Sau­fen – bis der Arzt kommt

Über 2 700 jun­ge „Schnaps­lei­chen“lan­de­ten 2015 im Kran­ken­haus

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - An­net­te Bor­chardt-Wen­zel

In Win­deln ge­wi­ckelt auf der In­ten­siv­sta­ti­on auf­wa­chen? Kei­ne schö­ne Vor­stel­lung – kann aber pas­sie­ren, wenn man sich ei­ne Al­ko­hol­ver­gif­tung zu­zieht. Und die gibt es bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen gar nicht so sel­ten: 2 742 jun­ge Men­schen im Al­ter von 13 bis 19 Jah­ren muss­ten im ver­gan­ge­nen Jahr we­gen Al­ko­hol­pro­ble­men voll­sta­tio­när in ei­nem Kran­ken­haus in Ba­den-Würt­tem­berg be­han­delt wer­den. Am häu­figs­ten wa­ren 16Jäh­ri­ge be­trof­fen, wie das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt mit­teil­te. Trin­ken, bis der Arzt kommt: Vor ei­ni­gen Jah­ren war „Ko­ma­s­au­fen“ein Me­ga-The­ma in den Me­di­en. Aus gu­tem Grund: Vom Jahr­hun­dert­be­ginn bis 2009 nahm die Zahl der Kin­der und Ju­gend­li­chen, die we­gen Al­ko­hol­ex­zes­sen im Kran­ken­haus lan­de­ten, ste­tig zu. Vor sie­ben Jah­ren war in Ba­den-Würt­tem­berg dann mit 4 028 Suff-Pa­ti­en­ten in der Al­ters­klas­se von 13 bis 19 Jah­ren ein trau­ri­ger Re­kord er­reicht. Seit­her sinkt die „Fall­zahl“im Süd­wes­ten von Jahr und Jahr – sie lag 2015 trotz zahl­rei­cher Prä­ven­ti­ons­ak­tio­nen al­ler­dings im­mer noch um rund 1 000 hö­her als 2001. Jun­gen sind für ex­zes­si­ven Al­ko­hol­kon­sum of­fen­bar an­fäl­li­ger als Mäd­chen: Von 10 000 männ­li­chen 13- bis 19-Jäh­ri­gen tran­ken sich im ver­gan­ge­nen Jahr 38 kran­ken­haus­reif; un­ter je­weils 10 000 Mäd­chen im glei­chen Al­ter gab es „nur“29 sta­tio­nä­re Auf­nah­men. Bei den sehr jun­gen Al­ko­hol-Pa­ti­en­ten zeigt sich al­ler­dings ein an­de­res Bild: 13- und 14-jäh­ri­ge Mäd­chen muss­ten den Sta­tis­ti­kern zu­fol­ge häu­fi­ger als gleich­alt­ri­ge Jun­gen mit Al­ko­hol­pro­ble­men in ei­ne Kli­nik ein­ge­lie­fert wer­den. Me­di­zi­ner wei­sen im­mer wie­der dar­auf hin, dass bei jun­gen Men­schen – ganz be­son­ders bei Kin­dern – be­reits we­nig Al­ko­hol schwe­re Ver­gif­tun­gen ver­ur­sa­chen kann. Um die Häu­fig­keit al­ko­hol­be­ding­ter Kran­ken­haus­auf­ent­hal­te in den ver­schie­den gro­ßen Stadt- und Land­krei­sen ver­glei­chen zu kön­nen, ha­ben die Sta­tis­ti­ker be­rech­net, wie vie­le al­ko­hol­be­ding­te Kran­ken­haus­ein­wei­sun­gen dort auf je­weils 10 000 Men­schen im Al­ter von 13 bis 19 Jah­ren ent­fie­len. Da­bei tun sich kras­se Un­ter­schie­de auf: Wäh­rend beim „Spit­zen­rei­ter“im ne­ga­ti­ven Sin­ne, dem Main-Tau­ber-Kreis, 60 von 10 000 Kin- dern und Ju­gend­li­chen be­trof­fen wa­ren, steht die Stadt Mannheim mit 17 von 10 000 am bes­ten da, ge­folgt vom Land­kreis Ras­tatt (19). Der Land­kreis Karls­ru­he (20) lag gleich- auf mit der Stadt Stuttgart. Auch Ba­den-Ba- den (25) und der Or­ten­au­kreis (28) la­gen un­ter dem Lan­des­durch­schnitt (34). In den Städ­ten Frei­burg (39) und Karls­ru­he (47) war 2015 hin­ge­gen ein über­durch­schnitt­lich ho­hes Auf­kom­men an jun­gen „Schnaps­lei­chen“zu be­kla­gen.

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