Buch-Tipps

Der Sonntag (Mittelbaden) - - Sonntagskinder - kat

Als ih­re Groß­mut­ter stirbt, lüf­tet Ma­rit ein Ge­heim­nis: Oma Jo­han­na hieß bei Ge­burt Ra­chel und war das jüngs­te Kind ei­ner jü­di­schen Fa­mi­lie. Ihr Bru­der, ih­re Schwes­tern und ih­re El­tern sind wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger um­ge­kom­men. Ra­chel über­leb­te, weil die Nie­der­län­de­rin Hen­drik­je das Ba­by als ih­res aus­gab. Im Traum be­geg­net Ma­rit den Ge­schwis­tern ih­rer Oma, die so alt sind wie sie, und Ma­rit er­fährt, dass Jo­han­na ihr Le­ben lang die Wün­sche al­ler 1 269 Kin­der er­füll­te, die das La­ger nicht über­leb­ten – und so kei­nen ih­rer Träu­me ver­wirk­li­chen konn­ten. 1 269 Wün­sche hat Jo­han­na no­tiert, sie rei­chen von „al­le Ge­burts­tags­ker­zen auf der Tor­te aus­pus­ten“, „fünf Schei­ben Brot über­ein­an­der es­sen“, bis zum ers­ten Kuss. Fe­dor de Beer fin­det in sei­nem ers­ten Buch ei­nen be­ein­dru­cken­den Er­zähl­ton, der die trau­ri­gen Er­eig­nis­se im Le­ben von Ma­rits Oma ein­fühl­sam schil­dert. Ma­rit macht die Ge­schich­te be­trof­fen, aber sie er­lebt sie aus der Dis­tanz zur Ver­gan­gen­heit. Das Buch liest sich schnell weg, de Beer ge­lingt es, na­he an Ma­rit zu blei­ben, auch dann, wenn Jo­han­nas und Hen­drik­jes Er­in­ne­run­gen ei­ne Rol­le spie­len. kat Fe­dor de Beer, Das Buch der 1269 Wün­sche, Dtv, 184 Sei­ten ge­bun­den, 12,95 Eu­ro; als E-Book 9,99 Eu­ro Me­lis­sa wünscht sich sehn­lichst, die Haupt­rol­le in der Schul-Thea­ter­auf­füh­rung zu spie­len. Das wird schwer, denn die Leh­re­rin will die Rol­le mit ei­nem Mäd­chen be­set­zen. Me­lis­sa aber ist ein Jun­ge, Ge­or­ge. So ver­wir­rend Au­tor Alex Gi­no sein ers­tes Buch be­ginnt, so klar ist sei­ne Ge­schich­te. Alex Gi­no sieht aus wie ein Mann, fühlt sich aber als Frau. So emp­fand er seit sei­ner Kind­heit und litt dar­un­ter, es nicht sa­gen zu dür­fen. In­dem er sei­ne Ge­schich­te nun er­zählt, will er Mäd­chen und Jun­gen Mut ma­chen, die sich – wie er – im fal­schen Kör­per ge­bo­ren füh­len. In Alex Gi­nos Hei­mat, den USA, war „Ge­or­ge“ein Rie­sen­er­folg, weil das Buch be­trof­fe­nen El­tern, Klas­sen­ka­me­ra­den und Leh­rern half, das The­ma zu ver­ste­hen. Me­lis­sa fin­det in ih­rer bes­ten Freun­din Kel­ly ei­ne Ver­bün­de­te, die ihr hilft, die Haupt­rol­le zu er­gat­tern, und al­le zu über­zeu­gen, dass sie weiß, wer sie ist. „Ge­or­ge“ist ein un­ge­wöhn­li­ches De­büt, das sich vor al­lem – aber nicht nur – an Be­trof­fe­ne rich­tet und auf­klärt, wie sie sich füh­len. Den Ro­man zu ver­ste­hen, ge­lingt auch jün­ge­ren Le­sern, weil Ge­or­ge ei­ne star­ke Er­zähl­stim­me hat und sehr reif wirkt. Was dar­an lie­gen könn­te, dass Alex Gi­no das Buch erst als Er­wach­se­ner ge­schrie­ben hat. Ei­ne gu­te Ent­schei­dung!

Ab 12 Jah­re

Ab 12 Jah­re

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.