Ei­ne Rei­se durch die USA

Am Di­ens­tag wählt Ame­ri­ka ei­nen neu­en Prä­si­den­ten – oder ei­ne Prä­si­den­tin

Der Sonntag (Mittelbaden) - - SONNTAGSKINDER - Tan­ja Ka­sisch­ke

Am Di­ens­tag wäh­len die Ame­ri­ka­ner ei­nen neu­en Prä­si­den­ten oder ei­ne Prä­si­den­tin. Erst­mals in der Ge­schich­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten will ei­ne Frau an die Spit­ze, Hil­la­ry Cl­in­ton. Ihr Ge­gen­kan­di­dat bei der Wahl ist Do­nald Trump. Wer von bei­den die meis­ten Stim­men be­kommt, re­giert künf­tig das dritt­größ­te Land der Welt. Nur Ka­na­da und Russ­land sind noch grö­ßer, aber in den USA le­ben mehr Men­schen, rund 320 Mil­lio­nen. Je nach­dem, ob je­mand in ei­ner gro­ßen Stadt oder weit drau­ßen auf dem Land lebt, an der Ost­küs­te, im Wes­ten, im Sü­den oder in der Mit­te, fühlt er sich un­ter­schied­lich ein­be­zo­gen und na­he oder fern des Wahl­ge­sche­hens. Das be­ein­flusst sei­ne Ent­schei­dung. Sol­che Un­ter­schie­de gibt es über­all, auch bei uns in Deutsch­land. Ein Bay­er tickt an­ders als ein Meck­len­bur­ger, ei­nem Leip­zi­ger sind an­de­re Din­ge wich­tig als ei­nem Köl­ner. Die USA sind je­doch sehr viel grö­ßer und es dau­ert län­ger, al­le Men­schen zu er­rei­chen. Die Di­men­sio­nen ma­chen das Land aber auch fas­zi­nie­rend. Wer die USA mit dem Au­to von West nach Ost durch­quert, reist durch vier ver­schie­de­ne Zeit­zo­nen und ist ei­ne Wo­che un­ter­wegs. 4300 Ki­lo­me­ter lang ist die Stre­cke. Von Nord nach Süd sind es 2 500 Ki­lo­me­ter. Zum Ver­gleich: In Deutsch­land lie­gen 1 000 Ki­lo­me­ter zwi­schen der nörd­li­chen und der süd­li­chen Gren­ze, zwi­schen Ost und West so­gar nur 600. Seit­dem es Flug­zeu­ge gibt, nimmt fast kein Ame­ri­ka­ner mehr das Au­to, wenn er auf die ge­gen­über­lie­gen­de Sei­te sei­nes Lan­des will. Ob­wohl es funk­tio­nie­ren wür­de. Die durch­ge­hen­den Bun­des­stra­ßen 66 (Os­tWest) und 77 (Nord-Süd) wa­ren lan­ge Zeit und vor dem Bau der Au­to­bah­nen die wich­tigs­ten Ver­kehrs­we­ge. Die be­rühm­te­re ist die Rou­te 66, die es seit 90 Jah­ren gibt. Die Kenn­zahl 66 er­hielt sie, weil die­se da­mals als ein­zi­ge nicht ver­ge­ben war. Sie war auch die ers­te voll­stän­dig be­fes­tig­te und asphal­tier­te Fern­stra­ße. Die Rou­te 77 ist we­ni­ger be­kannt, doch auch sie ver­rät viel über das We­sen der USA! Sie be­ginnt im Nor­den an der Gren­ze zu Ka­na­da. Der ers­te US-Bun­des­staat, durch den sie ver­läuft, heißt Nord­da­ko­ta. Von dort geht es wei­ter durch Min­ne­so­ta und Süd­da­ko­ta. Die Städ­te Sioux Falls und Sioux Ci­ty lie­gen na­he bei­ein­an­der, doch Sioux Ci­ty ge­hört be­reits zum Staat Io­wa (aus­ge­spro­chen: Eio­wa). Ob­wohl bei­de Or­te in­dia­ni­sche Na­men ha­ben, le­ben dort auch Nach­fah­ren deut­scher Ein­wan­de­rer. In Sioux Falls er­in­nert das Ger­man Fest an die deut­schen Wur­zeln der Ein­woh­ner. Der nächs­te Staat auf dem Weg nach Sü­den heißt Kan­sas. Dort spielt das be­kann­te Kin­der­buch „Der Zau­be­rer von Oz“. Do­ro­thy, das Mäd­chen, das mit dem Wind ins ma­gi­sche Land Oz reist, stammt von ei­ner Farm in Kan­sas. Da­von hat der Staat ei­ne Men­ge, in Kan­sas gibt es viel Land­wirt­schaft! Und ei­ne wei­te­re dop­pel­te Stadt: Kan­sas Ci­ty exis­tiert ein­mal tat­säch­lich in Kan­sas, ein­mal di­rekt hin­ter der Gren­ze zum Nach­bar-Bun­des­staat, Mis­sou­ri. Ku­ri­os: Kan­sas Ci­ty in Mis­sou­ri ist grö­ßer als Kan­sas Ci­ty in Kan­sas! Und Mis­sou­ri heißt auch der gro­ße Fluss, der den Staat durch­quert, um in den Mis­sis­sip­pi zu mün­den. Ihn kennt man eben­falls aus ei­nem Kin­der­buch: Tom Sa­wy­er und Huck­le­ber­ry Finn er­le­ben ih­re Aben­teu­er am Mis­sis­sip­pi. Au­tor Mark Twain ist in Flo­ri­da auf­ge­wach­sen. Ge­meint ist aber nicht der Staat im Sü­den der USA, son­dern ein klei­ner Ort in Mis­sou­ri, der ge­nau­so heißt. Dass Orts­na­men mehr­fach vor­kom­men, liegt dar­an, dass das gro­ße Land nach und nach er­schlos­sen und be­sie­delt wur­de. Des­halb führt die Rou­te 77 wirk­lich mit­ten durch die USA und die Staa­ten se­hen auf der Land­kar­te aus wie Fel­der ei­nes Schach­bretts. Auf Mis­sou­ri folgt Okla­ho­ma, wo­her üb­ri­gens der Pla­ner der Rou­te 66 stamm­te. Auch sie ver­läuft dort ent­lang. Der letz­te Staat der Stre­cke ist Te­xas. Im Ort Browns­vil­le en­det die 77, an der Gren­ze zu Me­xi­ko. Auch in Te­xas le­ben Nach­fah­ren vie­ler deut­scher Aus­wan­de­rer – und Te­xas ist die Wahl­hei­mat des deut­schen Bas­ket­bal­lers Dirk No­witz­ki. Ab­stim­men bei der Wahl des US-Prä­si­den­ten darf der als deut­scher Staats­bür­ger aber nicht, und er könn­te auch nach dem En­de sei­ner sport­li­chen Kar­rie­re nicht als Prä­si­dent kan­di­die­ren. Das ist ge­bür­ti­gen US-Ame­ri­ka­nern vor­be­hal­ten. Ob­wohl No­witz­ki alt ge­nug wä­re: 35 Jah­re alt muss ein Kan­di­dat oder ei­ne Kan­di­da­tin min­des­tens sein. No­witz­ki ist 38. Hil­la­ry Cl­in­ton ist 69, Do­nald Trump 70 Jah­re alt.

Wer zieht nach Ba­rack Oba­ma ins Wei­ße Haus ein? Die meis­tens lä­cheln­de Hil­la­ry Cl­in­ton ist die Fa­vo­ri­tin für die Wahl am kom­men­den Di­ens­tag, 8. No­vem­ber. Um die ers­te US-Prä­si­den­tin zu wer­den, muss die De­mo­kra­tin den fast im­mer gries­grä­mig drein­schau­en­den Mil­li­ar­där Do­nald Trump be­sie­gen, der für die Re­pu­bli­ka­ner an­tritt. Fo­to: fo­to­lia/ed­no­rog13

In der Stadt Sioux Falls im Bun­des­staat South Da­ko­ta fei­ern die Nach­kom­men deut­scher Ein­wan­de­rer im Sep­tem­ber tra­di­tio­nell ihr „Ger­man Fest“. Fo­to: In­go Hen­se­ke

Ein ver­wit­ter­tes Stra­ßen­schild der be­rühm­ten Rou­te 66 im Re­tro-De­sign. Fo­to: fo­to­lia/Tho­mas Be­th­ge

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