Für toll­küh­ne Was­ser­rat­ten

Swim Trek­ker le­gen bis zu acht Ki­lo­me­ter im of­fe­nen Meer zu­rück

Der Sonntag (Mittelbaden) - - REISE & URLAUB - Chris­ti­an Haas

Neo­pren­an­zug, Schwimm­bril­le und Ba­de­kap­pe – mehr braucht es nicht, um bei Frei­was­ser-Schwimm­rei­sen, so­ge­nann­ten Swim Treks, mit­zu­ma­chen. Gut, ei­ne so­li­de Kon­di­ti­on so­wie den Mut und Wil­len, täg­lich meh­re­re Ki­lo­me­ter im of­fe­nen Meer zu schwim­men, ge­hö­ren auch da­zu. Und wer sich nicht in­di­vi­du­ell auf Was­ser­wan­der­schaft be­ge­ben will, der braucht ei­nen Ver­an­stal­ter, der sich um Or­ga­ni­sa­ti­on und Be­treu­ung küm­mert. Da­von gibt es nur sehr we­ni­ge. Ei­ner heißt „Strel Swim­ming Ad­ven­tures“rund um den „Big Ri­ver Man“Mar­tin Strel, der durch sei­ne Schwimm­durch­que­run­gen von Mis­sis­sip­pi, Jang­tse und Ama­zo­nas be­kannt­wur­de. An­de­re sind der auf Grie­chen­land spe­zia­li­sier­te An­bie­ter „The Big Blue“so­wie die neu­see­län­di­schen „Re­al Swim Ad­ven­tures“. Als „Er­fin­der“und welt­weit füh­ren­der An­bie­ter ver­an­stal­tet das bri­ti­sche Un­ter­neh­men Swim-Trek-Grup­pen­tou­ren an der bal­ti­schen Ost­see, rund um die bri­ti­schen Jung­fern­in­seln, in oma­ni­schen Fjor­den, an der dal­ma­ti­ni­schen Küs­te und vie­le mehr. Ins­ge­samt ste­hen bei Swim Trek, im Jahr 2000 von dem pas­sio­nier­ten Langstre­cken­schwim­mer Si­mon Mu­rie ge­grün­det, rund 35 in­ter­na­tio­na­le, über­wie­gend eu­ro­päi­sche Zie­le im Pro­gramm. Ne­ben ein­wö­chi­gen Tou­ren wer­den auch Wo­chen­end­tou­ren durch Se­en und Flüs­se (auch deut­sche, Schwei­zer und slo­we­ni­sche Se­en ge­hö­ren manch­mal da­zu) so­wie Spe­zi­al­tou­ren, et­wa durch die eis­kal­te San Fran­cis­co Bay zum Ge­fäng­nis Al­ca­traz, an­ge­bo­ten. Der Fo­kus liegt je­doch auf Mehr­ta­ges­tou­ren. Dann wird tags­über ei­ne bis zu acht Ki­lo­me­ter lan­ge Etap­pe ge­schwom­men (was 320 Schwimm­bad-Bah­nen ent­spricht), abends in mit­un­ter wech­seln­den Un­ter­künf­ten über­nach­tet und die rest­li­che (Frei-)Zeit an- der­wei­tig ver­bracht. Das Schwim­men steht je­doch im Vor­der­grund und ist das ver­bin­den­de Ele­ment bei den fünf bis zehn Teil­neh­mern. Kurz: Swim Trek­king ist ei­ne neue Art Grup­pen­ak­tiv­ur­laub, frei nach der De­vi­se: „Nichts ist bes­ser, als aus ei­ge­ner Kraft an Or­te zu ge­lan­gen.“Denn Fäh­ren sei­en et­was für Weich­ei­er. Die­ser Auf­for­de­rung kom­men pro Jahr meh­re­re tau­send Was­ser­rat­ten nach. Bei­lei­be kei­ne Pro­fi­schwim­mer, schließ­lich geht es nicht um Leis­tung oder be­stimm­te Zei­ten, son­dern um das Er­le­ben an sich und das be­glü­cken­de Ge­fühl ei­nes men­ta­len Zu­stands völ­li­ger Ver­tie­fung, den Flow. Der Vor­teil ei­ner Ver­an­stal­ter­rei­se: Dort küm­mert man sich um pas­sen­de Rou­ten von land­schaft­li­cher Schön­heit und ab­seits des Schiffs­ver­kehrs, holt ge­ge­be­nen­falls Er­laub­nis­se bei den Be­hör­den ein (wie beim Durch­schwim­men der tür­ki­schen Dar­da­nel­len), stellt ein Be­gleit­boot samt Ret­tungs­schwim­mer, die die Teil­neh­mer im Was­ser mit iso­to­ni­schen Ge­trän­ken und Nah­rungs­mit­teln ver­sor­gen. Au­ßer­dem er­ken­nen sie Wet­te­rän­de­run­gen, Ge­fah­ren im Was­ser wie Strö­mun­gen etc. so­wie je­des An­zei­chen von kör­per­li­cher Schwä­che. Wer hin­ge­gen vor kör­per­li­cher Stär­ke nur so strotzt, der soll­te sich even­tu­ell beim Sea­t­rek­king an­mel­den. Da­bei wird ei­ne Rou­te durch Schnor­cheln und Ap­noe­tau­chen über meh­re­re Ta­ges­dis­tan­zen be­wäl­tigt. Un­ter­wegs mit ei­nem was­ser­dich­ten und schwimm­fä­hi­gen Ruck­sack rei­sen die Sea Trek­ker ent­lang der Küs­te, er­for­schen und ent­de­cken die Na­tur – so­wohl über als auch un­term Was­ser. Über­nach­tet wird mit dem ei­gens trans­por­tier­ten Ma­te­ri­al an Land, di­rekt an der Küs­te un­ter frei­em Him­mel. Der deut­sche An­bie­ter Áe­tem or­ga­ni­siert ent­spre­chen­de Kur­se und Trails et­wa ent­lang der In­seln El­ba und Cres.

Aus ei­ge­ner Kraft zu neu­en Or­ten

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