Noch ein Sieg bis zur Krö­nung

Ten­nis: Ker­ber steht im WTA-Fi­na­le

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sport - Ul­ri­ke Wein­rich

An­ge­li­que Ker­ber blick­te ein we­nig fas­sungs­los in ih­re Box und konn­te ihr Glück kaum fas­sen: Nach ei­ner be­ein­dru­cken­den Macht­de­mons­tra­ti­on ist die Num­mer eins der Welt nur noch ei­nen Sieg von der Krö­nung ih­rer mär­chen­haf­ten Sai­son ent­fernt. Ker­ber er­reich­te beim WTA-Fi­na­le in Sin­ga­pur durch ein über­ra­schend deut­li­ches 6:2, 6:1 in der Vor­schluss­run­de ge­gen Titelverteidigerin Agnies­z­ka Rad­wans­ka (Po­len/Nr. 2) erst­mals das End­spiel und prä­sen­tier­te sich in ei­ner pha­sen­wei­se hoch­klas­si­gen Par­tie in ei­ner Ga­la-Form. „Das ist wun­der­bar. Die­ses Jahr ist ein­fach un­glaub­lich. Ich wer­de jetzt wei­ter ver­su­chen, fo­kus­siert zu blei­ben und auch im Fi­na­le mei­ne Chan­ce zu nut­zen“, sag­te Ker­ber un­mit­tel­bar nach der Be­geg­nung und mein­te: „Ich ha­be in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ge­lernt, auf dem Court im­mer po­si­tiv zu blei­ben. Das war ganz wich­tig.“ Im Fi­na­le trifft die Aus­tra­li­an-Open- und USOpen-Sie­ge­rin heu­te (12.30 Uhr MEZ/ZDF) auf Do­mi­ni­ka Ci­bul­ko­va. Ker­ber hat­te die an Po­si­ti­on sie­ben ge­setz­te Slo­wa­kin, die ihr Halb­fi­na­le in 2:27 St­un­den mit 1:6, 7:6 (7:2), 6:4 ge­gen Swet­la­na Kus­ne­zo­wa (Russ­land/ Nr. 8) ge­wann, im ers­ten Grup­pen­match am ver­gan­ge­nen Sonn­tag mit 7:6 (7:5), 2:6, 6:3 be­zwun­gen. „Ich muss ag­gres­siv agie­ren und mein Spiel ma­chen“, mein­te Ker­ber. Die Fed-Cup-Spie­le­rin könn­te die ers­te deut­sche Ge­win­ne­rin des Sai­son­ab­schluss­tur­niers seit 20 Jah­ren wer­den. 1996 hat­te St­ef­fi Graf ih­ren fünf­ten und letz­ten in­of­fi­zi­el­len WM-Ti­tel ge­holt. In ih­rem 80. Match des Jah­res mo­bi­li­sier­te die leicht ver­schnupf­te Ker­ber die letz­ten Kraft­re­ser­ven – und agier­te tak­tisch klug. Mit ih­rer Vor­hand na­gel­te die Kie­le­rin ih­re gu­te Freun­din Rad­wans­ka, mit der sie vor Jah­ren schon mal im Ur­laub war, in den lan­gen Ball­wech­seln im­mer wie­der auf der Rück­hand fest. Selbst von vier Dop­pel­feh­lern im ers­ten Satz ließ sich „An­gie“nicht ent­ner­ven und lag nach zwei Breaks mit 5:2 in Füh­rung. Mit ei­nem Re­turn­feh­ler gab Rad­wans­ka den ers­ten Durch­gang nach knapp 40 Mi­nu­ten ab. In der Fol­ge ver­gab die Po­lin beim 1:1 gleich drei Chan­cen, um erst­mals in Füh­rung zu ge­hen. Statt­des­sen blieb Ker­ber wei­ter kon­stant, er­kämpf­te sich ein 4:1 und blieb auch da­nach cool. Für Ker­ber wä­re es nach ih­ren Tri­um­phen in Mel­bourne im Ja­nu­ar und im Sep­tem­ber in New York der drit­te ganz gro­ße Tur­nier­sieg 2016. Im April hat­te die Links­hän­de­rin auch ihr Heim­spiel beim Por­sche Grand Prix in Stutt­gart zum zwei­ten Mal in Fol­ge ge­won­nen. Auch beim Show­down in Sin­ga­pur hat­te Ker­ber nichts dem Zu­fall über­las­sen. Mit ih­rem Team ging sie zum Din­ner stets in das­sel­be „Fu­si­on Kit­chen“-Lo­kal im weit­läu­fi­gen Kom­plex des lu­xu­riö­sen Ma­ri­na-Bay-Sand­sHo­tels. „Ich ha­be fast im­mer den glei­chen Ablauf und wer­de das auch nicht än­dern“, er­klär­te Ker­ber, die auf dem bes­ten Weg ist, auch zum glo­ba­len Me­dien­star auf­zu­stei­gen. Ein Kon­trakt mit ei­ner Ver­si­che­rung wur­de vor ei­ni­gen Wo­chen ab­ge­schlos­sen. Zwei, drei wei­te­re Ver­trä­ge mit gro­ßen und welt­weit ope­rie­ren­den Spon­so­ren sind in der „Pi­pe­line“.

Heu­te, 12.30 Uhr, ZDF: Ker­ber – Ci­bul­ko­va

Dem gro­ßen Ziel ganz na­he: An­ge­li­que Ker­ber steht erst­mals in ih­rer Kar­rie­re in ei­nem WTA-Fi­na­le. In Sin­ga­pur trifft die ak­tu­el­le Num­mer eins der Welt heu­te auf Do­mi­ni­ka Ci­bul­ko­va. Fo­to: avs

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.