Ar­min-Mu­el­ler Stahl: Der Schau­spie­ler ist auch ein Ma­ler

Der Schau­spie­ler Ar­min Mu­el­ler-Stahl fin­det sei­ne Er­fül­lung mitt­ler­wei­le vor der Lein­wand

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite -

In zwei Mo­na­ten wird Ar­min Mu­el­lerS­tahl 86 Jah­re alt, ein „lan­ges gu­tes Le­ben“, wie er sagt. Als Schau­spie­ler auf der Büh­ne und vor der Ka­me­ra hat er in all die­sen Jahr­zehn­ten und in in­ter­na­tio­na­len Pro­duk­tio­nen sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen, er hat Bü­cher ge­schrie­ben und singt sei­ne ei­ge­nen Lie­der. Nun scheint Mu­el­ler-Stahl sei­ne Pas­si­on der spä­ten Jah­re ge­fun­den zu ha­ben. „Mit der Ma­le­rei hal­te ich mir das Al­ter vom Lei­be“, sagt er. Die Ar­beit mit Pin­sel und Stift hat für ihn auch et­was Me­di­ta­ti­ves.

Ei­ne neue Aus­stel­lung in Werl, zahl­rei­che wei­te­re in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an et­li­chen an­de­ren Or­ten der Welt. Fällt es Ih­nen ei­gent­lich schwer, sich von ih­ren Bil­dern zu tren­nen, in die sie ja auch Ge­fühl hin­ein­ge­steckt ha­ben?

Mu­el­ler-Stahl: Ich ha­be kaum ei­ne emo­tio­na­le Be­zie­hung zu mei­nen Bil­dern, ab­ge­se­hen von mei­nen grö­ße­ren „Faust“-Bil­dern. Denn die­se Bil­der er­zäh­len mir mehr als an­de­re, al­le an­de­ren sind ver­käuf­lich. Al­les, was mich be­rührt oder be­drückt, will ein Bild wer­den, wis­sen Sie? Und ich bin froh, dass ich sehr vie­le Din­ge, die mich ver­stört ha­ben, auf die­se Wei­se los bin.

War­um aus­ge­rech­net der „Faust“? Weil Sie die Rol­le nie ge­spielt ha­ben?

Mu­el­ler-Stahl: Ja, der Faust ist mir mal vor vie­len Jah­ren als jun­ger Schau­spie­ler an­ge- bo­ten wor­den. Aber dann kam ein Film­an­ge­bot da­zwi­schen und ich konn­te ihn nicht spie­len, seit­dem ha­be ich ihn aber im Kopf. Ge­spielt ha­be ich den Faust tat­säch­lich noch nie, heu­te wür­de ich wohl eher den Me­phis­to spie­len. Die Ur­rol­le für mich, der Ham­let, ist üb­ri­gens auch an mir vor­bei­ge­gan­gen. Des­halb ha­be ich ihn auch in vie­len mei­ner Bil­der be­dacht. Gra­de erst wur­de mir der Le­ar von Claus Pey­mann an­ge­bo­ten, das ist so­zu­sa­gen ei­ne Ur­rol­le für äl­te­re Schau­spie­ler.

Ha­ben Sie das An­ge­bot an­ge­nom­men?

Mu­el­ler-Stahl: Ich ha­be ge­sagt, ich wer­de es im Kopf be­we­gen. Aber die Schau­spie­le­rei hat sich lang­sam bei mir ver­flüch­tigt, ich ha­be we­ni­ger das Be­dürf­nis, et­was über die Büh­ne mit­zu­tei­len. Des­halb ha­be ich ab­ge­sagt.

Aber sie wer­den wei­ter­hin als Schau­spie­ler auf­tre­ten, oder?

Mu­el­ler-Stahl: Na ja, wenn ich auf der Büh­ne mei­ne Lie­der vor­tra­ge, bin ich ja in ge­wis­sem Sin­ne auch Schau­spie­ler. Aber wis­sen Sie, wenn die Schau­spie­le­rei ein Le­ben do­mi­niert hat, kann man es nie au­ßen vor­las­sen. Sie sag­ten, sie sei­en viel los­ge­wor­den durch das Ma­len. Ist es, als zeich­ne­ten Sie Ihr Le­ben auf?

Mu­el­ler-Stahl: Ja, das wür­de ich so se­hen. Mit der Ma­le­rei hal­te ich mir aber auch mehr oder we­ni­ger das Al­ter vom Lei­be, mal er­folg­reich und mal we­ni­ger. Es ist schö­ner, et­was zu ha­ben, als vor dem Fern­se­her zu sit­zen und Däum­chen zu dre­hen.

Zeich­nen Sie nur Durch­lit­te­nes oder auch die schö­nen Mo­men­te des Le­bens?

Mu­el­ler-Stahl: Auch Schö­nes, na­tür­lich. Aber im Mo­ment sind es ge­ra­de die prä­gen­den Mo­men­te, die un­an­ge­nehm sind, die ich ma­le. Die An­schlä­ge von Pa­ris und Niz­za, Or­lan­do und an­de­re Ter­ror­ak­te.

Drückt sich das in Far­ben aus? Eher graue Tö­ne und Braun?

Mu­el­ler-Stahl: Nein, die jün­ge­ren Bil­der vom Ter­ror sind far­big, aber sie zei­gen eben nicht nur die freund­li­chen Sei­ten der Mensch­heit.

Be­dau­ern Sie, dass sie nicht frü­her mit ih­ren Wer­ken an die Öf­fent­lich­keit ge­gan­gen sind?

Mu­el­ler-Stahl: Ei­gent­lich nicht. An­de­rer­seits den­ke ich manch­mal beim Rück­blick auf mein Le­ben, dass die Schau­spie­le­rei vi­el­leicht mein Le­ben zu sehr do­mi­niert hat. avs Die Aus­stel­lung in der „Ga­le­rie am Hell­weg“in Werl (Kreis Soest) mit Uni­ka­ten, Ra­die­run­gen und Li­tho­gra­fi­en von Ar­min Mu­el­ler-Stahl läuft bis zum 12. No­vem­ber.

Er wur­de für den Os­car no­mi­niert, stand in weit mehr als 80 Fil­men un­ter an­de­rem mit Tom Hanks vor der Ka­me­ra und stellt nun sei­ne Bil­der aus: Ar­min Mu­el­ler-Stahl. Fo­to: avs

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