Auf­ge­fal­len

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

Was fällt den Men­schen aus der Re­gi­on spon­tan zu Karls­ru­he ein? – Bau­stel­len, Staus und Ver­kehrs­pro­ble­me! Okay, das sa­gen nicht al­le, aber die al­ler­meis­ten. So un­ge­fähr 62 Pro­zent bei der neu­es­ten Um­fra­ge un­ter den Ein­woh­nern des Um­lan­des. Of­fen­sicht­lich bohrt sich nichts tie­fer ins Ge­dächt­nis als die Kra­ter­land­schaft, die Ab­sper­run­gen, Um­lei­tun­gen und die ver­spä­te­ten oder gar nicht erst auf­tau­chen­den Stadt­bah­nen. Das hat Kon­se­quen­zen: Die Leu­te aus der Re­gi­on kom­men der städ­ti­schen Um­fra­ge zu­fol­ge deut­lich sel­te­ner als frü­her in die Bau­stel­len-Haupt­stadt. Was bit­ter ist – zu al­ler­erst für die Ge­schäfts­leu­te, die sich zu­dem von der Bau­stel­len-un­be­leck­ten In­ter­net-Kon­kur­renz be­drängt se­hen. Man wun­dert sich ja nicht wirk­lich über den Be­su­cher­schwund in Karls­ru­he. Das ein­zi­ge, was ei­nem bald sie­ben Jah­re nach dem Spa­ten­stich am Eu­ro­pa­platz noch er­schüt­tern kann, ist die Non­cha­lance, mit der die Kom­bi-Lö­sungs-Ma­cher Op­ti­mis­mus ver­brei­ten: „Oben gut drauf, un­ten gut vor­an“, ver­kün­den sie froh. Auf ih­rer Home­page er­fährt man zu­dem, dass die In­nen­stadt kei­nes­wegs zehn Jah­re lang ei­ne Bau­stel­le sei. Karls­ru­he ha­be „Er­fah­rung mit Bau­stel­len ähn­li­cher Grö­ßen­ord­nung ...“. Lie­be Leut’, vi­el­leicht ist an der Zeit, den Text mal zu über­ar­bei­ten. Aber man soll nicht un­ge­recht sein. Ober­bür­ger­meis­ter Frank Men­trup sieht ja auch, dass die Ein­schrän­kun­gen bei der Er­reich­bar­keit der­zeit ein gro­ßes Han­di­cap für Karls­ru­he sind. Und na­tür­lich hat er recht, wenn er sagt, dass nicht al­le Ver­kehrs­pro­ble­me mit der Kom­bi­lö­sung zu tun ha­ben. Das Tief­bau­amt, die Ver­kehrs­be­trie­be und die Stadt­wer­ke be­sche­ren uns eif­rig wei­te­re Bau­stel­len. Und für die Na­del­öh­re im Land­kreis und die Si­tua­ti­on auf der Au­to­bahn kann die Stadt gleich gar nichts. Klar – all die­se läs­ti­gen Bau­maß­nah­men sind un­ver­zicht­bar und nur in ei­nem ganz be­stimm­ten Zeit­fens­ter rea­li­sier­bar. Mit der Fol­ge, dass – ups, kei­ner hat’s ge­ahnt – das ma­xi­ma­le Ver­kehrs­cha­os pro­du­ziert wird. Ob­wohl – manch­mal fragt man sich schon, ob so ein Ge­spräch von Ver­wal­tungs­chef zu Ver­wal­tungs­chef und von Ver­kehrs­pla­ner zu Ver­kehrs­pla­ner die wundersame St­aufal­len-Bal­lung in und um Karls­ru­he nicht im Vor­feld hät­te ver­hin­dern kön­nen. Der nor­ma­le Bür­ger hat da ja we­nig Ein­fluss drauf. Der är­gert sich nur und schimpft. Und wenn er nicht un­be­dingt nach Karls­ru­he rein muss – dann bleibt er halt weg.

Da denkt man erst mal an Bau­stel­len ...

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