Von Calw nach KA-LW?

Bad Her­re­n­alb wä­re nicht der ers­te schwä­bi­sche Ort in „ba­di­schem“Kreis

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Die Region - Tho­mas Liebs­cher

Die Initia­ti­ve „Sag Ja zum Land­kreis Karls­ru­he“war in Bad Her­re­n­alb er­folg­reich. Der von ihr ins Rol­len ge­brach­te Bür­ger­ent­scheid fiel ganz knapp po­si­tiv für ei­nen Wech­sel vom Kreis Calw zum Kreis Karls­ru­he aus. Aber die Sym­pa­thi­en der Wäh­ler in der Kur­stadt sind den­noch fast gleich­stark ver­teilt. Vo­ri­gen Sonn­tag stimm­ten 1 872 Leu­te oder 50,5 Pro­zent für den Kreis Karls­ru­he und 1829 Wäh­ler für den bis­he­ri­gen Land­kreis Calw. 59 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten mach­ten mit. In den Hö­hen­stadt­tei­len Neu­satz und Ro­ten­sol war die Wahl­be­tei­li­gung sehr hoch und das Nein zum Wech­sel eben­so (68,0 und 74,5 Pro­zent da­ge­gen). Im Zen­tra­lort mit sei­nen Kur­an­la­gen, im Gais­tal und in Bern­bach woll­te ei­ne Mehr­heit los vom Kenn­zei­chen CW. Ei­ne tat­säch­li­che Ent­schei­dung konn­ten die Wech­sel­wil­li­gen aber nicht er­zwin­gen. Jetzt hat die Stadt­ver­wal­tung le­dig­lich den Auf­trag, sich für ei­ne an­de­re Kreis-Ori­en­tie­rung ein­zu­set­zen. Das letz­te Wort hat der Land­tag von Ba­den-Würt­tem­berg. Per Ge­setz wur­den vor über 40 Jah­ren die heu­ti­gen 35 Land­krei­se in Ba­den-Würt­tem­berg zu­ge­schnit­ten. Ei­ne Ge­biets­re­form von 1973, die schon 1968 von ei­ner Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung von CDU und SPD be­gon­nen wur­de, tilg­te Land­krei­se wie Bruch­sal oder Bühl von der Land­kar­te. Da­für wur­den die Krei­se Karls­ru­he und Ras­tatt grö­ßer oder Ge­bie­te wie der Or­ten­au­kreis ge­grün­det. Die­se Kreis­re­for­men gin­gen mit Ge­mein­de­fu­sio­nen ein­her. Ge­woll­te und ver­geb­lich be­kämpf­te Ve­rän­de­run­gen gab es da­bei. Die Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­nem Land­kreis war al­ler­dings nur sel­ten ei­ne auf­wüh­len­de An­ge­le­gen­heit. Es wech­sel­te bei­spiels­wei­se der his­to­risch schwä­bi­sche Ort Lof­fenau vom Land­kreis Calw in den ba­di­schen Land­kreis Ras­tatt. Aber die Bä­der­stadt Bad Her­re­n­alb blieb im da­mals ver­klei­ner­ten Kreis Calw. Es war ein, na­tür­lich nicht di­rekt aus­ge­spro­che­nes, Ziel je­ner Ver­wal­tungs­stra­te­gen, die al­te ba­disch­schwä­bi­sche Gren­ze we­ni­ger deut­lich zu ma­chen. Ver­meint­lich mo­der­ne Struk­tu­ren soll­ten Tra­di­tio­nen und Men­ta­li­täts­un­ter­schie­de in den Hin­ter­grund rü­cken. In der Ge­mein­de Strau­ben­hardt sind das ba­di­sche Lan­ge­nalb und die schwä­bi­schen Nach­bar­Or­te ver­eint. Es wur­den da­mals fol­ge­rich­tig auch die Re­gie­rungs­prä­si­di­en (RP) um­be­nannt. Aus dem RP Nord­ba­den wur­de das RP Karls­ru­he, weil eben mit den Krei­sen Calw und Freu­den­stadt schwä­bi­sche Ge­bie­te ver­wal­tend zu den Ba­de­nern rück­ten. Wäh­rend das ba­di­sche Ep­pin­gen in den Kreis Heil­bronn und zum RP Stutt­gart wech­seln muss­te. Sol­che Ver­schie­bun­gen blei­ben mit Be­son­der­hei­ten ver­bun­den. In der schö­nen Kraich­gau-Ge­mein­de Ober­der­din­gen (Kreis Karls­ru­he) gibt es ei­ne „Wein­gärt­ner­ge­nos­sen­schaft“. Denn Ober­der­din­gen lag einst im schwä­bi­schen Kreis Vai­hin­gen und in Würt­tem­berg hei­ßen die Win­zer eben „Wein­gärt­ner“. Der frü­he­re Bür­ger­meis­ter die­ser Ge­mein­de, der Schwa­be Er­win Breit­in­ger, stand denn auch nicht auf, wenn sei­ne Amts­kol­le­gen im Kreis Karls­ru­he das Bad­ner­lied schmet­ter­ten. Ober­der­din­gen leb­te seit über 40 Jah­ren ei­ne Ge­mein­de-Ehe mit dem ab dem 19. Jahr­hun­dert ba­di­schen Fle­hin­gen (und der Wal­den­ser-Ort Groß­vil­lars kam in den Bund mit hin­zu). Ober­der­din­ger sind in ih­ren Tra­di­tio­nen et­was an­de­re, aber gut ge­lit­te­ne Kreis­bür­ger. Und die 7 500 Her­re­n­al­ber wä­ren das si­cher auch. Vie­le dort füh­len sich ganz prak­tisch mehr mit dem Alb­tal, Ett­lin­gen und Karls­ru­he ver­bun­den. Ein Zie­hen und ge­zo­gen wer­den gab es be­reits, als das Klos­ter Her­re­n­alb noch be­stand. Des­sen Schirm­herr­schaft wech­sel­te 1338 von Ba­den zu Würt­tem­berg. Die Mön­che selbst kün­dig­ten das 1496 wie­der auf und woll­ten zu Ba­den! Für das Klos­ter en­de­te der Streit mit ei­nem Kom­pro­miss. Nur der Be­sitz in Malsch und Lan­gen­stein­bach wur­de ba­di­scher Ho­heit zu­ge­schla­gen. Her­re­n­alb selbst blieb seit­dem würt­tem­ber­gisch ge­prägt. Wenn es wirk­lich zum Kreis­wech­sel kä­me, könn­ten die Geg­ner ja per Au­to­kenn­zei­chen Flag­ge zei­gen und künf­tig mit KA-LW um­her­fah­ren.

In ei­nem Fens­ter der Klos­ter­kir­che von Bad Her­re­n­alb fin­den sich würt­tem­ber­gi­sche Sym­bo­le (links) wie das ba­di­sche Wappen. Schon als noch Mön­che dort tä­tig wa­ren, gab es Streit, ob ba­di­sche oder würt­tem­ber­gi­sche Schirm­her­ren bes­ser wä­ren. Heu­te geht es um die Kreis­ori­en­tie­rung nach Calw oder Karls­ru­he. Fo­to: lie

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.