Die Ehe­gat­ten

Wer zieht mit ein ins Wei­ße Haus – Bill oder Me­la­nia?

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Avs

Ge­winnt Hil­la­ry Cl­in­ton am 8. No­vem­ber als ers­te Frau in den USA ei­ne Prä­si­dent­schafts­wahl, durch­bricht auch ihr Ehe­mann Bill ei­ne Glä­ser­ne De­cke. Er wä­re der ers­te „First Hus­band“in den USA, der ers­te „First Gen­tle­man“, wie wohl sei­ne of­fi­zi­el­le Be­zeich­nung lau­ten wird. Der 70-Jäh­ri­ge hat kürz­lich ge­sagt, es sei ihm egal, wie er ge­nannt wer­de – Haupt­sa­che, sei­ne Frau schla­ge den Re­pu­bli­ka­ner Do­nald Trump. „Was ich hof­fe ist, dass ich der Ers­te Frei­wil­li­ge sein wer­de – die bes­te kos­ten­lo­se Ar­beits­kraft, die sie je­mals be­ses­sen hat“, so Ehe­mann Bill. Das klingt no­bel. Aber ab jetzt stän­dig nur noch die zwei­te Gei­ge zu spie­len, ist si­cher kei­ne leich­te Rol­le für den po­pu­lä­ren Wil­li­am Jef­fer­son Cl­in­ton, ei­nen Voll­blut­po­li­ti­ker, wie er im Bu­che steht. Er hat ein­mal ge­ulkt, dass er nicht der Typ sei, der sei­ner Frau den Lunch ein­pa­cke. Kaum vor­stell­bar al­so, dass er ei­nen Ge­mü­se­gar­ten an­legt wie die sport- und ge­sund­heits­be­wuss­te Mi­chel­le Oba­ma oder wie die stil­le Lau­ra Bush Schu­len be­sucht, um zum Le­sen an­zu­spor­nen. Gou­ver­neur, acht Jah­re Prä­si­dent, da­nach als Chef der Cl­in­ton-Stif­tung wei­ter ein Star auf der Welt­büh­ne, ei­ner der hoch­be­zahl­tes­ten – und be­gna­dets­ten – Red­ner: Das prägt, für den Rest des Le­bens, auch wenn Bill nach 2008 nun schon das zwei­te Mal als Wahl­kämp­fer für sei­ne Frau statt Ma­cher nur Un­ter­stüt­zer ge­we­sen ist. Al­so: Das Ta­fel­ge­schirr aus­su­chen, Staats­ban­ket­te pla­nen, für den rich­ti­gen Blu­men­schmuck im Wei­ßen Haus sor­gen – sol­che tra­di­tio­nel­len Auf­ga­ben ei­ner First La­dy wür­de Bill Cl­in­ton wohl kaum über­neh­men. Hil­la­ry deu­te­te be­reits an, dass das wohl in ih­re Hän­de fie­le. Aber wel­che Rol­le wür­de dann der Ers­te Prä­si­den­ten­gat­te über­haupt spie­len? Ei­ne gro­be Vor­stel­lung hat sei­ne Frau schon. Sie möch­te, dass ihr Mann sie in Sa­chen Wirt­schaft be­rät. Dass er dar­in gut wä­re, ha­be er schließ­lich wäh­rend sei­ner Prä­si­dent­schaft be­wie­sen.

Gla­mou­rös und still

Sel­ten ha­ben die Ame­ri­ka­ner vor ei­ner Wahl so we­nig über ei­ne po­ten­zi­el­le First La­dy ge­wusst wie über Me­la­nia Trump. Nicht Me­la­nia, das Ex-Mo­del, die 1,80 Me­ter gro­ße brü­net­te Schön­heit mit den ho­hen Wan­gen­kno­chen, auch nicht Me­la­nia, die Gat­tin ei­nes Mul­ti­mil­li­ar­därs in schi­cken Klei­dern und mit Chauf­feur. Es ist Me­la­nia, der Mensch, der wei­ter im Ver­bor­ge­nen ge­blie­ben ist, auch jetzt noch, zum En­de des auf­wüh­lends­ten Wahl­kamp­fes in der mo­der­ne­ren US-Ge­schich­te. Viel hat man von der 46-jäh­ri­gen ge­bür­ti­gen Slo­we­nin im Zu­ge der Kam­pa­gne ih­res Man­nes Do­nald nicht ge­hört. Ein Auf­tritt auf dem Par­tei­tag der Re­pu­bli­ka­ner im Ju­li ge­riet zur Bla­ma­ge, gan­ze Pas­sa­gen ih­rer Re­de wa­ren aus ei­ner frü­he­ren An­spra­che von Mi­chel­le Oba­ma, der Ehe­frau des am­tie­ren­den Prä­si­den­ten Ba­rack Oba­ma, ab­ge­kup­fert. Da­nach sah man Me­la­nia nur ge­le­gent­lich, et­wa am Ran­de der Fern­seh­du­el­le zwi­schen ih­rem Mann und der De­mo­kra­tin Hil­la­ry Cl­in­ton. Gut er­zo­gen, re­ser­viert – so war sie schon als Kind, wie ehe­ma­li­ge Klas­sen­ka­me­ra­din­nen in Sev­ni­ca (heu­te Slo­we­ni­en, da­mals Teil Ju­go­sla­wi­ens) dem Sen­der CNN sag­ten. Ge­bo­ren wur­de sie am 26. April 1970 als Me­la­ni­ja Knavs, wor­aus dann Me­la­nia Kn­auss wur­de. Ein Fo­to­graf ent­deck­te sie im Al­ter von 16 oder 17. Sie wur­de Mo­del. Zu ih­rer et­wai­gen Rol­le im Wei­ßen Haus sag­te sie : „Ich wer­de ei­ne An­wäl­tin von Frau­en und Kin­dern sein.“Un­ter an­de­rem will sie ge­gen On­li­neMob­bing kämp­fen. Ins­ge­samt be­klag­te sie, „dass un­se­re Kul­tur zu rau und ge­mein ge­wor­den ist“– merk­wür­dig an­mu­ten­de Wor­te aus dem Mund ei­ner Frau, de­ren Mann doch im Wahl­kampf gan­ze Be­völ­ke­rungs­grup­pen be­lei­digt hat. Aber so ist das - wohl nicht im­mer fair – mit Me­la­nia Trump: Man misst sie viel an dem, was ihr Mann ist und sagt – weil man so we­nig über sie weiß.

Wird Bill Cl­in­ton (links, mit Ehe­frau Hil­la­ry) der ers­te „First Gen­tle­man“in der Ge­schich­te der USA? Und müss­te er dann auch für den rich­ti­gen Blu­men­schmuck im Wei­ßen Haus sor­gen? Oder wird Me­la­nia Trump (rechts, mit Ehe­mann Do­nald) neue „First La­dy“? In Kür­ze wer­den wir es wis­sen. Fo­tos: avs

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