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Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION -

Als der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Land­tag die Grü­nen-Po­li­ti­ke­rin Muh­te­rem Aras im Mai zur Par­la­ments­prä­si­den­tin mach­te, war das Zei­tun­gen auf der gan­zen Welt teils aus­führ­li­che Ge­schich­ten wert. Bis hin zur Wa­shing­ton Post mach­te die tür­kisch­stäm­mi­ge 50-Jäh­ri­ge Schlag­zei­len. Die Le­ser auf dem gan­zen Glo­bus er­fuh­ren, dass die Mus­li­min von Haus aus Steu­er­be­ra­te­rin ist, dass die di­rekt ge­wähl­te Stutt­gar­ter Ab­ge­ord­ne­te als Fi­nanz­ex­per­tin fun­gier­te und dass sie ih­re Wahl als „Zei­chen der Welt­of­fen­heit, To­le­ranz und Ge­lin­gen von In­te­gra­ti­on“be­wer­tet. Der Weg zur Prä­si­den­tin des Land­tags und da­mit auf den pro­to­kol­la­risch zweit­höchs­ten Pos­ten von Ba­den-Würt­tem­berg war der ver­hei­ra­te­ten Mut­ter zwei­er Kin­der nicht in die Wie­ge ge­legt. Aras kam 1966 in ei­nem ana­to­li­schen Dorf auf die Welt und 1978 mit ih­ren El­tern und den Ge­schwis­tern nach Deutsch­land. „Es war ei­ne an­de­re Welt“, er­in­nert sie sich. Stun­den­lang stand sie als Kind in Fil­der­stadt zu­sam­men mit ih­ren Ge­schwis­tern stau­nend an der Stra­ße und konn­te es kaum fas­sen: So vie­le Frau­en, die Au­to fuh­ren. An der Spit­ze des Land­tags hat die über Par­tei­gren­zen hin­aus ge­schätz­te Prä­si­den­tin der­zeit al­le Hän­de voll zu tun. Vie­le Par­la­men­ta­ri­er sind neu und mit den Par­la­ments­re­geln noch nicht hun­dert­pro­zen­tig ver­traut. Neu ist auch die meist po­la­ri­sie­ren­de AfD-Frak­ti­on, de­ren Mit­glie­der sich zu­dem – je nach The­ma – durch ei­ne ho­he Fre­quenz an Zwi­schen­fra­gen und -ru­fen her­vor­tun. Um­so mehr schätzt Muh­te­rem Aras nach auf­rei­ben­den Ar­beits­wo­chen ei­nen be­schau­li­chen Sonn­tag. „Aus­schla­fen ist mir dann wich­tig“, be­kennt sie; tra­di­tio­nell macht Ehe­mann Sa­mi das Früh­stück. Bei fri­schen Bröt­chen und Kaf­fee star­tet die Grü­ne ge­müt­lich in den Tag – am liebs­ten auch mit den bei­den Kin­dern, der 19-jäh­ri­gen He­lin und dem 15-jäh­ri­gen De­niz. De­niz be­sucht die zehn­te Klas­se ei­nes Stutt­gar­ter Gym­na­si­ums, wäh­rend He­lin zum Ju­ra-Stu­di­um nach Frei­burg star­tet. Ju­ra hät­te auch Muh­te­rem Aras gern stu­diert, wie sie be­kennt. Nach Haupt­schul­ab­schluss und Abitur an ei­nem Wirt­schafts­gym­na­si­um zog es sie je­doch zum Stu­di­um der Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten an die Uni Ho­hen­heim. Er­ho­len kann sich Muh­te­rem Aras auch bei lan­gen Spa­zier­gän­gen. Von ih­rer Woh­nung im Stutt­gar­ter Wes­ten aus geht es oft in den na­hen Krä­her­wald. Drei bis vier St­un­den kann so ein Marsch schon dau­ern, be­rich­tet sie. Wenn die ers­te Frau an der Spit­ze des Lan­des­par­la­ments sonn­tags zu Hau­se ist, ist ih­re Woh­nung das reins­te Be­geg­nungs­zen­trum. Im Som­mer wird im Gar­ten ge­grillt; oft sit­zen dann 30 bis 50 Leu­te laut schwat­zend bei­ein­an­der – dar­un­ter die ins­ge­samt fünf Ge­schwis­ter mit ih­ren Fa­mi­li­en. Als Dau­er­gäs­te sind auch die ale­vi­ti­schen El­tern dar­un­ter. „Mir ist es sehr wich­tig, das Er­reich­te mit an­de­ren zu tei­len“, sagt Muh­te­rem Aras. Ein funk­tio­nie­ren­des So­zi­al­le­ben ist für sie der ent­schei­den­de Fak­tor für Le­bens­qua­li­tät.

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