Die Auf­pas­ser

Die viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben ei­nes Na­tur­schutz­war­tes im Land­kreis Ras­tatt

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Ka­trin Kö­nig

Wenn Man­fred Beck und Adel­bert Kraus aus Büh­ler­tal auf ih­re eh­ren­amt­li­che Tä­tig­keit als Na­tur­schutz­war­te des Land­krei­ses Ras­tatt zu­rück­bli­cken, be­gin­nen sie zu er­zäh­len. Ge­schich­ten um Ge­schich­ten sind es, die ih­nen ein­fal­len, ein biss­chen wie in „1001 Nacht“: In 35 Jah­ren (Beck) und 26 Jah­ren (Kraus) ha­ben sie schließ­lich so ei­ni­ges er­lebt, das bei ih­nen heu­te noch Kopf­schüt­teln her­vor­ruft – sei es im Um­gang mit un­ein­sich­ti­gen Hun­de­be­sit­zern, die ih­re Tie­re auch zur Brut­zeit von Vö­geln frei im Wald lau­fen las­sen, mit Spa­zier­gän­gern, die im Na­tur­schutz­ge­biet quer­feld­ein un­ter­wegs sind, oder auch mit Blick auf Kom­mu­nen, die sich bei man­chem Pro­jekt gern über Vor­schrif­ten von Na­tur- und Land­schafts­schutz hin­weg­set­zen wür­den. Die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten der War­te sind zwar be­grenzt, doch: „Un­se­re Auf­ga­be be­steht dar­in, Ve­rän­de­run­gen zu er­ken­nen, die nach­tei­lig für Na­tur oder Land­schaft sind, Men­schen dar­auf an­zu­spre­chen oder auch selbst et­was zu tun. Ge­ne­rell len­ken wir das Au­gen­merk auf be­stimm­te Vor­ga­ben und kon­tak­tie­ren die Ver­ant­wort­li­chen oder ge­ge­be­nen­falls das Land­rats­amt. Wir ha­ben ei­nen di­rek­ten Draht zu den Ent­schei­dungs­trä­gern, un­se­re Hin­wei­se wer­den ernst ge­nom­men“, sagt Beck. Er kam zu dem Amt über sei­ne Tä­tig­keit für den Na­tur­schutz­bund (Na­bu). Bis heu­te ist er auch im Bund für Um­welt und Na­tur­schutz Deutsch­land (Bund) auf Lan­des­ebe­ne ak­tiv, mit dem The­ma Na­tur- und Land­schafts­schutz ist er al­so bes­tens ver­traut. Kraus wie­der­um wur­de einst vom Schwarz­wald­ver­ein ge­be­ten, Na­tur­schutz­wart zu wer­den: Der Ver­ein stell­te beim Land­kreis den An­trag auf sei­ne An­er­ken­nung. In Ras­tatt, so Beck, sei man froh über ent­spre­chen­de Vor­schlä­ge von Ver­eins­sei­te; das er­leich­te­re die Su­che nach ge­eig­ne­ten Per­so­nen. Um ih­ren Auf­ga­ben ge­recht wer­den zu kön­nen, be­su­chen Na­tur­schutz­war­te Schu­lun­gen. Über Fach­wis­sen hin­aus ist es vor al­lem Wach­sam­keit, die ih­re Tä­tig­keit er­for­dert: Wenn Beck und Kraus spa­zie­ren ge­hen, ha­ben sie Au­gen und Oh­ren „weit ge­öff­net“. Pri­vat­per­son und Na­tur­schutz­wart, „das fließt oft in­ein­an­der“, be­fin­det Beck. Ein ty­pi­scher „Ein­satz­fall“, be­rich­tet er, sei­en Abla­ge­run­gen von Grün­schnitt oder Müll im Wald. Kraus er­in­nert sich an die Zer­stö­rung ei­ner Wie­se mit ei­ner ge­schütz­ten Blu­men­art im Zu­ge des Baus des Büh­ler­tä­ler Mit­tel­berg­sta­di­ons. Das stimmt ihn bis heu­te trau­rig: Sein Hin­weis an die Kom­mu­ne und das An­ge­bot, die Blu­men an ei­nen an­de­ren Ort zu ver­pflan­zen, sei sei­ner­zeit gar nicht erst ans Land­rats­amt wei­ter­ge­lei­tet wor­den – als er dort letzt­lich an­rief, war nie­mand in­for­miert. In die­sem Fall kam sei­ne In­for­ma­ti­on an der ent­schei­den­den Stel­le zu spät. „Ver­mut­lich grün­de­te das auf Be­fürch­tun­gen der Ge­mein­de, die Bau­maß­nah­men könn­ten wei­ter ver­zö­gert wer­den.“Der Ge­dan­ke liegt nah, weil Beck da­mals ei­ne Stel­lung­nah­me zu ei­nem Bach er­stellt hat­te, der bei der Vor­be­rei­tung zum Sta­di­on­bau „weg­ge­bag­gert“wor­den war; nach sei­ner Mel­dung ans Land­rats­amt sei ein Gut­ach­ten aus­ge­ar­bei­tet wor­den, er­in­nert er sich. „Es durf­te nicht wei­ter­ge­baut wer­den, bis ein Ex­per­te ei­ne Lö­sung fand.“Für Ge­mein­den sind die Na­tur­schutz­war­te al­so häu­fig un­ge­be­te­ne Gäs­te – oder wa­ren es zu­min­dest in Zei­ten, als der Na­tur­schutz noch ei­ne we­ni­ger be­deu­ten­de Rol­le spiel­te. Ih­re Mei­nung äu­ßern die War­te üb­ri­gens auch bei grö­ße­ren kom­mu­na­len Bau­ma­ßBüh­ler­tal nah­men re­spek­ti­ve bei Än­de­run­gen der Flä­chen­nut­zungs­plä­ne. Kraus: „Wir ach­ten dann zum Bei­spiel dar­auf, dass das Tal an be­stimm­ten Stel­len nicht wei­ter zu­ge­baut wird, um ei­nen ge­wis­sen Luf­taus­tausch auf­recht­zu­er­hal­ten. Auch soll­te der Wald nicht noch wei­ter ins Tal kom­men.“Auf­grund von Zer­sie­de­lung und zu­wach­sen­den Wie­sen ha­be sich das Mi­kro­kli­ma et­wa in Büh­ler­tal längst ge­än­dert, be­dau­ert er. Das Prä­di­kat „Luft­kur­ort“gel­te – noch – im Ober­tal: „Man muss sich aber dann auch be­mü­hen, die da­für nö­ti­gen Wer­te, die re­gel­mä­ßig über­prüft wer­den, auf­recht zu er­hal­ten.“Ei­ne eher pri­vat mo­ti­vier­te „Amts­hand­lung“schil­dert Beck: An­fang der 1990er Jah­re ha­be die Ge­mein­de ein Stau­wehr in der Ger­tel­bach ent­fernt; oh­ne dies zu ah­nen, ha­be sie auf die­se Wei­se Krö­ten­laich zer­stört und den Le­bens­raum der Tie­re be­ein­träch­tigt. „In ei­ner Krö­ten­ak­ti­on ha­ben wir die vor­han­de­nen Tie­re an ei­nen an­de­ren Ort ge­bracht und so­mit ge­ret­tet.“Heu­te, sagt er, sei es für Na­tur­schutz­war­te ein we­nig ein­fa­cher, ihr Amt wahr­zu­neh­men. Denn: „Es gibt Han­dys. Da­mit kön­nen wir fo­to­gra­fie­ren und, wenn es ganz übel wird, so­fort auch bei der Po­li­zei an­ru­fen.“Das Be­wusst­sein für die Na­tur, be­fin­den bei­de Män­ner, sei nicht so aus­ge­prägt, wie man glau­ben könn­te. Beck: „Si­cher sind sich vie­le Leu­te be­wusst, dass sie et­was nicht rich­tig ma­chen. Häu­fig aber steht an ers­ter Stel­le der Ei­gen­nutz.“Ei­ni­ge „Au­gen“mehr, die an ers­ter Stel­le die Na­tur­schutz­be­auf­trag­ten der Land­krei­se un­ter­stüt­zen, kön­nen des­halb si­cher­lich nicht scha­den.

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