sind aus­ge­wach­sen un­ge­fähr so lang wie der Un­ter­arm ei­nes Men­schen. Nach der flau­schi­gen Groß­fa­mi­lie im Zoo soll­te man trotz­dem nicht die Hand aus­stre­cken, sie kann kräf­tig zu­bei­ßen.

Fo­to: avs / Zoo Karlsruhe

Sie­ben Jah­re hat der Zoo in Syd­ney (Aus­tra­li­en) auf Nach­wuchs bei den süd­afri­ka­ni­schen Erd­männ­chen ge­war­tet – in die­sem Jahr hat es ge­klappt! Mut­ter Nairobi und Va­ter Ma­pu­to ha­ben zum zwei­ten Mal in die­sem Jahr zwei Ba­bys be­kom­men. Der ers­te Wurf ge­lang im Ja­nu­ar – nun der zwei­te im Au­gust (lin­kes Fo­to). Auch im Karls­ru­her Zoo gibt es Erd­männ­chen. Rechts se­hen wir ei­nes der drol­li­gen Tie­re.

Il­lus­tra­ti­on: Ju­lia Gins­bach © Loewe Ver­lag

Ein Erd­männ­chen und sein Freund, das Pin­sel­ohr­schwein, er­le­ben in der er­folg­rei­chen Loewe-Kin­der­buch­rei­he „Ta­fi­ti“zahl­rei­che Aben­teu­er.

Fo­to: Nor­bert Po­tens­ky

Auch im Tier­gar­ten Schön­brunn, dem Wie­ner Zoo, gab es vor ei­ni­ger Zeit Nach­wuchs bei den Erd­männ­chen. Hier spie­len zwei der Neu­ge­bo­re­nen mit ih­rer Mut­ter.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.