Die Fich­te po­la­ri­siert

Den­noch wur­de sie zum Baum des Jah­res 2017 ge­wählt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - SO hw SO Patri­cia Klatt

Zum nächs­ten Dop­pel-Abend in der Rei­he „BADzil­le – Klein­kunst und Ka­ba­rett“kom­men am Don­ners­tag, 3. No­vem­ber, 20 Uhr, Kai Magnus Sting und Piet Klo­cke ins Kur­haus Ba­den-Ba­den. Sting bringt „Im­mer ist was, weil sonst wär ja nix“auf die Büh­ne des Run­den Saals, Klo­cke „Kü­he gra­sen nicht, sie spre­chen mit der Er­de“. Kai Magnus Sting durch­lebt in sei­nem neu­en Pro­gramm die gro­ßen und klei­nen Ka­ta­stro­phen des All­tags, die wir al­le ken­nen. In sei­nen So­lo-Pro­gram­men über­gießt er mit ei­nem un­ge­heu­ren Re­de­schwall je­den und al­les mit Spott. Piet Klo­cke, be­gna­de­ter Ko­mi­ker und gro­ßer Welt­miss­ver­ste­her, kommt mit sei­nem vi­el­leicht per­sön­lichs­ten Pro­gramm: sehr ko­misch, durch­aus phi­lo­so­phisch und sehr poe­tisch. Ei­ne Mi­schung aus ab­sur­den und ko­mi­schen Ge­schich­ten und Re­fle­xio­nen, er­gänzt um wun­der­bar skur­ri­le bis sur­rea­le Fotos und Fo­to­ge­schich­ten. Ti­ckets gibt es bei der Tou­rist-In­for­ma­ti­on Stadt­ein­fahrt (B500), Te­le­fon (07221) 275233, im i-Punkt Trink­hal­le, Te­le­fon (07221)932700, und im In­ter­net un­ter www.ba­den­ba­de­nevents.de. „Berg­ka­pel­len und Son­nen­lauf, Kult­stät­ten am Ober­rhein“ist das The­ma des nächs­ten Vor­tra­ges mit dem Referenten Klaus Mey­er, Ober­stu­di­en­rat i.R. aus Achern-Fau­ten­bach, zu dem die Ge­schichts­freun­de Kapp­ler­tal am Don­ners­tag, 3. No­vem­ber, 19.30 Uhr, in die Win­zer­ge­nos­sen­schaft Wal­dulm ein­la­den. Un­ter der Über­schrift „Ge­schicht­li­ches aus ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten“führt er in die Zeit der rö­mi­schen Be­sat­zung vom ers­ten bis drit­ten Jahr­hun­dert zu­rück. As­tro­no­mi­sche Be­ob­ach­tun­gen, die er als Stu­dent in Frei­burg mach­te, wur­den Aus­lö­ser für über­ra­schen­de Ent­de­ckun­gen. Heu­te un­vor­stell­bar sind die An­sich­ten über Kör­per­pfle­ge im Ba­rock. Ei­ne Ver­an­stal­tung zum The­ma „Rein­lich­keit bei Ho­fe“gibt’s am 6. No­vem­ber, 14.30 Uhr, im Schloss Ras­tatt. An­mel­dung: (0 62 21) 6 58 88 15.

Die Er­nen­nung der Fich­te zum Baum des Jah­res 2017 ist na­tür­lich ei­ne Pro­vo­ka­ti­on, aber den­noch gut ge­wählt, denn kaum ein Baum po­la­ri­siert in der Dis­kus­si­on um Na­tur­schutz und Forst­wirt­schaft mehr als die Fich­te“, sagt Wald­re­fe­rent Jo­han­nes Ens­s­le vom Na­tur­schutz­bund (Na­bu). Die Fich­te (Picea abies) ha­be mehr Auf­merk­sam­keit ver­dient, fin­det auch die Stif­tung „Baum des Jah­res“und hat ihr des­halb die­sen Ti­tel für 2017 ver­lie­hen. Da­bei geht es we­ni­ger um ei­ne Ju­bel­fei­er, als um ei­ne Dis­kus­si­on – und um Kom­pe­tenz. Die for­dert Sil­vi­us Wo­darz, Um­welt­schüt­zer und Prä­si­dent der Stif­tung mit Sitz in Markt­red­witz. Denn wäh­rend für die ei­nen die Fich­te ein Bei­spiel für ei­ne ge­lun­ge­ne Wie­der­auf­fors­tung ist, se­hen an­de­re in ihr ein Bei­spiel für na­tur­fer­ne Mo­no­kul­tu­ren.

Nicht je­der ju­belt über die­se Aus­zeich­nung

„Willst du den Wald be­stimmt ver­nich­ten, pflan­ze nichts als rei­ne Fich­ten!“– die­ser Satz stammt be­reits aus dem Jahr 1921 und wur­de er­staun­li­cher­wei­se von Forst­leu­ten in das Fun­da­ment ei­nes im Wald in­stal­lier­ten Sä­ge­wer­kes ein­ge­mei­ßelt. Be­reits da­mals hat­te man leid­vol­le Er­fah­run­gen hin­ter sich, denn die Fich­te „wur­de vie­ler­orts als Mo­no­kul­tur auf Stand­or­ten an­ge­pflanzt, wo sie nicht hin­ge­hört. Die Fol­ge wa­ren schwe­re Sturm­schä­den, In­sek­ten­be­fall, die Ver­schlech­te­rung der Wald­bö­den und ein Rück­gang der Ar­ten­viel­falt im Wald“, so Ens­s­le. Der Er­folgs­zug der Fich­te be­gann An­fang des 18. Jahr­hun­derts, als die Wäl­der durch Ro­dun­gen und Über­nut­zun­gen fast völ­lig rui­niert wa­ren. Man such­te nach Baum­ar­ten, die zur Wie­der­auf­fors­tung ge­eig­net wa­ren, da kam in ers­ter Li­nie die Fich­te in Fra­ge, die au­ßer ei­ner ge­si­cher­ten Was­ser­ver­sor­gung kei­ne be­son­de­ren An­sprü­che stell­te. Schon da­mals soll­te die Fich­te aber nur ein Über­gang sein und lang­fris­tig wie­der den hei­mi­schen Laub­holz­wäl­dern wei­chen, denn die Ri­si­ken der Fich­te­nä­cker wa­ren den Forst­leu­ten durch­aus be­wusst. Aber wach­sen­der Holz­be­darf für den Wie­der­auf­bau und Re­pa­ra­ti­ons­hie­be für die al­li­ier­ten Sie­ger­mäch­te führ­ten auch im letz­ten Jahr­hun­dert er­neut zu gro­ßen Flä­chen, die auf­ge­fors­tet wer­den muss­ten – und wie­der war es die Fich­te, die hier ge­pflanzt wur­de, mit al­len be­kann­ten Fol­gen. Zu­sätz­lich zu den gro­ßen Mo­no­kul­tu­ren wächst die Fich­te, die ei­gent­lich in den kal­ten Re­gio­nen zu Hau­se ist, bei uns an vie­len Stel­len, wo sie ei­gent­lich nicht hin­ge­hört und ist des­we­gen auch an­fäl­li­ger für die Fol­gen der Kli­ma­schwan­kun­gen und Schäd­lin­ge. Oh­ne die flä­chen­de- cken­de Auf­fors­tung durch den Men­schen wä­re die Fich­te in Deutsch­land auf die hö­he­ren La­gen der Mit­tel­ge­bir­ge und der Al­pen oder auch auf die nass­kal­ten Sen­ken oder Rän­der von Hoch­moo­ren in den tie­fer lie­gen­den Be­rei­chen be­grenzt. Tat­säch­lich aber wächst sie bei­spiels­wei­se in Ba­den-Würt­tem­berg auf 34 Pro­zent der Wald­flä­che. „Lan­ge Jah­re war die hei­mi­sche Baum­art Fich­te als na­tur­fern ver­pönt. Rich­tig ein­ge­setzt und rich­tig be­han­delt, ist die Fich­te ei­ne sehr leis­tungs­fä­hi­ge Baum­art mit vie­len Vor­zü­gen. Ih­re Wahl zum Baum des Jah­res 2017 be­grü­ße ich au­ßer­or­dent­lich“, sag­te Forst­mi­nis­ter Pe­ter Hauk in Stutt­gart. Dar­über, was ge­nau mit „rich­tig ein­ge­setzt“ge­meint ist, wird al­ler­dings kon­tro­vers dis­ku­tiert und es ist auch im Na­tio­nal­park Schwarz­wald (NLP) von An­fang an ein The­ma ge­we­sen. „Mitt­ler­wei­le ist die Fich­te hier zu­sam­men mit Bu­che und Tan­ne auf den meis­ten Stand­or­ten zwar Teil des na­tür­li­chen Be­stan­des der Berg­misch­wäl­der“, er­klärt Tho­mas Wal­den­spuhl, Lei­ter des NLP. „Aber die Fich­te wird auf­grund des Kli­ma­wan­dels und der da­mit ver­bun­de­nen Er­wär­mung mas­si­ve Pro­ble­me be­kom­men. In­so­fern ist ih­re Wahl zum Baum 2017 zwar ei­ner­seits gut, um auf die­se Pro­ble­ma­tik hin­zu­wei­sen, an­ge­sichts der po­la­ri­sie­ren­den Wir­kung die­ses Bau­mes aber auch nicht hilf­reich“, fin­det Wal­den­spuhl. Bis­lang ist Fich­ten­holz aus un­se­rem All­tag je­den­falls nicht weg­zu­den­ken – und auch nicht aus den nicht so ganz all­täg­li­chen Sa­chen wie zum Bei­spiel den Gei­gen von Stra­di­va­ri, bei de­nen Tei­le aus Fich­ten­holz ge­baut sind.

Ver­trau­ter An­blick, auch im Schwarz­wald: Die Fich­te. Für die ei­nen ist sie ein Bei­spiel für ei­ne ge­lun­ge­ne Wie­der­auf­fors­tung, für die an­de­ren der In­be­griff na­tur­fer­ner Mo­no­kul­tu­ren. Fo­to: Tho­mas Do­brzew­ski

kommt ins Kam­mer­thea­ter Karls­ru­he. Prä­sen­tiert wird ihr Auf­tritt am Mon­tag, 31. Ok­to­ber, 19.30 Uhr, von Edo Zan­ki. Mit ih­rem neu­en Live-Al­bum „15 Com­pa­ni­ons“im Ge­päck, kom­bi­niert die en­er­gie­ge­la­de­ne Sän­ge­rin ei­ni­ge ih­rer deutsch­spra­chi­gen Hits mit Ti­teln an­de­rer Mu­si­ker. Be­glei­tet wird sie von Ina Boo an Gi­tar­re und Kla­vier. Ti­ckets gibt es un­ter (07 21) 2 31 11. Fo­to: Hans-Pe­ter Wild

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