Hol­ger Sch­mitt: Mo­to­ball-Le­gen­de und Bun­des­trai­ner

Hol­ger Sch­mitt | Mo­to­ball-Le­gen­de und Bun­des­trai­ner

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Tho­mas Liebs­cher

Mehr als 1 000 To­re hat Hol­ger Sch­mitt ge­schos­sen. Sechs Mal war er Deut­scher Meis­ter in sei­ner 20-jäh­ri­gen Kar­rie­re und zwei Mal Eu­ro­pa­meis­ter. Mit dem Ball am Fuß kurvt der Kup­pen­hei­mer oft er­staun­lich leicht durch die Ab­wehr­rei­hen. Wenn Sie sich jetzt fra­gen, war­um ist mir die­ser Fuß­bal­ler un­be­kannt, dann liegt es dar­an, dass sie die „geils­te Sport­art der Welt“, so Hol­ger Sch­mitt, nicht ken­nen. Al­so Fuß­ball auf dem Mo­tor­rad, ge­nannt Mo­to­ball. Da­hin­ter steckt ein fas­zi­nie­ren­des, lau­tes Spek­ta­kel: die laut Ei­gen­wer­bung schnells­te Mann­schafts­sport­art der Welt. Sie hat in un­se­rer Re­gi­on gro­ße Tra­di­ti­on und vie­le An­hän­ger. Der deut­sche Meis­ter kommt fast im­mer aus den Krei­sen Karls­ru­he oder Ras­tatt. Beim Mo­to­ball trei­ben vier Spie­ler auf ih­ren Ma­schi­nen mit 250 Ku­bik­zen­ti­me­ter Hu­b­raum ei­nen 1 000 Gramm schwe­ren Ball über den Sport­platz und ver­su­chen, den durch ei­nen im Sperr­kreis ge­schütz­ten Tor­wart, der kein Mo­tor­rad hat, zu über­win­den. Leicht „um­ge­bau­te“Wan­der­schu­he die­nen als Stie­fel. „Da kom­men ein­fach vie­le Lei­den­schaf­ten zu­sam­men, für Fuß­ball, für Fahr­zeu­ge, Tem­po und für die sport­li­che Aus­ein­an­der­set­zung“, be­grün­det der 38-jäh­ri­ge Sch­mitt sei­ne Treue zur Rand­sport­art seit Kin­der­zei­ten. „Ich bin ja auf dem ,Pu­ma‘ auf­ge­wach­sen und saß schon als Elf­jäh­ri­ger auf ei­ner Ma­schi­ne mit 80 Ku­bik“. Beim Mo­tor­sport­club „Pu­ma“Kup­pen­heim jag­ten be­reits die äl­te­ren Ge­schwis­ter dem gro­ßen Ball hin­ter­her und Bru­der Frank ist heu­te Trai­ner. Am nächs­ten Sams­tag um 17 Uhr wol­len die Sch­mitts und Pu­mas mal wie­der den deut­schen Ti­tel nach Kup­pen­heim ho­len. Im Mo­to­ball-End­spiel tref­fen sie im hei­mi­schen Sta­di­on mit As­phalt­pis­te auf Ti­tel­ver­tei­di­ger Ub­stadt-Wei­her. Über 3 000 Zu­schau­er wer­den er­war­tet. Für Hol­ger Sch­mitt ist es das letz­te gro­ße Wett­kampf­spiel. Er steigt von sei­nem spa­ni­schen Mo­tor­rad der Mar­ke GasGas, das nicht für den Stra­ßen­ver­kehr zu­ge­las­sen ist. „Seit die­sem Jahr bin ich Bun­des­trai­ner, zu­sam­men mit ei­nem Kol­le­gen. Die Na­tio­nal­mann­schaft wur­de zu­letzt Vi­ze-Eu­ro­pa­meis­ter und auf sie will ich mich kon­zen­trie­ren“, meint Sch­mitt. Der Mau­rer mit Ar­beits­be­ginn täg­lich um fünf Uhr freut sich auf ein we­nig mehr Zeit mit der gro­ßen Fa­mi­lie. Aber in der Not will er sei­nem Pu­ma im­mer aus­hel­fen. Und Schieds­rich­ter in sei­nem Sport ist er auch noch. Was aber steckt als „Ge­heim­nis“hin­ter der Mo­to­ball-Le­gen­de? Die Kunst der Ball­füh­rung und das Ge­fühl für den rich­ti­gen Zeit­punkt zum ge­nau­en Pass oder Schuss? Hol­ger Sch­mitt, der sym­pa­thi­sche, gern Aus­kunft ge­ben­de Po­wer­mann, bleibt be­schei­den: „Klar braucht man Ehr­geiz, Fleiß und Spaß. Aber vor al­lem spie­le ich bei ei­nem Top-Ver­ein“.

Er lebt für ei­nen Sport, der zu un­se­rer Re­gi­on ge­hört: Hol­ger Sch­mitt ist ein her­aus­ra­gen­der Mo­to­bal­ler und spielt „Fuß­ball“auf dem Mo­tor­rad. Nächs­ten Sams­tag steht er mit Kup­pen­heim wie­der im Fi­na­le. Fo­to: pr

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