„In­ter­net-Van­da­lis­mus“

Twit­ter, Pay­Pal, Net­flix, Spo­ti­fy: On­li­ne-An­grif­fe le­gen Web­diens­te lahm

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Avs

Wer am Frei­tag ei­nen Film bei Net­flix an­se­hen oder Twit­ter mit­le­sen woll­te, guck­te zum Teil über St­un­den in die Röh­re. Ei­ne On­li­ne-Atta­cke hat zum Teil bis in den gest­ri­gen Sams­tag hin­ein be­kann­te Web­diens­te lahm­ge­legt. Das Be­son­de­re: Da­hin­ter steck­ten vie­le ver­netz­te Haus­ge­rä­te. Twit­ter, Pay­Pal, Spo­ti­fy: Die Atta­cken ka­men in meh­re­ren Wel­len, die Ur­he­ber blie­ben un­klar. Es han­del­te sich um so­ge­nann­te DDOSAn­grif­fe, bei de­nen Web­sei­ten mit sinn­lo­sen An­fra­gen über­flu­tet wer­den, bis sie in die Knie ge­hen. Die Atta­cken sei­en von Dut­zen­den Mil­lio­nen IP-Adres­sen aus­ge­gan­gen, er­klär­te der Web-Di­enst­leis­ter Dyn. Da­für sei­en auch ver­netz­te Ge­rä­te wie Dru­cker oder Haus­tech­nik miss­braucht wor­den. Eben­falls nicht er­reich­bar wa­ren zeit­wei­se die Web­sites der „New York Ti­mes“und des „Wall Street Jour­nal“, des Woh­nungs­ver­mitt­lers AirB­nB und der On­li­ne-Com­mu­ni­ty Red­dit so­wie So­den nys Play­sta­ti­on-Netz­werk. Die Atta­cken rich­te­ten sich un­ter an­de­rem ge­gen die so­ge­nann­te DNS-In­fra­struk­tur, die da­für sorgt, dass Web­sites über das Ein­tip­pen von We­b­adres­sen zu er­rei­chen sind. Da­für wer­den die Na­men mit hin­ter­leg­ten IP-Adres­sen in Zah­len­form ab­ge­gli­chen. Die An­grif­fe be­gan­nen am Frei­tag ge­gen Mit­tag eu­ro­päi­scher Zeit, die drit­te Wel­le reich­te zum Teil bis in den Sams­tag hin­ein. Der Spre­cher des Wei­ßen Hau­ses, Josh Ear­nest, sag­te, das US-Hei­mat­schutz­mi­nis­te­ri­um be­ob­ach­te die Si­tua­ti­on, kön­ne über mög­li­che Ur­he­ber aber noch nichts sa­gen. Der Sen­der CNBC zi­tier­te ei­nen Ver­tre­ter der Si­cher­heits­be­hör- mit der Ver­mu­tung, es han­de­le sich um „In­ter­net-Van­da­lis­mus“. In Schwe­den wur­den auch Web­sei­ten der schwe­di­schen Re­gie­rung und ei­ni­ger Be­hör­den lahm­ge­legt. In Deutsch­land war zeit­wei­se die Han­dels­platt­form Ama­zon be­trof­fen. Die Aus­fall­kar­te des Un­ter­neh­mens zeig­te Stö­run­gen in Deutsch­land, den USA und Ja­pan. Ama­zon wech­sel­te da­nach den DNSDi­enst und der Ser­vice lief wie­der. DDOS-Atta­cken gibt es schon län­ger, zu­letzt wur­de die Schad-Soft­ware „Mi­rai“be­kannt, mit der auch ver­netz­te Haus­tech­nik für sol­che An­grif­fe zu­sam­men­ge­schal­tet wer­den kann. Be­reits im Sep­tem­ber wur­de auf die­se Wei­se mit ei­ner au­ßer­ge­wöhn­lich mas­si­ven Atta­cke die Web­site des IT-Si­cher­heits­jour­na­lis­ten Bri­an Krebs an­ge­grif­fen. Der In­ter­net-Di­enst­leis­ter Le­vel 3 fand vor kur­zem gut 450 000 von „Mi­rai“in­fi­zier­te Ge­rä­te im Netz.

In Deutsch­land war Ama­zon be­trof­fen

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.