Un­bän­di­ger Kampf­geist

Van Mei­er (17) vom ASV Ur­lof­fen / Das gro­ße Ziel heißt To­kio 2020

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ha­rald Lin­der

Mit 14 Jah­ren stand er erst­mals für den ASV Ur­lof­fen in der Zwei­ten Rin­ger-Bun­des­li­ga auf der Mat­te und war da­mit ei­ner der jüngs­ten Ak­teu­re, die um Bun­des­li­ga­punk­te kämpf­ten. Mitt­ler­wei­le ist Van Cl­ovel­le Mei­er (Mut­ter Phil­ip­pi­nin, Va­ter Deut­scher) 17 – und ge­hört fast schon zu den Rou­ti­niers beim Zweit­li­gis­ten, bei dem er we­gen sei­nes spek­ta­ku­lä­ren Kampf­stils ein ech­ter Pu­bli­kums­lieb­ling ist. Auch wenn sein Trai­ner Micha­el Schnei­der des­we­gen manch­mal graue Haa­re be­kommt. Zum Bei­spiel, wenn sein Schütz­ling mal wie­der ei­ne sat­te Füh­rung ver­spielt hat, am En­de aber dann doch als Sie­ger von der Mat­te geht.

Be­weg­lich auf der Mat­te „wie ei­ne Kat­ze“

Den­noch: Schnei­der hält Van Mei­er „für ei­nes der größ­ten Ta­len­te, das wir in Deutsch­land ha­ben“. Er traut dem jun­gen Mann noch ei­ne gan­ze Men­ge zu. „Van ist wie ei­ne Kat­ze“, meint Schnei­der und sieht in der Be­weg­lich­keit des 17-Jäh­ri­gen ei­ne der gro­ßen Stär­ken, die den Nach­wuchs­rin­ger des ASV Ur­lof­fen „ne­ben sei­ner Ath­le­tik“aus­zeich­nen. Van Mei­er kam über sei­nen Va­ter zum Rin­gen. Schon als zehn­jäh­ri­ger Knirps balg­te er beim ASV Ren­chen auf der Rin­ger­mat­te und wuchs da­nach im­mer mehr in sei­nen Sport hin­ein. 2012 wech­sel­te er der bes­se­ren Per­spek­ti­ven we­gen zum Zweit­li­gis­ten nach Ur­lof­fen. Beim ASV kämpf­te er zu­nächst im Frei­stil. Als 13-Jäh­ri­ger wur­de er Drit­ter bei den deut­schen Ju­gend­meis­ter­schaf­ten. Mitt­ler­wei­le hat Van Mei­er die Stil­art ge­wech­selt und fei­ert im grie­chisch-rö­misch Stil Er­fol­ge. So wur­de er bei den na­tio­na­len Ti­tel­kämp­fen der Ju­nio­ren in Rem­s­eck Drit­ter – und vom Lan­des­trai­ner des Süd­ba­di­schen Rin­ger­ver­ban­des auf­grund sei­ner dort und bei den nach­fol­gen­den Lehr­gän­gen ge­zeig­ten Leis­tun­gen für die deut­schen Meis­ter­schaf­ten der Män­ner in Saarbrücken no­mi­niert. Bei die­ser Ge­le­gen­heit be­ein­druck­te der jun­ge Rin­ger aus der ASV-Ta­l­ent­schmie­de, der in der Män­ner­klas­se sei­ne ers­ten Kämp­fe be­stritt, ein­mal mehr durch sei­nen un­bän­di­gen Kampf­geist. Am En­de wur­de der jüngs­te Teil­neh­mer in der stark be­setz­ten Klas­se bis 66 Ki­lo her­vor­ra­gen­der Fünf­ter. Van Mei­ers sport­li­ches Ziel ist klar: „Bei den Olym­pi­schen Spie­len 2020 in To­kio will ich da­bei sein“, sagt er und sein Trai­ner zuckt et­was zu­sam­men, als der 17-Jäh­ri­ge hin­zu­fügt, dass er dort dann „Olym­pia­sie­ger wer­den“ will. Es ist ein wei­ter Weg, das weiß Van Mei­er. „Aber“, sagt er, „man muss sich ho­he Zie­le ste­cken, wenn man et­was er­rei­chen will.“Nah­ziel ist aber die Ju­nio­ren-EM im Ju­ni 2017 in Dort­mund. Um sich da­für zu qua­li­fi­zie­ren, muss er im März nächs­ten Jah­res den Ti­tel bei den deut­schen Ju­nio­ren-Meis­ter­schaf­ten in Frank­furt (Oder) ho­len. Sein Trai­ner traut ihm das zu, schließ­lich sei Van Mei­er nicht nur ta­len­tiert, son­dern auch enorm trai­nings­flei­ßig. Vier­mal in der Wo­che steht er auf der Mat­te, da­zu kommt re­gel­mä­ßi­ges Kraft­trai­ning. Be­ruf­lich hat er in die­sem Jahr ei­ne Aus­bil­dung als Hei­l­er­zie­hungs­pfle­ger be­gon­nen und ver­sucht jetzt, Aus­bil­dung und Leis­tungs­sport un­ter ei­nen Hut zu brin­gen. Al­ler­dings gab es für Van Mei­er vor kur­zem ei­nen klei­nen Dämp­fer. Bei der 9:15-Nie­der­la­ge des ASV im Süd­ba­den-Der­by der Zwei­ten Bun­des­li­ga bei der RKG Frei­burg riss er sich in Füh­rung lie­gend in sei­nem Kampf ge­gen Ivan Drob­ny das Syn­des­mo­se­band und ver­lor da­nach nicht nur, son­dern wird sei­ner Mann­schaft auch ei­ni­ge Wo­chen feh­len. So muss der An­hang des ASV Ur­lof­fen nun war­ten, bis der 17-Jäh­ri­ge wie­der auf der Mat­te steht und die Sport­art be­trei­ben kann, die ihm auch des­halb viel Spaß macht, „weil sie so viel­sei­tig ist. Man braucht nicht nur Kraft, auch Tech­nik und Re­ak­ti­ons­ver­mö­gen“, schwärmt Van Mei­er vom Rin­gen und der „Su­per­stim­mung bei un­se­ren Kämp­fen in der Hal­le“. Für die ist Van Mei­er zur­zeit zwar nur als an­feu­ern­der Tri­bü­nen­gast zu­stän­dig, aber er hofft, bald wie­der selbst auf der Mat­te für Stim­mung zu sor­gen – wenn er sei­nen Fans mal wie­der ein spek­ta­ku­lä­res Er­leb­nis in grie­chisch-rö­misch be­schert.

Grie­chisch-rö­misch auf spek­ta­ku­lä­re Art: Wenn Pu­bli­kums­lieb­ling Van Mei­er (rechts) für den Zweit­li­gis­ten ASV Ur­lof­fen auf die Rin­ger-Mat­te geht, bebt die Hal­le. Zur­zeit fehlt er aber ver­let­zungs­be­dingt. Fo­to: Joz­sef Bor­si

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