Das Wort zum Sonn­tag

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - von Kir­chen­rat i.R. Klaus Schna­bel, Karls­ru­he

Da hilft nur be­ten! Manch­mal klingt das wie ei­ne spöt­ti­sche Er­mun­te­rung, oft iro­nisch ge­meint, wenn et­was nicht mehr läuft. Manch­mal ist es aber auch ein schick­sals­schwe­rer Satz, hin­ter dem Ver­zweif­lung steckt, weil wir al­le die Er­fah­rung ken­nen: Not lehrt be­ten. Auf der ei­nen Sei­te gilt Be­ten als kind­lich und kin­disch, und hat des­halb für vie­le Men­schen kei­nen Stel­len­wert mehr. Zugleich ken­nen wir al­le Si­tua­tio­nen, in de­nen uns ein Stück des Abend­ge­bets bei den Groß­el­tern wie­der in den Sinn kommt. Oder es fal­len uns hal­be Sät­ze ein von Ge­be­ten, die wir vor vie­len Jah­ren in der Kin­der­grup­pe täg­lich ge­sun­gen und ge­spro­chen ha­ben. Be­ten war wohl schon im­mer da, so­lan­ge es Men­schen gibt. Ge­be­tet wur­de so­gar si­cher schon lan­ge be­vor es ei­ne Kir­che gab. Ich ver­mu­te, dass heu­te viel mehr Men­schen be­ten, als sie je­mals zu­ge­ben wür­den, auch wenn sie sich selbst nicht als gläu­big be­zeich­nen. In die­sem Sinn ist Be­ten wich­tig. Denn im­mer, wenn wir in Not und Schuld ge­ra­ten, wenn wir tod­trau­rig oder über­glück­lich sind, müs­sen wir dar­über spre­chen, uns mit­tei­len. Wenn wir be­ten, fin­den wir ei­ne Spra­che, ei­ne Ges­te für Glück, Un­glück und für un­se­re Wün­sche. Es gibt für ei­nen Men­schen, der be­tet, nichts, was man nicht sa­gen dürf­te. Da­bei ist Be­ten mehr als ein Selbst­ge­spräch. Wenn ich be­te, wen­de ich mich an Gott, ich re­de mit Gott, auch wenn ich kei­ne Ant­wort hö­re. Al­les wer­de ich ihm ge­gen­über los: „War­um?“kla­ge ich, „Wie lan­ge?“fra­ge ich, und vi­el­leicht auch „Ich dan­ke dir“. Ich will glau­ben, dass ich nicht ins Lee­re re­de, viel­mehr dass ich ge­hört wer­de. Auf je­den Fall gilt: wenn ich be­te, ge­be ich nicht auf, ich re­si­gnie­re nicht. Und des­halb hilft mir das Ge­bet, im­mer wie­der auf­zu­ste­hen. Das Be­ten ver­än­dert mich, es stärkt mei­nen Le­bens­wil­len und mei­ne Ener­gie ge­gen das Bö­se. Be­ten macht mich mu­ti­ger, doch auf man­che Ve­rän­de­rung zu hof­fen.

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