Lon­don in Wolfs­burg

„This Was To­mor­row“zeigt bis zum 19. Fe­bru­ar die Er­fin­dung der Pop Art

Der Sonntag (Mittelbaden) - - FREIZEIT & AUSFLÜGE - Re­bec­ca Kriz­ak

Bunt, bun­ter, Pop Art – wer den Be­griff hört, denkt wohl gleich an die Wer­ke von An­dy War­hol. Falsch ist das nicht, doch wer den Stil auf den Ame­ri­ka­ner re­du­ziert, ver­passt ei­ne gan­ze Men­ge. Zum Bei­spiel die Wur­zeln der Kunst­form. Die näm­lich lie­gen in Groß­bri­tan­ni­en, wie die Aus­stel­lung des Kunst­mu­se­ums Wolfs­burg mit der Schau „This Was To­mor­row“klar­macht. Seit we­ni­gen Ta­gen zeigt das Mu­se­um bri­ti­sche Pop Art. Be­kann­te Wer­ke von Richard Ha­mil­ton und Da­vid Hock­ney sind da­bei eben­so zu se­hen wie die Kunst der we­ni­gen Frau­en, die den Stil in Groß­bri­tan­ni­en ge­prägt ha­ben. Ei­nen Blick­wech­sel wol­le das Mu­se­um an­re­gen, er­klärt Mu­se­ums­di­rek­tor Ralf Beil. „Die Ame­ri­ka­ner wa­ren schon im­mer gut im Mar­ke­ting“, sagt er. Die bri­ti­sche Pop Art je­doch sei po­li­ti­scher und heu­te ak­tu­el­ler als die der Ame­ri­ka­ner. The­men wie Ge­schlech­ter­rol­len oder die Kon­sum­ge­sell­schaft sind noch im­mer re­le­vant. So be­ginnt der Rund­gang durch die Aus­stel­lung auch nicht ganz so far­ben­froh und knal­lig wie zu­nächst ver­mu­tet. Der Pop Art des Nach­kriegs-En­g­lands fehlt es an ame­ri­ka­ni­scher Leich­tig­keit. Die Dis­kus­si­ons­grup­pe „In­de­pen­dent Group“eb­net An­fang der 1950er Jah­re den­noch den Weg für die Stil-Rich­tung. Mit da­bei ist auch der Künst­ler Richard Ha­mil­ton mit sei­ner mul­ti­me­dia­len In­stal­la­ti­on „Fun Hou­se“, ei­nes der Schlüs­sel­wer­ke der bri­ti­schen Pop Art. Ei­ne Re­kon­struk­ti­on von „Fun Hou­se“– von Ha­mil­ton selbst rea­li­siert – ist nun auch in Wolfs­burg zu se­hen. Ei­ne wil­de Mi­schung aus Fil­men, Col­la­gen und Mu­sik. „Fun Hou­se“soll Ha­mil­tons ers­te Be­geg­nung mit der Kon­sum­ge­sell­schaft der USA nach dem Zwei­ten Welt­krieg re­flek­tie­ren. Wie sehr er und auch die an­de­ren Künst­ler die­ser Zeit in ih­rer Ar­beit ver­bun­den wa­ren und wie flie­ßend der Über­gang zwi­schen den ver­schie­de­nen Kunst­for­men in der Pop Art war, zeigt das Kunst­mu­se­um in sei­ner 16 Me­ter ho­hen Aus­stel­lungs­hal­le. In mo­der­ner, re­du­zier­ter Form wur­den hier Lon­do­ner Häu­ser und Plät­ze nach­emp­fun­den, die den ein­zel­nen Künst­lern ge­wid­met sind. „Die Künst­ler­häu­ser ha­ben sehr viel ge­mein­sam, aber auch viel Ei­ge­nes“, er­klärt Beil und meint da­mit auch das Zu­sam­men­spiel der ein­zel­nen Künst­ler. Der schil­lernds­te „Haus­be­sit­zer“in der Wolfs­bur­ger-Lon­do­ner Rei­hen­haus­sied­lung ist wohl Da­vid Hock­ney. Der ho­mo­se­xu­el­le Künst­ler be­fass­te sich in sei­nen Wer­ken mit der gleich­ge­schlecht­li­chen Lie­be, be­vor die­se of­fi­zi­ell er­laubt wur­de. Sei­ne Wer­ke wie „The First Lo­ve Pain­ting“nann­te Hock­ney des­halb selbst „Pro­pa­gan­daBil­der“. In Hock­neys Nach­bar­schaft steht das Haus von Pau­li­ne Bo­ty, die in der männ­lich do­mi­nier­ten Welt der Kunst ih­re Weib­lich­keit in den Vor­der­grund stell­te, dar­an letzt­lich je­doch schei­ter­te. Pop Art, das wird in Wolfs­burg klar, ist mehr als Knall­ef­fek­te und bun­te Col­la­gen. „Pop ist sehr viel kom­ple­xer als er heu­te wahr­ge­nom­men wird“, sagt Beil.

Auch Da­vid Hock­ney ist ver­tre­ten

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