der SONN­TAG bei …

Der Sonntag (Mittelbaden) - - DIE REGION - Sa­rah Kies­ecker | Tän­ze­rin und Cho­reo­gra­fin Tho­mas Liebs­cher

Plötz­lich ging al­les ganz schnell, so von Null auf Ein­hun­dert, dass ich mich in den zeit­ge­nös­si­schen Tanz stürz­te“, er­zählt Sa­rah Kies­ecker von ih­ren An­fän­gen. Sie war 16, als ein Work­shop mit Det­lev D! Soost der Karls­ru­he­rin ei­ne tief sit­zen­de Lei­den­schaft wie­der be­wusst mach­te. Hip-Hop, Sal­sa und bald dar­auf Bal­lett lie­ßen sie nicht los. Die Be­we­gung zur Mu­sik als Kunst­form schob ihr Le­ben in ei­ne neue Rich­tung. Heu­te ist die 29-jäh­ri­ge nicht nur aus­ge­bil­det im zeit­ge­nös­si­schen Tanz, son­dern Ide­en­ge­be­rin und Lei­te­rin der Com­pa­gnie „Jaz­za­ret“, die seit sechs Jah­ren be­steht. Mit der Pro­duk­ti­on „Roy­al Blau“sind Kies­ecker und Jaz­za­ret beim Fes­ti­val „tanz karls­ru­he“ver­tre­ten. Da­hin­ter steckt ei­ne Ver­an­stal­tungs­rei­he, die ab dem 9. No­vem­ber wun­der­ba­re Ein­bli­cke in die Viel­falt des Be­we­gungs­thea­ters und die Be­geg­nung mit fas­zi­nie­ren­den Ak­teu­ren er­mög­licht. Al­ler­dings sind die zwei lan­gen Näch­te der kur­zen Stü­cke“mit „Jaz­za­ret“im Mühl­bur­ger „Tem­pel“be­reits aus­ver­kauft – wie vie­les, aber zum Glück nicht al­les an­de­re bis zum 27. No­vem­ber. Denn das Fes­ti­val hat ei­nen enor­men Ruf und Zu­lauf – in der Re­gi­on wie ganz Süd­west­deutsch­land. Für Sa­rah Kies­ecker er­wächst aus Tanz viel mehr als Trai­ning des Kör­per’s mit Ziel ei­ner Auf­füh­rung. „Tanz ver­än­dert die Wahr­neh­mung von al­lem. Ich war frü­her eher ei­ne Träu­me­rin und ha­be nur in mei­nem Kopf ge­lebt. Durch den Tanz ha­be ich ge­lernt, bei al­len Men­schen ge­nau­er hin­zu­schau­en.“Kies­eckers Sport und Kunst ver­bin­den sich zu ei­ner Le­bens­wei­se, die vom frü­hes­ten Ge­dan­ken des Tages bis zu den Träu­men der Nacht spür­bar ist. Da ist es gut, wenn der Part­ner selbst vom Break­dance kommt, bei ei­nem abend­fül­len­den Stück be­tei­ligt war und die Kat­ze Her­mi­ne ei­ne lie­be­voll-ge­dul­di­ge Mit­be­woh­ne­rin ist. Mit der se­mi­pro­fes­sio­nel­len Com­pa­gnie „Jaz­za­ret“setzt die Che­fin auf Tanz, der ein brei­tes Pu­bli­kum er­rei­chen kann, ge­ra­de durch Ein­satz von Mu­sik­sti­len, die aus der Hoch­kul­tu­re­cke ge­se­hen als zu kom­mer­zi­ell ab­ge­tan wer­den könn­ten. „Ich stau­ne auch im­mer, dass Zu­schau­er uns fra­gen, ob sie das Stück rich­tig ’ver­stan­den’ ha­ben. Ich fra­ge sie dann im­mer, ob sie et­was ge­fühlt ha­ben. Denn ge­nau dar­um geht es mir“. Die Cho­reo­gra­fin nann­te ihr ers­tes abend­fül­lends Stück „7ie­ben“. Um Ent­wick­lung und Rei­fung im Le­bens­weg geht es dar­in. Sa­rah Kies­eckers Ent­wick­lung zu Be­ruf wie Be­ru­fung er­mög­lich­te die Mut­ter Andrea. „Sie ist selbst Tän­ze­rin, dräng­te mich aber nie in ei­ne be­stimm­te Rol­le“, er­zählt die Toch­ter. Ei­ne stren­ge jun­ge Che­fin muss die an Wo­che­n­en­den in­ten­siv trai­nie­ren­de Künst­le­rin sein- um ho­he An­sprü­che an ih­re Com­pa­gnie wei­ter­zu­ge­ben. An ein dis­zi­pli­nier­tes Le­ben seit der ei­ge­nen Aus­bil­dung in Mün­chen plus Job zum Geld­ver­die­nen hat sich die ehe­ma­li­ge Ju­ra-Stu­den­tin ge­wöhnt. Da ist vie­les durch­ge­tak­tet, doch Zeit fürs Schrei­ben muss blei­ben. Wenn der Tag hin­ter ihr liegt oder ei­ne Pau­se mit sich bringt, wer­den tan­zen­de Ge­dan­ken fest­gel­hal­ten. In ih­rem Blog er­zählt sie von der Ent­ste­hung ei­ner Pro­duk­ti­on eben­so ele­gant und ge­fühl­voll, wie sie sich auf der Büh­ne be­wegt.

Mit ih­rer Tanz­com­pa­gnie „Jaz­za­ret“ver­wirk­licht die Cho­reo­gra­fin Sa­rah Kies­ecker ih­re Vor­stel­lun­gen von zeit­ge­nös­si­schem Tanz, der vie­le Men­schen er­rei­chen soll. Fo­to: Li­sa Kam­low­ski

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