Phil­ipp Me­lan­chthon: Phi­lo­soph und Hu­ma­nist aus Bret­ten

Bret­tener Phil­ipp Me­lan­chthon war „Au­ßen­mi­nis­ter“der Re­for­ma­ti­on

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Erste Seite - Lie

Von wem ist in fol­gen­den Ver­sen wohl die Re­de? „Sie glän­zen wie der Son­nen­schein, wie Feu­er­flam­men hell und rein als Got­tes gu­te Geis­ter. Von über­ir­di­scher Na­tur sind sie die schöns­te Krea­tur, und Chris­tus ist ihr Meis­ter.“So lau­tet die zwei­te Stro­phe im Lied Nr. 143 des Evan­ge­li­schen Ge­s­ang­buchs für Ba­den. Die Re­de ist, vi­el­leicht et­was über­ra­schend in ei­nem Lied­buch der Pro­tes­tan­ten, von den En­geln. Der deut­sche Text geht auf ei­nen la­tei­ni­schen Hym­nus zu­rück, den Phil­ipp Me­lan­chthon schrieb. So vie­les, was heu­te noch wich­tig ist für die evan­ge­li­schen Gläu­bi­gen, hat er hin­ter­las­sen, die­ser 1497 im da­mals kur­pfäl­zi­schen Bret­ten ge­bo­re­ne Mann. Ei­gent­lich hieß der Sohn ei­nes Hand­wer­kers Schwar­zerdt. Der Groß­va­ter sorg­te da­für, dass Phil­ipp früh ei­nen la­tei­ni­schen Haus­leh­rer er­hielt – und der Schü­ler er­wies sich als Hoch­be­gab­ter. In Pforz­heim, wo er mit Latein wei­ter­mach­te und da­zu Grie­chisch lern­te, ver­lieh ihm der be­rühm­te Leh­rer Jo­han­nes Reuch­lin be­reits ei­nen Ge­lehr­ten­na­men nach Hu­ma­nis­ten­tra­di­ti­on. „Schwar­zerdt“über­setzt ins Grie­chi­sche er­gibt „Me­lan­chthon“. Der jun­ge Phil­ipp zog wei­ter an die Uni­ver­si­tät Hei­del­berg, schaff­te den ers­ten Ab­schluss an der geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kul­tät mü­he­los, war aber zu jung, um schon den Ma­gis­ter zu er­wer­ben. Das tat er dann in Tü­bin­gen und wur­de ein Star der Wis­sen­schaft. Der schmäch­ti­ge Mann war ge­ra­de 21 Jah­re alt, als er zum Pro­fes­sor für Grie­chisch an die Uni­ver­si­tät Wit­ten­berg be­ru­fen wur­de. Dort traf er auf den 14 Jah­re äl­te­ren Mar­tin Lu­ther. Die bei­den wur­den Freun­de fürs Le­ben und der im­pul­si­ve Lu­ther hat­te ei­nen über­ra­gen­den Uni­ver­sal­ge­lehr­ten für die Re­for­ma­ti­ons­be­we­gung ge­won­nen. „Der klei­ne Grie­che über­trifft mich auch in der Theo­lo­gie“, soll Lu­ther ge­sagt ha­ben. Me­lan­chthon war des­sen un­er­müd­li­cher Be­ra­ter, loya­ler Ver­tre­ter und so et­was wie der Au­ßen­mi­nis­ter der Re­for­ma­ti­on. Weil er mit den Fürs­ten und den ka­tho­li­schen Füh­rern ge­schickt ver­han­del­te. In Wit­ten­berg hei­ra­te­te der Mann aus dem Kraich­gau 1520 Kat­ha­ri­na Krapp, die Toch­ter des Bür­ger­meis­ters, und wur­de Fa­mi­li­en­va­ter. Er schrieb und pu­bli­zier­te, lei­te­te die Uni­ver­si­tät und for­mu­lier­te bis heu­te grund­le­gen­de Schrif­ten wie das Augs­bur­ger Be­kennt­nis für die neue Glau­bens­be­we­gung. Nach Lu­thers Tod wur­de Me­lan­chthon der füh­ren­de Mann der Re­for­ma­ti­on. Er starb 1560 und ist in Wit­ten­berg, wo es auch ein zu be­sich­ti­gen­des Me­lan­chthon­haus gibt, ne­ben sei­nem Freund be­gra­ben. Den neu­en lu­the­ri­schen Glau­ben rasch in sei­ner Hei­mat­stadt ein­zu­pflan­zen ge­lang auch Me­lan­chthon nicht. Vie­le Kraich­gau­er Herr­scher wa­ren zwar pro Lu­ther. Die Kur­pfalz und da­mit Bret­ten wand­ten sich aber dem Cal­vi­nis­mus und da­mit der re­for­mier­ten Rich­tung zu. In Ba­den-Dur­lach wur­de die Re­for­ma­ti­on erst 1556 un­ter Karl II. ein­ge­führt, wäh­rend die Mark­graf­schaft Ba­den-Ba­den ka­tho­lisch blieb.

Als Kind schon hoch­be­gabt: Phil­ipp Me­lan­chthon, ge­bo­ren 1497 in Bret­ten als Phil­ipp Schwar­zerdt. Der Uni­ver­sal­ge­lehr­te wur­de Freund und Mit­strei­ter Lu­thers. Bild: An­ony­mes Bild nach Cra­nach d.Ä., MTH Bret­ten.

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