Men­schen im Ho­tel – mit Kanz­ler

Ro­man „Büh­ler­hö­he“: ein Krimi um Ade­nau­er

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Lie

Herr­schaf­ten, so las­sen Sie mich doch erst mal an­kom­men. Ein­mal im Jahr braucht auch der Bun­des­kanz­ler ei­ne Pau­se von der Po­li­tik. Da darf er sich ein­fach nur an der gu­ten Schwarz­wald­luft er­freu­en.“Die­se Wor­te legt die Au­to­rin Bri­git­te Gla­ser Bun­des­kanz­ler Kon­rad Ade­nau­er in den Mund, der in ih­rem Ro­man „Büh­ler­hö­he“auf Sei­te 200 im gleich­na­mi­gen Lu­xus­ho­tel an­kommt. Be­grüßt von Blas­mu­sik, Schau­lus­ti­gen und Jour­na­lis­ten. Da­mit der Kanz­ler auch im Ur­laub gleich bes­ser cha­rak­te­ri­siert wird, folgt die Er­läu­te­rung: „Der Ton­fall jo­vi­al und ein­deu­tig rhei­nisch. In der ju­ten Schwarz­wald­luft.“Tat­säch­lich ver­brach­te der Köl­ner und ers­te Re­gie­rungs­chef der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sei­ne Som­mer­fri­sche 1953 bis 1956 im Nord­schwarz­wald. Der da­mals schon über 75-jäh­ri­ge Kanz­ler kann­te die Büh­ler­hö­he seit Jahr­zehn­ten. Rund um ei­nen er­fun­de­nen Ade­nau­er-Auf­ent­halt im Jahr 1952 ist in die­sem Ro­man ein Sit­ten­ge­mäl­de um Men­schen im Ho­tel ge­strickt. Dem Zim­mer­mäd­chen wird eben­so Auf­merk­sam­keit ge­schenkt wie zwie­lich­ti­gen Agen­ten. In der No­bel­her­ber­ge oder im be­nach­bar­ten Ho­tel Hunds­eck tum­meln sich je­de Men­ge Fi­gu­ren, die in die Na­zi- und Kriegs­jah­re ver­strickt wa­ren und noch da­nach dunk­le Ge­schäf­te trei­ben. Der Be­such des Bun­des­kanz­lers führt zu­dem ei­ne ehe­mals Ver­folg­te wie Ro­sa Sil­ber­mann un­ter fal­schem Na­men auf die Büh­ler­hö­he. Die einst nach Pa­läs­ti­na emi­grier­te Jü­din ar­bei­tet für den is­rae­li­schen Ge­heim­dienst und soll, in Kon­kur­renz zu deut­schen Si­cher­heits­leu­ten, ver­hin­dern, dass ex­tre­me Zio­nis­ten ein At­ten­tat auf den Kanz­ler aus­üben. Die Ter­ro­ris­ten wol­len das Wie­der­gut­ma­chungs­abkkom­men von Deutsch­land mit Is­ra­el sa­bo­tie­ren. Lan­ge war­tet Ro­sa auf ih­ren als Ehe­mann ge­tarn­ten Mit­agen­ten – und als er auf­taucht, spit­zen sich die Si­tua­tio­nen dra­ma­tisch zu. Zwei­te Haupt­fi­gur ist Sophie, die Emp­fangs­che­fin der Büh­ler­hö­he, meist „die Rei­n­ach­er“ge­nannt. Die at­trak­ti­ve Frau spinnt ih­re ei­ge­nen In­tri­gen. Er­staun­lich, wie vie­le Schick­sa­le und Er­zähl­strän­ge die Au­to­rin ein­flie­ßen lässt in ihr den­noch gut struk­tu­rier­tes Werk. Es spielt an nur we­ni­gen Ta­gen rund um Ade­nau­ers Be­such. Die Ka­pi­tel des Bu­ches sind le­ser­freund­lich nach den sich ab­wech­seln­den Schau­plät­zen – haupt­säch­lich Büh­ler­hö­he, Hunds­eck, Obe­rer Plät­tig, Ba­den-Ba­den, Bühl oder Frei­burg – ge­ord­net. Ge­spannt ver­folgt man die Ve­räs­te­lun­gen und fühlt sich bis hin zum, et­was stark hin­aus­ge­zö­ger­ten, Fi­na­le zu­dem gut un­ter­hal­ten.

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