Die Trump-Flüs­te­rin

Mit der PR-Stra­te­gin Kel­lyan­ne Con­way kam der Er­folg

Der Sonntag (Mittelbaden) - - AKTUELL - Michael Don­hau­ser

Do­nald Trump spricht gern da­von, wie vie­le Men­schen er als Un­ter­neh­mer in sei­nem Le­ben schon in Lohn und Brot ge­bracht hat. An ein Ein­stel­lungs­ge­spräch wird sich der künf­ti­ge US-Prä­si­dent be­son­ders ger­ne er­in­nern. Am 17. Au­gust 2016 hol­te der da­ma­li­ge Kan­di­dat Trump Kel­lyan­ne Con­way als Wahl­kampf­ma­na­ge­rin in sein Team. Seit­dem ging es berg­auf. Con­way, einst zur Blau­beer­prin­zes­sin in New Jer­sey ge­wählt, wur­de zum Gesicht des Trump-Wahl­kamp­fes, om­ni­prä­sent auf al­len TV-Ka­nä­len, zur Er­klä­re­rin, zur Be­sänf­ti­ge­rin, wenn Trump es wie­der ein­mal über­trie­ben hat­te. Die PR-Stra­te­gin hat das Image Trumps ge­dreht – vom un­zähm­ba­ren Re­bel­len zum

Sie ist das Ide­al­bild der ame­ri­ka­ni­schen Frau

wähl­ba­ren Prä­si­den­ten mit Ecken und Kan­ten. Auf ihr Ge­heiß hielt er sich an vor­be­rei­te­te Re­den, ließ sich in ein Wahl­kampf­kor­sett pres­sen. Wie ein Renn­pferd vor dem Start ver­such­te er im­mer wie­der ein­mal aus­zu­bre­chen. Doch Con­way hielt die Zü­gel fest. Trump und die blon­de Po­wer­frau aus New York ken­nen sich lan­ge. Im Vor­wahl­kampf lehn­te sie ei­ne Of­fer­te ab – aus Angst um ihr Image als er­folg­rei­che Un­ter­neh­me­rin, An­walts­gat­tin und vier­fa­che Mut­ter. Statt­des­sen hat sie zu­nächst bei Trumps in­ner­par­tei­li­chem Kon­tra­hen­ten Ted Cruz an­ge­heu­ert. Als Trump dann nach sei­nem ers­ten Wahl­kampf­ma­na­ger Co­rey Le­wan­dow­ski auch des­sen Nach­fol­ger Paul Ma­n­a­fort in­mit­ten ei­nes ernst­haf­ten Um­fra­ge­tiefs den Lauf­pass gab, war Con­way zur Stel­le. Und wie: Mit dem erz­kon­ser­va­ti­ven Me­dienstra­te­gen Ste­ve Ban­non im Hintergrund wur­de die blon­de Frau zum freund­li­chen Gesicht des oft als zor­nig emp­fun­de­nen Trump. Con­way war über­all. Sie füll­te mit ih­rer Wir­bel­wind­na­tur ex­zel­lent die Lü­cken, die Trump auf­ge­ris­sen hat­te. Da­bei kam ihr zu­gu­te, dass sie Mut­ter, Ehe­frau und gläu­bi­ge Chris­tin ist. Sie ver­kör­pert das Ide­al­bild der er­folg­rei­chen ame­ri­ka­ni­schen Frau, wur­de von den Me­di­en re­spek­tiert und Lieb­ling der Come­dy­shows, die sie ge­nüss­lich, aber auf­fal­lend sanft par­odier­ten. In­tern muss es im Trump-La­ger da­ge­gen von Be­ginn an hef­tig ge­knallt ha­ben. An ei­nem Punkt soll Trump selbst nicht mehr an den Sinn sei­nes Wahl­kamp­fes ge­schwei­ge denn an ei­ne Sieg­chan­ce ge­glaubt ha­ben. Kel­lyan­ne Con­way soll es ge­we­sen sein, die Trump zur Ord­nung rief. Und als der Kan­di­dat in ei­nem der TV-Du­el­le mit der nach au­ßen über­mäch­tig er­schei­nen­den Hil­la­ry Cl­in­ton die Fra­ge un­be­ant­wor­tet ließ, ob er die Wahl nach ei­ner Nie- der­la­ge an­er­ken­nen wer­de, kon­ter­te Con­way am nächs­ten Mor­gen Jour­na­lis­ten­fra­gen freund­lich aber be­stimmt: „Na­tür­lich wird er sie an­er­ken­nen, er ge­winnt sie ja.“Con­way wuchs als Toch­ter ei­nes Iren und ei­ner Ita­lie­ne­rin in New Jer­sey auf, die meis­te Zeit ih­rer Ju­gend oh­ne Va­ter, da­für mit Mut­ter, Oma und zwei Tan­ten. Al­le sehr ka­tho­lisch. Am Trini­ty Col­le­ge im Wa­shing­to­ner Os­ten ab­sol­vier­te sie ihr Ju­ra­stu­di­um, Ab­schluss mit sum­ma cum lau­de. Ei­gent­lich woll­te sie Rich­te­rin wer­den, dann ent­schied sie sich für die PR-Bran­che. Schwer vor­stell­bar, dass Prä­si­dent Trump künf­tig auf die Di­ens­te der streit­ba­ren Blon­di­ne ver­zich­ten will. Auf Twit­ter räum­te sie be­reits ein, ei­nen Job an­ge­bo­ten be­kom­men zu ha­ben.

Die Wahl­kampf­ma­na­ge­rin und PR-Stra­te­gin Kel­lyan­ne Con­way ge­lei­te­te den Kan­di­da­ten Do­nald Trump durch die oft selbst ver­ur­sach­ten Un­tie­fen des Wahl­kampfs. Fo­to: avs

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